Auff den nahmens-tag Hn. Nicolaus Will- mann/ Churfürstl. Brandenburgischen amts- und steuer-raths. B. N

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auff den nahmens-tag Hn. Nicolaus Will- mann/ Churfürstl. Brandenburgischen amts- und steuer-raths. B. N (1697)

1
Die kluge welt hat noch biß heute nicht ergründt/
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Was Martyr dennoch will vor eine warheit schreiben;
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Ob in Longuca sich ein wunder-brunn befindt/
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Der alte leiber kan in junge formen treiben:
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Diß aber ist gewiß: daß GOttes stille krafft
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Verlebten dingen offt das meiste leben schafft.

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Wie spielt nicht die natur an dem gestirnten bogen?
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Des monden silber fällt und nimmet wieder zu:
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Die wolcken werden ab- und wieder auffgezogen:
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Die sonnen-kugel sucht in der bewegung ruh/
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Und da wir alle gleich von ihrer flamme zehren/
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Sieht man sie täglich doch ein neues feur gebähren:

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Diß thut der himmel nur; was nicht die unter-welt?
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Die uns mehr wunder läßt als jener sterne schauen.
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Denn wenn die graue zeit den marmel fast verstellt/
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Muß witz und kunst daraus erst grosse tempel bauen/
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Und die erfahrung giebt: daß barben und der wein
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Jm alter köstlicher als in der jugend seyn.

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Ein crocodil der wächst/ so lang er sich beweget:
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Die ströme mehren sich durch ihren weiten lauff.
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Je mehr ein feigen-baum auf erden früchte träget/
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Je mehr setzt die natur ihm wieder knospen auf.
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Ein adler kan ihm selbst die jugend wieder bringen/
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Ein todter phönix sich aus staub und asche schwingen.

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Der arme mensch allein bricht wie der porcellan/
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Und steckt voll ungemach/ wie dünste voller regen.
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Er weint/ so bald er nur die augen auffgethan/
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Mit thränen muß er sich auch wieder niederlegen/
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Und iedem kinde zeigt sein schreyend A und E/
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Daß man mit Armuth auf/ mit Elend untergeh.

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Drum reißt die ungedult zuweilen aus den schrancken/
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Und flößt den sterblichen die falsche lehren ein:
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Die götter wären nichts als schatten und gedancken;
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Sonst müste ja der mensch mehr wie die thiere seyn.
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Denn diese schlieffen offt auf rosen und jaßminen/
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Wenn jenem tod und blitz an statt der sonne schienen.

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So denckt die blinde welt: doch sonder alles recht.
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Denn fleisch und blut sind nicht die nahrung unsrer seelen.
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Je mehr der matte leib sich an begierden schwächt/
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Je weiter rückt der geist aus seinen mörder-hölen;
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Weil/ wenn die rosen uns am munde niedergehn/
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Die seelen insgemein erst in der blüte stehn.

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Und also wächst der mensch an weißheit und verstande/
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So wie die thiere nur an gliedern und gestalt.
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Die geile jugend fliegt/ wie mutten nach dem brande/
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Die männer werden schon in sünden wieder kalt;
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Ein alter aber kan am ende beyden zeigen:
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Wie weit ein Jcarus soll in die wolcken steigen.

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Sein silber-weisses haupt ist lauter redligkeit/
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Und öffnet doch zugleich ein zimmer voller kohlen/
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Aus dem die armen trost in der bedrängten zeit/
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Die fürsten rath und licht/ gelehrte flammen holen.
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Drum hat uns Syrach schon wie Sparta dargethan:
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Daß man das alter nicht genug verehren kan.

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Erlaube demnach auch du crone grauer weisen/
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Daß mein gemüthe dir ein kleines opffer bringt.
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Ich suche dir hiemit nicht deinen ruhm zu preisen/
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Den auff der strassen schon ein jedes kind besingt;
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Nicht deine grosse treu/ die wie ein regen-bogen
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Dem gantzen lande nichts als sonne zugezogen.

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Dein geist ist viel zu groß vor feder und papier/
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Nachdem ihn die natur so offters umgegossen:
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Doch der genaden-brunn/ den GOttes güte dir
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Durch deinen nahmens-tag vom neuen aufgeschlossen/
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Hat wie der Musen-quell/ durch seine wunder-macht/
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Mein hertze statt der kunst in diese reimen bracht.

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Jhr himmel schwängert euch mit segen und gedeyen
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Und schließt diß theure haupt in frische rosen ein!
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Schafft daß die lüffte gold/ die wolcken perlen. schneyen/
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Die speisen ambrosin/ die träncke nectar seyn/
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Und wenn euch Willmann wird um euren willen fragen/
72
So laßt ihm allemal/ man will/ zurücke sagen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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