Die schlaffende Venus Nach des Claudiani lateinischen

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Die schlaffende Venus Nach des Claudiani lateinischen (1697)

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Die sonne hatte kaum den mittag heiß gemacht/
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Als Venus gantz ermatt ihr eine höl erwehlet/
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Wo weder schlaff noch ruh/ noch kühler schatten fehlet/
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Und wo ein reben-blat gab dunckel-grüne nacht/
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In die ein linder west mit sanftem rauschen spielte/
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Und so der göttin hertz und müde seele kühlte.
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Sie warf die sternen-pracht/ die glieder in das graß/
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Der blumen höchster wunsch war so gedrückt zu werden/
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Die nelcke schien ein feur/ die ros’ ein stern der erden/
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Die veilg ein blau saphir/ die lilg ein spiegelglaß/
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Und Venus goldnes haupt entschlieff nur auff narcissen.
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Jesminen legten sich zu pfül und unterküssen/
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So lag die lust der welt ohn alle kleider bloß/
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Indem die volle brust die trauben nachbar nennte/
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Und der belebte schnee von zwey rubinen brennte.
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Hold/ freude/ lieb und gunst ruht’ in der schönen schoos/
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Der süß geschwollne mund war etwas aufgeschlossen/
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Aus dem die zucker-bäch und nectar-quellen flossen.
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Den schlaf ergötzte noch ein angenehmer bach/
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Der sein bemostes haupt mit reinem silber tränckte/
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Und nichts als liebligkeit auf grüne wiesen lenckte/
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Der etwas zitternd floß/ und küsse nach und nach
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Dem lieben ufer gab/ das lorber-bäume zierten/
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Um die die Gratien holdreiche täntze führten/
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Biß sie auch müd und matt die augen schlossen zu.
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Die liebes-engel gehn indessen wie sie wollen/
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Und dencken daß sie samt der mutter ruhen sollen;
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Der bogen hengt am baum/ der pfeil hat seine ruh.
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Der leere köcher seuftzt allein nach liebes-flammen/
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Die flügel-knaben gehn/ und spielen eins zusammen/
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Die laufen ins gesträuch/ und nehmen nester aus/
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Die andern schwingen sich auf hohe jelmen-bäume/
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Theils lesen äpfel auf/ theils hüten/ daß die träume
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Der göttin niemand stöhr/ der bindet einen straus
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Von frischem kräntzelwerck/ und jener jagt die Faunen/
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Wirft feuer in ihr hertz/ daß sie vor lieb erstaunen.
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Drauf bricht ein laut geschrey der Venus holden traum/
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Und von der nächsten stadt kommt neue post geflogen/
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Die Chloris hätte schon den brautrock angezogen.
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Mirmillo sey der schatz; wald/ acker/ thal und baum
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Besingen eben diß: Als Cypris aufgefahren/
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So wie sie sich gelegt in ungeflochtnen haaren/
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Jhr zarter finger drückt dem schlaff die augen aus/
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Sie ruft dem liebes-volck/ und unter tausend engeln
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Vermerckt sie alsobald/ daß Hymen müste mangeln/
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Wie/ sagt sie/ ist denn itzt mein braut-gott nicht zu hauß/
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Ohn dessen angetrieb darff niemand sich vermählen/
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Noch irgend ihm ein lieb ohn sein bewust erwehlen?
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Doch seht/ dort spür ich ihn/ er pfeifft ein hirten-lied/
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Singt seinen alten thon und dencket nicht ans lieben/
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Treibt sein gewohntes spiel/ so er schon längst getrieben.
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So bald der Hymen nur der liebe mutter siht/
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Entfällt ihm pfeif und kunst/ die scham mahlt seine wangen/
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Gleichwie die morgenröth in purpur kommt gegangen.
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Die augen schimmern hell/ das nie beschnittne haar
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Schien ohne zierrath schön: Sie fängt ihn an zu fragen/
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Wie er nur immer lust zu pfeiffen könne tragen?
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Daß er der Nymphen nicht/ so brennten/ nehme wahr/
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Und vielmehr seine freud’ an rauhen felsen habe/
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Als daß er bäumen wo ein lied von lieb eingrabe.
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Er sprach: mich wunderts sehr/ o göttin! daß solch eh
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Dir unbewust mag seyn; zwey hochberühmte häuser
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Verknüpfen würd’ und glantz/ und flechten lorber-reiser
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Um ihre scheitel rum; des ehrenstandes höh
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Erfordert gleich gedicht/ des bräutgams grosse tugend
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Verschonet auch zugleich der braut hochedlen jugend.
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Alß Venus diß gehört/ so schmückt sie bald ihr haupt
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Mit perlen und demant/ flicht ketten an die haare/
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Er kiest zum hochzeit-kleid des höchsten purpurs waare/
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Der wagen wird mit blum und kräntzen ringst belaubt/
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Der weg/ wohin sie reist/ reucht wie das land Jdumen/
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Der tauben zäume sind die allerschönsten blumen/
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Dem wagen/ der von stein und lauter golde stralt/
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Sind ztschiz und ztschizernde die geil verbulten spatzen
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Vereinigt nachgefolgt; der andern vögel schwatzen
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Zeigt an der göttin fahrt/ wie ihre schönheit mahlt/
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Des himmels lichter schein/ der erden blumen-menge
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Und angeborne zier treibt häuffiges gepränge.
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Die Venus hatte kaum das hochzeit-hauß berührt/
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Bald streut die liebes-schaar des frühlings schmuck uñ gabẽ/
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Den rosen-hagel aus/ und was man sonst kan haben/
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Wird üppig ausgetheilt/ was Tmolus nur gebiehrt
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Und was Arabien vor edlen balsam giebet/
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Was Syrien erwehlt und Palestina liebet.
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Cytera nimmt darauf das hochvertraute paar/
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Verspricht ihm stete gunst und junge stammes-erben/
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Sagt: wie die jungferschafft bey allen müsse sterben/
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Und daß ein neues licht entsteh von solcher baar.
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Knüpft endlich beyder hertz mit fried und gold zusammen/
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Und wünschet stete glut den neuvermählten flammen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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