Beschreibung des Sclavonischen strichs unfern von Labach

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Beschreibung des Sclavonischen strichs unfern von Labach (1697)

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So Agatha mich nicht vergessen hat zu lieben/
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Nachdem man dich von mir und mich von dir getrieben/
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Und meine wenigkeit gerissen von der brust/
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Die stets bereichert steht mit süsser liebes-kost;
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So wird sie dis papier/ den zeugen meiner sinnen/
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Die ewig dienstbar sind/ nicht gantz umbstossen können/
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Und hören/ wo und wie derselbe sich befindt/
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Der durch die seufftzer itzt vermehret luft und wind.
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Ich/ edle Agatha/ bin hier umzirckt mit steinen/
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Der regen mehrt die pein/ den regen mehrt mein weinen.
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Ich seh und höre nichts als klippen und den thon/
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Der von dem seuftzen kommt/ und dann zu meinem hohn
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Ein felsen widerbillt; ich bin in einer wüsten/
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Da nichts als bestien und wilde vögel nisten;
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Mit kurtzem: hab ich mich ie deinen knecht genannt/
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So bin ich es gewiß hie in der Sclaven land;
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Und wilstu von der art des volckes etwas wissen/
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So sag ich wie es ist/ man weiß hier nichts von küssen/
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Indem das rauhe land fast keine schönheit kennt/
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Die/ so am dicksten ist/ wird Helena genennt:
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Ich glaube/ daß man sie nach dem gewichte schätzet.
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Dieß/ was das wilde volck am kräftigsten ergetzet/
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Ist feuer/ knobloch/ wein/ und endlich ein geschrey/
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Zu zeigen daß allhier Cyclopen-wohnung sey.
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Das brodt/ so man geneust/ trägt steine/ sand und erden/
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Die stube will mit macht zu einer hölle werden;
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Reucht heftiger als selbst die apothecken nicht/
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Nur daß ihr bloß allein die liebligkeit gebricht/
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Und vor zibeth der mist die dünne nase füllet.
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Wer hier zu bette geht/ der lieget nicht umhüllet
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Mit leinwand von Cambray/ er kriegt an dessen statt
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Ein altes lämmerfell/ so tausend gäste hat
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Und stündlich reicher wird. Kein bild ist hier zu holen/
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So nicht ein starcker knecht mit einer geilen kohlen
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Den zweck und auch den pfeil des buhlers abgemahlt;
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In dem er nicht zu viel hat vor den trunck gezahlt/
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Und auf die liebe denckt; an statt der porcellanen
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Da steht ein eßig-krug/ so von den groben ahnen
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Auf grobe kinder stammt; vor ein Venedisch glaß
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Prangt eine käse-form/ und denn/ ich weiß nicht was/
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Schuh/ hechel/ striegel/ strumpf ligt bey den mäuse-fallen;
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Wiewohl das arme thier gewiß vor andren allen
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Hier ohne schulden stirbt: Mein eifer reist mir aus/
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Ich schwere/ das privet ist grösser als das hauß.
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Hier schließ ich Agatha die reimen/ nicht den willen/
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Dasselbe was du sprichst mit freuden zu erfüllen;
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Nur tadele mir hier die kürtze nicht zu sehr/
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Denn gantz Sclavonien hat keine dinte mehr.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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