Abschieds-lied. S. D

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Abschieds-lied. S. D (1697)

1
Mein hertz enthält sich kaum/ es will und muß zerbrechen/
2
Mein geist geht in der irr/ und kennt sich selbst nicht wohl/
3
Weil ich nicht weiß/ mein lieb/ wenn ich euch werde sprechen/
4
Indem ich itzt so weit von hinnen ziehen soll.

5
Jhr winde/ kehret um/ und stellt euch mir zu wieder/
6
Biß daß ich sie/ gleich wie sie mich/ gesegnet hat!
7
Jhr segel haltet an/ legt euren hochmuth nieder!
8
Wir letzen uns noch erst/ und weinen uns recht salt.

9
Last ab/ mein’ Argine/ und schonet eurer thränen/
10
Was schwächt ihr eu’r gesicht/ ich muß doch endlich fort!
11
Je mehr ihr weint/ ie mehr werd’ ich mich nach euch sehnen/
12
Und irren ohne trost dort um den fremden port.

13
Ich will in meine seel ein kleines hauß euch bauen/
14
In welches eure stets soll eingeschlossen seyn/
15
Und will hergegen euch auch meine seele trauen/
16
Die hebt euch auff/ und schliest sie eurer seelen ein.

17
Kein thränlein fliesset ietzt von euren bleichen wangen/
18
Und muß kein seuffzer auch aus eurem hertzen gehn/
19
Ich habe sie mit fleiß zur beylag auffgefangen/
20
Und lasse meine seel hiemit gefüllet stehn.

21
Die sollen mit mir ziehn durch wetter/ wind und wellen/
22
Ich nehme sie für euch zu meiner liebsten an/
23
Auff daß sie euer bild mir stets für augen stellen/
24
Und tragen/ was ich selbst nicht mit mir nehmen kan.

25
Mit ihnen will ich mich besprechen und ergetzen/
26
Sie sollen seyn mein trost in noth und traurigkeit;
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Kein glück/ kein böser fall soll mir diß volck verletzen/
28
Kein sturm und wilde fluth/ auch keiner winde streit/

29
Kein frembdes weib soll sie durch ihre gunst vertreiben/
30
Sie sollen (hilfft mir Gott gesund hie zu euch her/)
31
Bezeugen meine treu und mein beständig-bleiben/
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Und sagen/ wie ich nie ein ander lieb begehr.

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Jhr werdet selbst alsdann es an mir können schliessen/
34
Wenn dieses euer pfand durch meiner augen bach
35
Aus lieb und fröligkeit euch wird entgegen fliessen/
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Und rühmen meinen sinn/ mein lieben vor und nach.

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Mit dem bedinge nun geh ich von euch zu scheiden.
38
Du/ Venus/ die du uns zusammen hast geführt/
39
Komm abentlich zu steur mit deinem licht uns beyden/
40
Was sie und mich betrifft/ werd auch an dir gespührt.

41
Traur ich wo/ oder sie/ so zeige deine wangen
42
Erblast/ als wärest du auch neben uns in noth:
43
Stehts wohl um sie und mich/ so solt du/ göldne/ prangen
44
Mit deinem besten glantz gemahlet rosen-roth.

45
Und wo mir je mein lieb will etwas sagen lassen/
46
So schick dein liebes volck für ihren zarten mund/
47
Die meiner liebsten red’ in ihre köcher fassen/
48
Und thun sie nachmahls mir vom hohen himmel kund.

49
Muß gleich das wilde meer uns von einander trennen/
50
So wollen wir durch dich dennoch beysammen seyn/
51
Und unser beyder thun und leben stets erkennen/
52
Uns freuen in dem glück und trösten in der pein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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