Vergnügungs-ode

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Vergnügungs-ode (1697)

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Wol dem der schon den hohen berg erstiegen/
2
Wann andre sich noch um die wurtzeln schmiegen/
3
Der kan gewiß wol recht vergnüget seyn:
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Wenn andre erst um reich und scepter streiten/
5
So siht man ihn in cron und purpur schreiten/
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Jhn hüllt der sieg in tausend freuden ein.
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Wenn jener bitt zu stehen für den füssen/
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Kan dieser schon die rosen-wangen küssen/
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Und drückt den mund an ihre liljen-brust.
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Wenn jenen noch die hofnung hält gefangen/
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Kan dieser schon derselben frucht erlangen/
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Und sitzt allda in voller hertzens-lust.
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Was kan uns mehr als dieses wol vergnügen!
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Wenn sich der stock will selbst zum pflocke biegen/
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Und beut uns an das schöne rosen-haupt.
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Wenn jener sich bemüht sie abzubrechen/
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Ist diß sein raub/ daß er sich pflegt zu stechen/
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Sonst weiter ist ihm nichtes nicht erlaubt.
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Der sitz umzirckt in seiner schönheit armen/
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Und kan mit lust an ihrer brust erwarmen/
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Wenn er list auf den süssen liebes-thau.
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Da dieser sich mit tausend sorgen kräncket/
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Und manches mal mit leeren bächen träncket/
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Fast halb verwirrt auf seiner liebes-au.
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Wenn er sich plagt biß an den hellen morgen/
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Ja halb erstirbt in lauter liebes-sorgen/
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Und gleichsam wie aus einer nacht erwacht.
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Will dieser schon in lauter anmuth lachen/
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Und einen schertz aus allen sorgen machen/
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Er ist auf nichts als nur auf lust bedacht.
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Wenn man den kahn will von dem hafen trennen/
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Siht er sein schiff mit vollem segel rennen/
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Es neigt zu ihm sich der erwünschte port/
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Das ufer will als göttlich ihn selbst ehren/
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Da jenen doch ein fels dräut zu versehren/
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Und zeiget ihm oft die verfälschte pfort.
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Glückseelig ist derselbe ja zu nennen/
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Nach dessen blick der schönsten hertz wil brennen/
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So tag und nacht in voller wache steht/
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Wenn er die glut sieht aus dem hertzen stammen/
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Die ihm erweckt vergnügungs-volle flammen/
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Wenn durch den schnee der liebe westwind geht.
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Da jener noch das feuer soll aufblasen/
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Da er sich oft verbrennen kan die nasen/
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Wenn er nicht wohl mit umzugehen weiß.
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Gesetzt auch/ daß es endlich ihm gelinge/
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Daß funcken er zu einer flamme bringe/
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So lescht sie selbst der arbeits-volle schweiß.
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Die rose kriegt vom stocke nicht den adel/
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Die zwibel bringt der tulpen keinen tadel/
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Wann sie gleich schwartz und ohne zierrath ist.
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Des goldes werth wird dennoch stets verbleiben/
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Ob sichs gleich nicht aus Indien kan schreiben/
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Und wär es auch im kothe nur erkist.
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Es mag ja wer da will nach Tyrus lauffen/
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Um purpur ihm daselbsten einzukauffen/
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Ich habe schon mein werthes schnecken-blut.
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Der Orient mag perlen dir gewähren/
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Den demant wird kein blosser ort verfehren/
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Wann nur sein glantz und feuer spielet gut.
61
Ein ander mag mit schalen sich vergnügen/
62
Ich bin/ wenn nur der kern ist gut/ zu friden;
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Denn dieser ists der mich erquicken kan.
64
Diß ists/ woraus ich mein vergnügen sauge:
65
Ein schöner leib und ein holdseligs auge
66
Ist meiner lieb und seelen kegel-plan.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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