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Auf töchter/ die ihr seyd in meinen schutz gewichen
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Und mir auf mein altar verliebten weyrauch streut/
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Jhr habt euch von der last der fessel schon befreyt/
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Weil mit der jungferschafft auch alle schmach erblichen:
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Die war es/ die euch stets in tieffe qual gerissen/
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Die euren reinen leib mit seuffzern offt befleckt;
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Jtzt wist ihr/ was ihr seyd/ was gut und böse schmeckt/
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Und dörfft vor weiter nichts als eure wollust büssen.
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O zucker-süsser schimpff! o schaden ohne wunden!
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So schreibt man seinen ruhm ins buch der ewigkeit/
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So wird die stoltze zahl der ahnen zubereit/
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Und unser nahmens-lob der nachwelt eingebunden.
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Wahr ist es/ daß das volck nach seiner art wird lachen/
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Wahr/ daß eu’r titul wird auff vielen zungen stehn/
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Daß manches läster-maul um euren busen gehn/
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Und mancher donner wird um eure wohnung krachen.
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Mich deucht/ ich höre selbst schon diese worte klingen:
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Ey lieber! schaut mir doch die schönen jungfern an/
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Seht wie die thierchen sich so niedlich angethan/
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Wie sie den dicken leib in enge kleider zwingen.
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Wer aber hat die that der andern aufgeschrieben?
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Wer hat den meisten wohl den nabel recht besehn?
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Wer weiß was hier und dort im winckel ist geschehn?
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Und was des baders hand durch ihre kunst vertrieben?
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Nicht alle sind gerecht/ die wie die engel treten/
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Und die den busen offt biß oben zugeschnürt:
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Da wo der teuffel nicht studenten hingeführt/
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Muß offt ein schlechter knecht das Pater noster beten.
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Nicht alle sind gerecht/ die keine lieder lieben/
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Und auf ein iedes wort uns aus den augen gehn.
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Was wegen argwohn nicht darf auf den lippen stehn/
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Das hat der kützel doch dem hertzen eingeschrieben.
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Nicht alle sind gerecht/ die alle lust verlachen/
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Die vor ein compliment kaum sagen grossen danck/
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Und von dem rathhauß an biß zu der kirchen-banck
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Fast sieben tausend mahl und sechzig schritte machen.
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Sie lassen mehr als ihr gedämpffte seuffzer fliegen/
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Sie fühlen mehr/ als ihr/ die centner-schwere pein;
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Und daß sie endlich noch so halbe jungfern seyn/
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Das macht die blinde furcht/ sie möchten kinder kriegen.
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Wie manche möcht bey nacht vor thränen fast zerfliessen/
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Wenn sich der brüste schnee durch geile brunst bewegt/
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Wenn der beperlte safft die steiffen lenden regt/
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Und sich die seele selbst will aus den adern giessen.
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Ach! denckt sie/ wenn ein traum kan solche lust erwecken/
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Wenn schlaff und schatten-werck so voller zucker stehn/
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Was mag doch wohl vor dampf aus allen gliedern gehn/
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Wenn man das honig darff aus rechten muscheln lecken.
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Ach daß ich diese nacht mit ehren schwanger würde/
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Ach wäre nicht der tranck mit galle zubereit/
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So trüg ich heute noch mich in den männer-streit/
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Und denn drey viertel jahr die süsse liebes-bürde.
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So aber darff mein feld der saate nicht geniessen/
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Mein blumen-garten darff kein wasser an sich ziehn/
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Mein stamm muß ohne kern und ohne früchte blühn/
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Und meine beste krafft auf kalte tücher fliessen.
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So spielt das jungfern-volck bey nachte mit den plagen;
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Bricht aber allererst der morgen wieder an/
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Ach! GOtt/ wer ist wohl denn/ der recht beschreiben kan/
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Wie sie die erbarkeit in hundert falten schlagen?
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Da will die zehnde kaum von liebes-sachen wissen/
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Da heist ein freyes wort stracks eitel hurerey/
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Da fluchen sie getrost von pulver/ blitz und bley/
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Wenn man in ehren nur will ihre lippen küssen.
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Da schreyn sie: ach! mein herr/ was? will er mich beflecken?
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Was bildt er sich wohl ein? wer/ meynt er/ daß ich bin?
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Witz aber recken sie die gusche selber hin/
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Und lassen unverhofft das theure leder lecken.
