Einladungs-schreiben zur hochzeit an einen guten freund in Meissen. H. M

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Einladungs-schreiben zur hochzeit an einen guten freund in Meissen. H. M (1697)

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Es grüst dich ietzt mein brief/ o alter schul-geselle/
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Von kindheit treuer freund/ mein werther Seidemann;
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Und wünscht/ er sehe dich nur selber zu der stelle/
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Nun mir des himmels gunst das hochzeit
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Denn ich kan ohne dich vergnüget nicht erscheinen/
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Du weist/ wie freundschafft uns genau zusammen bindt/
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Und der ist von metall/ von felsen und von steinen/
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Der einen landsmann weiß/ und ihn nicht selber find.
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Kein Greiffenberger wird erfreulich können greiffen/
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Wenn nicht sein mitgesell empfindet gleiche lust/
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Ich tantzte noch so gut/ wenn du mir würdest pfeiffen/
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Dieweil du keinen sprung vergebens selber thust.
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Nun höre/ wie das glück so vortheilhafftig handelt/
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Es sieht uns bald geneigt/ bald wieder sauer an:
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Nach dem mein erstes weib zur langen ruh gewandelt/
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So dacht ich auch/ nun ists mit dir durchaus gethan.
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Ich wolte durch die welt aufs neue wieder reisen/
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Ich wolte/ gleich wie du/ in fremde gräntzen ziehn/
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Ich meinte/ keinem gehts als wie dem herren Weisen/
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Der ietzt in Breßlau kan in vollem seegen blühn.
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Ich schloß: du bist nicht schwer/ dich drücket keine bürde/
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Es macht dir weder kind/ noch stieffkind schwere pein
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So nannt ich grossen stand und allzu hohe würde
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Melonen/ die für mich gar nicht zu essen seyn.
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Bald dacht ich wiederum: Wo wird dein freund itzt leben?
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Mir war zwar wohl bekandt/ daß Meissen dich umschloß:
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Ich sorgte/ wird es ihm auch satt zu essen geben?
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Die blick und worte sind da freundlich/ reich und groß.
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Dann sah ich wiederum und auf mich selbst zurücke/
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Und zog mit frohem geist nach meinem vetter hin/
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Gott fügt es wunderlich/ ich fand da mein gelücke/
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Er sprach: bleib bey mir hier/ erwarte den gewinn.
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Ich folg und lasse den/ der mich erschaffen/ walten/
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Verehre meinen GOtt mit brünstigem gebet/
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Voll hoffnung/ daß er werd’ auch sein versprechen halten/
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Daß kein rechtgläubiger umsonst ihn angefleht.
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Ich gehe drauff getrost/ und suche lieb und hulden/
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Und finde diese frau/ der ich mich ietzt vertraut.
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Sie spricht/ ich solle mich ein weniges gedulden/
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Biß daß sie mein gemüth und hertze vor beschaut.
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Sie ziehet nachricht ein von meinem thun und leben/
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Und höret/ wer ich bin/ und was ich je gethan/
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Und weil die Jauter mir ein gutes zeugniß geben/
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So nimmt sie mich zum schatz und ihrem bräutgam an.
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Ich werde nun getrost zum kretschmar/ Urbar/ schreiten/
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Nicht wundre dich mein freund/ daß ich den schluß gemacht.
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Was sind studenten doch bey den elenden zeiten?
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Es wird ein arm gesell verspottet und verlacht.
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Was hilfft uns alle kunst/ wenn man soll hunger leiden/
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Und auf den dörffern wohl präceptor sterben muß?
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Wenn bauren sich in tuch und wir in leinwand kleiden/
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Und ein zerrißner schuh kaum decket unsern fuß?
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Die Musen betteln itzt/ und stehen vor den thüren/
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Es ist kein schlechtrer mensch/ als ein gelehrter mann/
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Und solt ich diesen wahn mich länger lassen führen/
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Mein hertz-vertrauter freund/ ich griff es anders an.
