Auff die hochzeit eines guten freundes. An die tantzende braut/ und das übrige hochzeit- liche frauenzimmer. C. E

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auff die hochzeit eines guten freundes. An die tantzende braut/ und das übrige hochzeit- liche frauenzimmer. C. E (1697)

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Tantzt! güldne Nymphen/ tantzt! hat alles seine zeit/
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So ist nun tantzens-zeit/ da sich die sterne neigen/
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Und zur gewünschten nacht euch nichts denn fröligkeit
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Bey dieser hochzeit-lust aus offnem himmel zeigen.
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Jhr sonnen die ihr steht/ wenn mond und sonne fällt/
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Und noch die strahlen zeigt/ wenn alles licht verschwindet.
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Zerschmeltzet itzt den schnee der annoch freyen welt/
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Die sich schon halb gerührt in euren strrcken findet.
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Bewaffnet eur gesicht mit stiller freundligkeit/
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Laßt die verdeckte glut durch mund und augen spielen/
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Und ieden/ der sich euch zu widersetzen dräut/
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Den süssen wunder-brandt in blut und adern fühlen.
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Tantzt! tantzt! Jhr Gratien/ laßt eurer glieder pracht/
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Und den geschickten leib biß zur verwundrung schauen?
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Ach! aber gebt zugleich auf eure freyheit acht;
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Dem guten Wetter darff man nicht zu sicher trauen.
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Jhr tantzet nicht allein; Cupido sieht euch zu/
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Und Venus selber ist in euren reihen kommen:
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Sie hat wol ehermals den Nymphen ihre ruh/
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Cupido aber gar die hertzen mit genommen.
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Jetzt wirfft er angeln aus. Hier legt er netz und strick;
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Dort aber sucht er euch verschmitzt ins garn zu bringen.
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Es ist um euch gethan/ wofern ihm dieser tück/
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Und solch ein meister-streich nach wunsche wird gelingen.
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Was aber sorgt ihr viel? ach! schönste/ gebt euch doch!
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Jhr seyd die ersten nicht/ die diese regung kennen;
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Die braut zieht selber mit am süssen liebes-joch/
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Der zur ergetzung heut die hochzeit-fackeln brennen;
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Die flamme keuscher brunst/ die ihre seele rührt/
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Wird sie/ ihr werdt es sehn/ noch diesen abend büssen;
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Jhr/ und nicht sie allein/ werd itzt mit auffgeführt/
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Sie tantzet nur voran/ ihr werdet folgen müssen.
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Mich deucht/ ich spür auch schon/ daß Venus endlich siegt/
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Und daß ihr kleiner sohn nicht alle macht verlohren.
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Seht! seht! wie eiffrig man sich zur Melinden fügt;
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Wie hier wird lieb und gunst/ dort treu und huld geschworen.
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Wie man die Dorilis um ihre neigung bitt/
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Und bey Auroren sich läst keine müh verdriessen;
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Wie man dort Sylvien verfolgt auff ieden schritt/
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Und ietzt die hände drückt/ ietzt sucht den mund zu küssen.
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Die glut bemeistert schon der augen süsses licht/
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Die funcken äussern sich/ die in der seelen stecken.
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Orante thut verliebt/ sie lacht und scheut sich nicht
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Den gantz geheimen brand durch blicke zu entdecken.
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Mirtille steht beschämt/ sieht bald auff mich und dich/
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Und läst manch schlipffrig wort sich in die ohren sagen:
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Climene giebt sich gar; nur Phillis weigert sich/
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Die will ihr hertze gantz mit sich nach hause tragen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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