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Will denn ein guter kerl biß in den busen schiffen/
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Da hört man allererst/ was rechte keuschheit sey/
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Da geht der donner loß; und dencken doch dabey:
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Ach! warum habt ihr mir nicht besser dran gegriffen?
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Und endlich sprechen sie/ wenn alles vorgegangen:
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Mein schatz/ es steht dir frey/ nur dieses bitt ich noch/
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Verschone meiner scham und meiner ehren doch/
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Sonst magst du wie du wilt mit meinem kräntzchen prangen.
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Drum trauret länger nicht/ ihr töchter/ um die sünden/
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Was euch ietzund betrifft/ hat manche schon gefühlt;
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Die auf dem haupte noch mit blumen heute spielt/
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Kan morgen wohl vielleicht sich ihrer last entbinden.
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Was ist die jungferschafft? ein blätchen voller wunden/
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Das manches mägdchen oft nur mit der hand zerreist/
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Das auch Fallopius kaum selber uns erweist/
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Und unter tausenden bey dreyen nur gefunden.
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Und soll ich endlich ja die rechte warheit sagen:
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Es ist ein lumpen-ding mit kummer angefüllt/
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Ein rös’gen das nur auf ein viertel stündchen gilt/
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Und vor ein groschen-stück offt viel zu marckte tragen.
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Ich schwere bey mir selbst und aller götter leben:
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Giebt eine jungfer sich von achzehn jahren an/
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Die mir das rare pfand vor augen stellen kan/
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Sa will ich tausend marck ihr zu der hochzeit geben.
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Was sucht ihr weiter denn mit thränen zu beschämen
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Ein ding/ das euch vielleicht das tantzen längst geraubt/
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Das selber die natur mit dornen überlaubt
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Und kaum ein ehrlich kerl darff in die hände nehmen?
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Ach denckt doch wer ihr seyd/ und was ihr seyd gewesen!
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Schaut euren neuen stand mit frischen augen an;
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Denn sagt/ was dem die lust der liebe schaden kan/
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Der so die äpffel darff aus reinem marmel lesen.
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Gesetzt auch/ daß ihr solt gar in die wochen kommen/
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Was ist es endlich mehr mit kindern schwanger gehn?
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Es wird euch doch fürwar zu mehrerm ruhme stehn/
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Als wenn das alter euch hätt ins spital genommen.
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Jhr habt bey weitem nicht so grosse schmach erlitten/
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Als manch verschrumpelt thier/ die stets die liebe quält/
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Die so viel jahre fast als zähn im maule zehlt/
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Und sich vor kummer offt muß in die grube bitten.
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Genug/ daß ihr kein geld vor eure lust begehret/
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Daß ihr den gürtel noch mit ehren abgelegt;
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Ein andre/ die den leib vor sieben groschen trägt/
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Mag klagen/ daß der crantz auch ihren glantz verzehret.
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Euch aber ist der tag der freuden aufgegangen/
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Jhr saugt canari-sect aus zucker-schalen ein/
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Und lasset bey der nacht/ was jungfern/ jungfern seyn/
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Wenn eure rosen nur mit gleichem purpur prangen.
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Ja wie ein bunter platz gefärbter tulipanen/
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Wenn man den stengel bricht/ doch wieder blumen streut;
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So wird der süsse bruch/ der euren schoß bemeyt/
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Euch allererst den weg zu frischer blüte bahnen.
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Die kinder werden euch nur zum ergötzen dienen/
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Wenn euch eur ebenbild wird unter augen stehn/
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Wenn eure liebligkeit von ihren lippen gehn
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Und eure freude wird auff ihren wangen grünen.
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Und endlich seyd ihr nicht die ersten unter allen
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Die liebe/ lust und list mit flammen angefüllt/
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So ist vor langer zeit das wunderschöne bild/
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Des grossen Carles kind/ die Emma/ selbst gefallen.
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So musten meinen thron Augustens töchter küssen/
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So rieff Cleopatra mich um erbarmen an/
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So trat Columbula die feder-leichte bahn/
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Und legten ihren crantz zu meinen götter-füfsen/
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Doch/ solte wer von euch in der geburt erblassen/
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Und giengs ihr etwa nicht nach weiber weise woll/
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So schwer’ ich/ daß mein sohn nicht eher schlaffen soll/
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Biß er diß denckmahl wird auf euren stein verfassen:
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Steh leser! diese grufft hält weib und kind verbunden/
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Diß/ weil das leben ihm den tod zu wege bracht;
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Sie aber/ weil ihr kind hier vor des neides macht
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Hat ausser ihren leib’ kein besser grab gefunden.