Auf das Waltsgott- und Hilmannische hochzeit-fest

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auf das Waltsgott- und Hilmannische hochzeit-fest (1697)

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Njm werther bruder diß/ so gut als meine liebe
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Dir in der einsamkeit von ferne dienen kan.
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Es steht mein Helicon ietzunder etwas trübe:
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Dir bricht ein helles licht/ mir nacht und schatten an
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Dein himmel schmücket sich mit einer göldnen sonne/
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Es dünckt mich deine lust ein blosser traum zu seyn/
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Du lebst wie du verlangst in süsser Oster-wonne;
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Allein bey mir allhier fällt erst die fasten ein.
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Doch schau/ der ferne weg zeucht mich von deinen freuden
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Nicht gar so gäntzlich ab: es will mein bestes ich
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An deiner fröligkeit sich gegenwärtig weiden;
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Mich dünckt/ ich seh bereits dich/ theurer bruder/ dich.
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Ich komme gantz zu dir/ und lasse nur die schaale/
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Und das befleischte hauß bey seinen musen stehn:
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Ich komm und sehe dich in einem hochzeit-saale/
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Und ein recht himmlisch kind an deiner seite gehn.
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Entbrich dich doch so viel von deiner hochzeit-freude/
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Und schau noch einst zurück/ wohin das glücke zielt:
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Wie selbtes dich nunmehr in lauter rosen weide/
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Nachdem es manchen dorn in deine brust gespielt.
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Dich riß ein fester schluß in abgelegne gräntzen/
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Wo einst der erden-kreiß ein knecht und sclave hieß;
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Wo dich der himmel ließ in neuer würde gläntzen/
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Indem man dir den lohn der Hygiene wies.
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Zwar erstlich strömte dir das glücke nicht zu wider/
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Es schien als wär es dir mehr als zu viel geneigt/
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Es satzte dich die fluth durch sanffte westen nieder/
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Da wo die zier der welt aus Thetis busen steigt.
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Und weil dir jederzeit die seele grosser städte
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Mehr als der bau gefiel: so rieth Hygea dir
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Zu schaun/ was die natur vor künstliches geräthe
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Stellt der verwunderung an Arnus ufern für.
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Drauff sahestu das aaß der fürstin aller reiche/
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Wo/ was die Donau ist/ vorhin die Tyber war:
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Und mercktest: daß die zeit/ die allgemeine seuche/
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Der menschen ewigkeit selbst leget auff die bahr.
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Hier schien dein schutz-gestirn sich nach und nach zu neigen/
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Indem manch wilder sturm auff deine seegel drang/
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Es schiene dir die fluth ein nasses grab zu zeigen/
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Die fluth/ die Cajus einst in eine brücke zwang.
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Doch hat das glücke dir auch wiederum geblühet;
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Allein es stürtzte dich dort wieder in gefahr:
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Da wo Jtalien beflammten athem ziehet/
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Indem schon Plinius dein nechster nachbar war.
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Und jetzo schüttete das glücke seine blitzen
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Auff dich viel härter aus; ein scharffer donnerschlag
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Schien einen schweren keil auf deine brust zu spitzen/
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Als Griechenland bereits vor deinen füssen lag:
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Du hattest kaum das land/ das werthe land beschritten/
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Was vor geraumer zeit der musen mutter hieß/
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Als gleich ein feindlich schall und angeranntes wütten
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Dich mit genauer noth so fort zu schiffe wieß.
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Hier gab der himmel auch ein feindliches gesichte/
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Ein wetter schloß den tag in nacht und wolcken ein:
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Der mittag wurd’ allein durch rauhe blitzen lichte/
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Und trennte wolck und nacht nur durch geborgten schein.
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Die seegel winselten mit kläglichem gethöne/
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Die lüffte pfiffen selbst ein furchtsam todten-lied/
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Die höchst-erregte see brach ruder/ strick und sehne/
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Biß endlich doch der tod samt blitz und wolcken schied.
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Jtzt ist nun alles hin: des glückes saure minen/
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Die füllen sich nunmehr mit lauter lachen an;
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Die überstandne noth muß dir zur wollust dienen/
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Weil dich der rechte port nun völlig trösten kan.
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Du hast den port erreicht/ wenn dich dein schöner engel/
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Beglückter bruder/ dich an ihre lippen drückt/
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Bey der ein Argus auch nicht die geringsten mängel/
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Auch nicht den minsten fleck an geist und leib erblickt.
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Wie soll diß auge dich nicht gantz in flammen stecken/
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Das so viel geist und glut auf deine seele schmeist?
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Wie muß doch wohl ein kuß von solchen lippen schmecken/
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Wo solch ein nectar-safft auff hohen nelcken fleust?
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Mich dünckt/ mein auge siht/ wie deine geister wallen/
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Jm fall du an den zweck entbrandter küsse denckst;
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Es ist als hört’ ich selbst der lippen lautes schallen/
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Wenn du an deiner braut verliebten wangen henckst.
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Was wird die nette hand dir nicht vor wincke geben/
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Die hand/ die selbst der schnee sieht ziemlich neidisch an?
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Wie solte selbte denn nicht deinen trieb beleben/
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Die/ was gestorben war/ zum leben wecken kan?
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Genug/ dein bräutgen winckt; umfasse brust und seiten/
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Und dencke wohl darauff/ wenn dich dein schatz erblickt:
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Wie doch ein bräutigam soll diese sprache deuten/
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Wenn die verliebte braut auff ihn ein auge drückt.
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Geh hin/ ich folge dir aus deinem hochzeit-saale/
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Es wünscht mein treuer geist/ was du im sinne trägst:
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Er russet dir glück zu! wenn du im liljen-thale
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Dir einen festen grund zu deinem glücke legst.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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