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Ich mag nicht auf der welt die bogen voller titel/
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Vor mir mag jederman vorn an der spitzen stehn.
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Beschert der höchste GOtt nur mir zu leben mittel/
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So laß ich andre gern im ersten paare gehn.
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Nun bruder Seidemann/ daß ich den zweck erreiche/
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Komm auf mein hochzeit-fest ein hochgewünschter gast/
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Es wird kein edelmann indeß zu einer leiche/
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Von dem du irgend noch fünff groschen rechnung hast.
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Du wirst zu Breßlau noch so eine mahlzeit finden/
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Die deiner Meißnischen durchaus die wage hält/
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Es soll ein safftig stähr dir das geblüt entzünden/
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Daß er wie bitter bier dir in die kehle fällt.
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Behüte GOtt dafür! ich will dein land nicht tadlen/
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Das reine Meissen ist ja voller-reinligkeit/
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Und weil es sparsamkeit und kluge kargheit adeln/
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So leg ich alles diß/ was widrig ist/ bey seit.
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Allein/ o alter freund/ du wirst es selbst bekennen/
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Daß unser Schlesten viel beßre nahrung hat.
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Wer einmahl zu uns kommt/ wird leicht davon nicht rennen/
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Und spricht
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Du wirst den gantzen tisch mit speisen sehn besetzet/
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Wenn ein gerichte kaum bey euch die augen füllt/
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Man dencket/ wie nur recht der magen werd’ ergetzet/
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Und daß er nicht so bald für neuem hunger billt.
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Ich will dir schwartzen schöps und neues bier gewähren/
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Bedencke jene zeit/ wie du gezogen hast/
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Du magst bey mir so frisch/ als wie die schlemmer/ zehren/
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Die zahlung kommt auf mich/ du bist mein lieber gast.
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Die hüner sind allhier nicht auf dem mist gemästet/
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Wie man bey euch gewohnt/ das kalbfleisch ist recht fett/
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Und wen das rindfleisch hier zum besten nicht geköstet/
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So glaub ich/ daß er nicht vernunfft und sinnen hätt.
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Es soll an wildpret dir und vogeln gar nicht mangeln/
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Da du zu Lauchstädt nur spatz und goldammern speist/
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So darffst du nicht wie dort erst deinen weißfisch angeln/
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Weil sich ein welß und aal hier auf dem tische weist.
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Zu diesem geb ich wein/ den safft von edlen trauben/
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Der gar weit herrlicher als euer eßig schmeckt.
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Du magst/ mein Seidemann/ mir kühn- und kecklich glauben/
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Daß nach dem nectar-tranck man alle singer leckt.
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Verzeihe/ daß ich ietzt mit dir auffrichtig schertze/
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Denn freunden ist ja nicht dergleichen lust versagt.
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Du kennst mein treu gemüth und mein getreues hertze/
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So weiß ich/ daß dir auch ein reiner schertz behagt.
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Mein mund wird künfftig GOtt ein Halleluja singen/
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Wenn dein betrübter hals nur miserere schreyt/
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Wenn dir die knaben nicht genugsam holtz einbringen/
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Und bey dem strengen frost der baur zehlt jedes scheit.
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Zwey freunde haben gantz ein sonderbahr gelücke/
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Mich deckt ein steinern hauß/ dich eine leimern wand.
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Ich kauff ein halstuch ein/ du küh- und kälber-stricke/
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Mein boden der ist fett/ und mager ist dein land.
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Es will die dürfftigkeit stets deine nachbarn heissen/
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Wenn eine kirmeß dir nicht noch ein träncklein giebt.
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Du spinnst wohl seide nicht/ mein Seidemann/ in Meissen/
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Dein garn das ist zu grob/ dein faden nicht beliebt.
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Das kraut ist heuer klein/ der kohl ist nicht gerathen/
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Die rüben sind verdorrt/ die möhren sonder safft.
