Auf die hochzeit Hn. Friedrich Perlitzes mit Jungfer Anna Dorothea Sommers. C. S. L

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auf die hochzeit Hn. Friedrich Perlitzes mit Jungfer Anna Dorothea Sommers. C. S. L (1697)

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Jtzt da die schwalben gleich beginnen abzuziehen/
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Und dieser lande sich verliehren allgemach/
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So sucht herr Perlitz auch dem winter zu entfliehen/
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Und zeucht mit dieser schaar dem warmen sommer nach.
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Mich dünckt ich werde nicht was ungereimtes setzen/
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Wenn meine feder ihn den schwalben ähnlich macht.
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Die frechen adler sind den räubern gleich zu schätzen/
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Und tauben machet fast die einfalt gar veracht.
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Bey schwalben aber ist mit unschuld witz verbunden/
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Wie uns ihr klüglich thun und frommer wandel zeigt:
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Und beydes hat bey ihm/ herr bräutigam/ gefunden/
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Wer sein gemüth erforscht und ihm nicht abgeneigt.
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Die schwalben sind mit schwartz bekleidet auf dem rücken;
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Und diese farbe schlägt auch seinem stande bey:
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Wie jener reine brust beschneete liljen schmücken;
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So ist sein hertz geziert mit ungefärbter treu.
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Wo Gottes-häuser sind/ da nisten an den wänden
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Nicht ungern/ wie man sieht/ sich diese vögel ein:
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So hat ihn GOttes schluß in tempel wollen senden/
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Und seine wohnstatt wird nah an der kirchen seyn.
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Ists also/ wie gar viel von den gelehrten schreiben/
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Daß sich die schwalbe nur allein im fluge nehrt;
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So kan auch diesesfals das gleichniß füglich bleiben/
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Dieweil ihm GOtt sein theil bey steter müh beschert.
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Die schwalbe bringet uns die freuden-post getragen/
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Wenn der begrünte lentz nunmehro vor der thür:
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Und Evangelium heist gute botschafft sagen/
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Das trägt er öffentlich dem volcke GOttes für.
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Die schwalben-nester sind mit federn auffgebettet/
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Vielleicht ist eben so sein lager zugericht.
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Wie jene von gewalt der aberglaub errettet:
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So weiß er/ daß sein amt ihm sicherheit verspricht.
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Und also kan er sich den schwalben zugesellen/
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Weil gleich und gleiche doch sich wohl zusammen schickt;
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Er darff nur den compas nach seiner liebsten stellen/
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So hat sein zug alsbald ins sommer-land gerückt/
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Er wird in ihrem schoß den schönsten sommer finden/
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Als die ohn ursach nicht sich von dem sommer nennt.
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Sie wird durch freundlich thun ihm hertz und geist entzünden/
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Mit feuer das zwar wärmt/ und dennoch nicht verbrennt.
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Er wird ohn unterlaß gut wetter bey ihr haben/
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Zwey sonnen scheinen ihn aus ihren augen an.
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Die pflantze seiner lust wird thau vor regen laben/
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Der von den lippen fällt/ und lebend machen kan.
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Sie wird ihn nicht allein mit süsser blüth erfreuen/
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Er wird zu seiner zeit auch reiffe früchte schau’n/
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Er wird mit tausend lust die garben hören schreyen/
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Und eine scheune denn ins wochen-bette bau’n.
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Der himmel wolle glück zu diesem zuge geben/
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Den mit den schwalben er nach seinem sommer thut/
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Er lasse sein genist in lauter perlen schweben/
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Beschirmet vor gewalt/ gesichert vor der glut.
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Und wie man insgemein das sprichwort angenommen/
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Daß eine schwalbe nicht den bunten frühling macht:
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So soll er nicht zu uns den sommer wieder kommen/
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Er habe denn mit sich ein schwälbchen noch gebracht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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