Auff die jungfer K***. C. E

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auff die jungfer K***. C. E (1697)

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Cupido warff im zorn die fackel aus der hand/
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Und sprach: was nützt mir mehr dein wunder-voller brand/
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Da sich die hertzen itzt in harten stein verkehren/
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Und deine funcken nichts/ denn schnee und eyß/ gebähren?
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Denn feuer/ das wol eh den himmel angesteckt/
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Und drauff die unter-welt durch seinen blitz erschreckt/
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Weiß mehr von keiner glut/ und seine kräffte schwinden/
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Die stahl und eisen sonst/ wie dünnes rohr/ entzünden.
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Verkehrt/ ihr flammen/ auch in nebel/ dampff und nacht/
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Und bleibt durch diesen fluch bey aller welt veracht!
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So rieff er noch zuletzt zu den verloschnen bränden/
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Und wolte sich hiermit nach seinem bogen wenden;
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Ach aber! weil er blind und gar zu sicher war/
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So hat’ inzwischen ihm die lose Nymphen-schaar
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Den scharff-gespitzten pfeil und auffgespannten bogen
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Durch gantz geschwinde list entrückt und weggezogen.
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Cupido ward so bald des diebstahls nicht gewahr/
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Als er sehr kläglich that; bald räufft er sich ins haar/
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Bald schlug er an die brust/ dann fing er an zu weinen/
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Daß erd und himmel selbst empfindlich musten scheinen.
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Wiewohl diß alles war den Nymphen nur ein spott/
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Sie höhnten noch dazu den kleinen liebes-gott/
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Der/ weil ihm sein gewehr so räubrisch war genommen/
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Jtzt ohne bogen nicht dorfft in den himmel kommen.
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Er riß den flor hinweg/ lieff einsam hin und her/
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Und klagte den verlust/ als er von ohngefehr
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Die art’ge K* beym nahmen hörte nennen/
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Und drauff begierig ward sie in person zu kennen.
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Jhr nahme/ sprach er/ flöst mir wieder hoffnung ein/
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Ich werde mehr durch sie/ als iemals/ glücklich seyn:
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Und ob schon gram und leid mir itzt die flügel binden;
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Doch wieder süssen trost in ihrem umbgang finden.
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Wer kennt den zunder nicht und die verdeckte glut/
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Und was ein kühnstock sonst vor seltne wunder thut?
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Gewiß! hier findet man die nahrung süsser flammen/
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Die selbst der himmel nicht kan richten noch verdammen.
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So sprach er gantz erfreut/ als eben drauff geschah/
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Daß er die K* urplötzlich vor sich sah/
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Er sah den klugen mund/ die augen/ brust und wangen/
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Ach! dacht er bey sich selbst: was hertzen werd’ ich fangen
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Hier seh ich schon den sieg/ der durch verstellte list
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Der welt die freyheit raubt/ und mir bereitet ist;
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Man soll/ so kalt man ist/ mehr als zu viel erkennen/
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Daß ihre blicke mehr/ als meine fackeln/ brennen.
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Diß war sein letztes wort/ worauff er gleich zur hand
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Sich mit der K* durch eyd und pflicht verband/
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Die itzt/ wohin sie nur die süssen augen wendet/
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Verwirrung/ feur und glut durch tausend hertzen sendet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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