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Ach! welche theure zeit/ ach welche magre braten!
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Die dir dein cantor-amt zu Lauchstädt reicht und schafft.
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Es wird ein schlechtes muß mit etwas kalten speisen
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Und mehr als schwartzes brod in deine gurgel ziehn/
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Da hasen/ hirsch und reh/ capaunen bey herr Weisen
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Zum besten zugericht auf seinem tische blühn.
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Bald stärckt uns Ungarns wein/ bald sect den blöden magen/
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Da dir ein brantewein den besten purpur schenckt.
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Und läst du eine wurst den sonntag dir vortragen/
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So glaube/ daß bey mir gantz voll der trender hengt.
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Ein gantzes bier bringt mehr/ als deine gantze schule/
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Ob schon das herbst-quartal das allerbeste scheint/
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Du sitzst auff einer banck und ich auf einem stuhle/
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Und meine nahrung ist mit deiner nicht vereint.
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Bedencke/ wenn du must die nackten backen fegen/
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Und dir ein stinckend dampff in das gesichte steigt/
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So spür ich GOttes gunst und seinen milden seegen/
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Den er mir überall in meinem Urbar zeigt.
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Zwey knechte stehen dar zu meinen dienst und willen/
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Da nicht ein knabe da/ zu wischen deine schuh;
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Hör ich laut’ und viol/ so hörst du kühe brüllen/
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Und Lauchstädts bremmer schreyt ein grob runda dazu.
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Und käm ich gleich zu dir/ was kanst du mir vorsetzen?
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Der schulen fenster sind ietzt mit papier bedeckt/
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Ein wenig zwiebel-fisch und etwas von den pletzen/
140
Und knoblauch ist der schatz/ der noch zu Lauchstädt steckt.
141
Das neu-jahr ist sehr schlecht/ der baur ist gantz verarmet/
142
Du wirst wohl heuer nicht viel fette schincken sehn/
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Und wo der himmel sich nicht über dich erbarmet/
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So dürffte dich der wind mit samt dem hauß wegwehn.
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Doch lob ich deinen muth/ den helden-muth in allen/
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Du bist Auroren gleich/ frisch munter im gesicht/
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Und wird ein brandtewein zur morgen-stunde fallen/
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So glaub ich/ daß du tauschst mit cron und scepter nicht.
149
So gehts/ o Seidemann! was nützen die camönen/
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Was hilfft es/ daß man sich zu tode hat studirt?
151
Es wird ein reicher baur nur unsre kunst verhönen/
152
Wenn Merseburger bier er in den keller führt.
153
Entbrich dich diesem joch/ entbrich dich solchen knaben/
154
Barfüssern in dem lentz/ flöh-saamen wenn es schneyt;
155
Was wilst du länger noch ihr garstig fell beschaben?
156
Wie daß ein schilling dann so hertzlich dich erfreut?
157
Verlaß das Babylon und seine wüsteneyen/
158
Bey diesem volcke gilt noch harffe noch gesang.
159
Ein cantor als wie du von schönen melodeyen/
160
Dem wird zu Lauchstädt nur die zeit und weile lang.
161
Komm als ein hochzeit-gast/ vielleicht kan es gelingen/
162
Daß dir dein vaterland gönnt wieder feur und herd.
163
Ich weiß/ dein liebes weib eilt schon mit vollen springen/
164
Wünscht/ daß in Schlesien ihr sey ihr grab beschert.
165
Kein thon auff dieser welt soll mich so sehr erquicken/
166
Als wo ein hochzeit-lied mein Seidemann noch singt/
167
Es wird dich vetter Weiß in arm und beine zwicken/
168
Und sagen: schaue doch/ wie Langen es gelingt.
169
Ich will dich länger nicht mit meiner schrifft verweilen/
170
Die knaben stehn schon da/ und ruffen A B C;
171
Zu dem so heist mich auch der bote fort zu eilen/
172
Leb unterdessen wohl/ mein liebster freund/ ade!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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