Verliebte Gedichte

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Verliebte Gedichte (1697)

1
Adonis grab ist hier; mehr sagt die liebe nicht/
2
Und Venus seel entschläft bey diesem leichen-steine.
3
Ach hochgeliebter leib! ach werthste todten-beine!
4
Ach himmlischer Adon! mein mattes hertze bricht
5
In lieb und thränen aus: die thränen sollen zeugen/
6
Daß meine liebe wird zu keinen zeiten schweigen.
7
Wo ist Adonis sarg? wo ist Adonis grab?
8
Daß Venus nicht zugleich sich auf die baare leget/
9
Wie wenn ein rauher wind die blumen niederschläget/
10
Schlägt tulp und nelck entzwey/ und bricht die blumen ab.
11
So war mein lebens-geist von hertz und seel entrißen/
12
Als meinen lieben schatz ein wildes schwein gebißen.
13
Ach ewiger verlust! unwiederruflich fall!
14
Ich habe deine schoos dem himmel vorgezogen/
15
Holdseeliger Adon! nun seel und geist verflogen/
16
So stirbt die Venus auch. Ich hörte fast den schall
17
Und wie du mich zuletzt/ mein tausend lieb/ gesegnet/
18
Als dir diß ungeheur im finstern wald begegnet.
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Ich ging und suchte drauf mein leben in dem häyn/
20
Und fand da meinen tod/ Adonis sternen glieder
21
Sind durch des wildes biß besprützet hin und wieder
22
Vom schaum des rothen bluts. Ich bracht ihm himmel-wein
23
Und edlen perlen-tranck/ hertzstärckende muscaten/
24
In hoffnung meinem sohn und besten schatz zu rathen/
25
Vergebens ob ich schon den weichen mund geküst/
26
Und tausend mahl geschryn: erwache meine seele!
27
So regte sich kein glied/ ja was ich nicht verheele/
28
Ich habe selbst zuletzt krafft/ seel und geist vermist.
29
Ich werd auch nimmer schön/ mein’ anmuth ist gestorben/
30
Und mit Adonis pracht der Venus glantz verdorben.
31
Bedenck ich jene lust und gegenwärtig leid/
32
Ja wenn der himmel gleich in lauter rosen lebte/
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Wenn höchst’ ergötzlichkeit um meine scheitel schwebte/
34
So blieb ich unbewegt/ biß daß die süsse zeit
35
Mich gab Adonis gunst/ den ich verschwendrisch küste/
36
Sein alabaster arm umschränckte meine brüste;
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So hat niemand geliebt/ und niemand weiß es so/
38
Die seelen nur allein beschloßen was geschehen/
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Der monde hat uns oft gantz holdreich zugesehen/
40
Er ward an meiner brust/ und ich an seiner froh;
41
Sein mund hieß mein rubin/ ich schenckt ihm himmels-flüsse
42
Und selbte macht ich noch mit liebes-zucker süsse.
43
Nun seh ich nichts als noth/ und dein verblichner leib/
44
Mein eintzig liebes kind/ entseelt mein kranckes hertze:
45
Doch daß ein denckmal sey/ wie hoch ich dich beschmertze/
46
So bau ich hier dein grab/ das keine zeit zerreib’/
47
Und in vergessenheit die lange nächte stürtze/
48
Mit thränen salb ich dich statt weit-geholter würtze.
49
Hier ist Adonis grab und auch mein heiligthum.
50
Ein mensch mag bahr und grust mit göldnen ampeln zieren/
51
Ich göttin will um dich die stern als fackeln führen.
52
Und wie die leichen sonst schmückt eine schöne blum/
53
So soll das schöne blut in auämonen sincken/
54
Und bey dem rosen-lentz in purpur-kleidern blincken.
55
Was mehr? den leichgesang/ das bittre todten-lied
56
Stimmt Venus ewig an/ der himmel hilfft mir klagen/
57
Die lüfte seuftzen mit/ der westenwind soll sagen/
58
Wie tief ich traurig sey: Ich bin nicht groß bemüht/
59
Um das beliebte grab viel seulen aufzuführen/
60
Die liebe soll es mehr mit ihren wundern zieren.
61
Daß Artemisja dort des ehmanns asche tranck/
62
Ist viel und liebens werth; Ich opffre meine seele/
63
Die zwar nicht sichtbar ist/ der lieben grabes-höle;
64
Und saget nun iemand/ daß Venus bleich und kranck/
65
Der wisse/ da Adon mein trost und lieb erblichen/
66
Daß ich zugleich mit ihm bin aus der welt gewichen.
67
Die überschrifft wird sonst dem marmol einverleibt/
68
Ich will sie ins gemüth der späten nachwelt graben/
69
Dran soll der buler volck den schönsten spiegel haben/
70
Wo nicht der große schmertz die lieb ins elend treibt:
71
Hier ruht der schönheit schatz und Venus holde zierden/
72
Tritt nicht zu nah hinzu! der stein macht die begierden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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