Tugend der beste schatz in der ehe/ bey der E. und K. hochzeit-freude

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Tugend der beste schatz in der ehe/ bey der E. und K. hochzeit-freude (1697)

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Der menschen wachsamkeit/ das nimmer müde sorgen/
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Die arbeit sonder ziel/ die ruhe sonder ruh/
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So biß zum abend wächst und steigt vom hellen morgen/
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Diß alles sucht gewinn und rennet schätzen zu.
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Der bergmann gräbet sich lebendig in die grüffte/
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Warum? der todte schatz des silbers locket ihn.
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Was scheuet ein soldat die donner-schwangern lüffte/
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Wann er an schätzen reich kan von der wahlstatt ziehn?
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Ein kauffmann fährt mit lust von westen biß zu osten/
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Zu sammlen geld auff geld/ zu häuffen gold auff gold;
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Er läst sichs fleiß und schweiß und saure mühe kosten/
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Biß ihm das glück gelacht/ das schicksal wohlgewolt.
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Wie aber sucht nicht auch die liebe theure güter/
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Und pflegt sie sich nicht auch nach schätzen umzusehn?
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Nachdem die regung treibt der liebenden gemüther/
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Wird bald auff diß/ bald das derselben wahl geschehn.
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Die schönheit zeigt sich erst in kostbarem gepräge;
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Die müntze solcher art gilt durch die gantze welt.
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Das hertze wird erhitzt/ die sinnen werden rege/
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So bald dergleichen stück uns in die augen fällt.
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Jedoch/ wie manchem bleibt nur kupffer in den händen/
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Er wehlet ertz vor gold/ vor silber wasserbley;
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Wird er die müntze nur auff jene seite wenden/
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So sieht er/ daß sie nicht vom besten schlage sey.
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Das bild der phantasey/ der menschen grosser götze/
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Die ehre/ machet auch allhier die läden auff/
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Und daß ich deutlicher die rechte meynung setze:
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Man schliest offt mit dem amt/ nicht mit der braut den kauff.
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Wiewohl die reue pflegt sich offt mit einzudingen/
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Wann zwar des Jovis stand/ doch Juno nicht gefällt.
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Zu dem: zu ehren soll man nicht durch ehen dringen/
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Weil diese stuffe doch gar selten feste hält.
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Und endlich findet man/ die sich dem mammon weihen/
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In meynung; bey metall da wache sanffte ruh;
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Die mit den händen mehr/ als mit den augen freyen/
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O blinde! drückt doch nicht die augen beyde zu!
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Jhr fesselt hertz und sinn/ wer kan euch also retten?
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Wer will ein sclave doch des schnöden geldes seyn?
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Jhr legt die ducatons an schlösser und an ketten/
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Und schliesset eure lust mit in den kasten ein.
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So gehts den thörichten/ sie greiffen nach den schatten/
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Denn schönheit/ ehre/ geld doch lauter schatten sind;
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Wird aber sich ein mensch erst mit der tugend gatten/
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So ist gewiß/ daß er schön-reich-seyn mit gewinnt.
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Denn tugend ists allein/ so lieben lieblich machet/
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Die schönheit sonder sie/ ist schlackwerck sonder gold;
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Die ehre schläfft/ wo nicht bey ihr die tugend wachet/
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Und reichthum bleibet auch der edlen tugend sold.
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Die liebe stammt von GOtt und ist ein heilig wesen/
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Sie leget mit verdruß ein falsches mundwerck an/
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Und wer die liebe sich als liebe auserlesen/
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Der hat den besten fund in dieser welt gethan.
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Geehrtes paar/ so itzt in solchem glücke pranget/
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Und dem nichts schätzbarers als wahre tugend ist/
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Jhr findet beyderseits den schatz so ihr verlanget/
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Und was ein treu gemüth in sein gemüthe schliest.
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Hier strahlet witz und kunst der schatz geübter sinnen/
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Dort gläntzt der tugend gold/ das silber weisser treu/
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Wie solte dieses nicht ein ander lieb gewinnen
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Und gern beysammen seyn von aller falschheit frey.
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Ein stein in gold gefaßt wirfft crystallinen schimmer;
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Wo tugend tugend küßt/ da muß es helle seyn/
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Ein himmel wird alsdenn das braut-gemach und zimmer/
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Wann man in solchem schmuck als engel tritt hinein.
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Es will die liebligkeit das weiche bette machen/
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Die federn lieffert ihr der Venus weisser schwan/
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Die eintracht rühmet sich im schlaffgemach zu wachen/
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Und tritt ein solches amt mit allen freuden an.
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So liebet dann vergnügt/ und brauchet diese schätze/
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Die GOtt/ natur und glück euch reichlich mitgetheilt/
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Es will der liebe schluß/ es fordert ihr gesetze/
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Daß man mit ihrem gut nicht in den kasten eilt.
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Der himmel wird hinfort mit seegen euch bethauen
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Und euer fuß wird stets auf glückes-rosen gehn/
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Jhr werdet euer wohl in vollem wachsthum schauen:
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Denn wo die tugend blüht/ muß auch die wolfahrt stehn.
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Die wiege kan indeß auff junge schätze hoffen/
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Es präge sich darauff der eltern bildniß ein/
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So hat die fabel dort/ hier warheit eingetroffen;
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Ein diamanten-paar das könne fruchtbar seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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