Galante gedichte

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Galante gedichte (1697)

1
Hochwerthes jungfern-volck/ ihr holden anmuths-soñen/
2
Jhr auserwehlter schmuck/ der haus und gassen ziert.
3
Wer ist so steinern/ der euch nicht hat lieb gewonnen?
4
Und welchen habt ihr nicht mit fesseln heimgeführt?
5
Wer ist so kühn/ der darff für eure augen treten/
6
Wenn ihr die waaren habt der schönheit ausgelegt?
7
Wer will euch/ liebste/ nicht als einen Gott anbeten/
8
Weil ihr das bildnis seyd/ das Venus selbst geprägt.
9
Jedoch ich wil nur bloß ein theil von dem berühren/
10
Mit welchem die natur euch herrlich hat versehn.
11
Der sinnen schiff soll mich in solche länder führen/
12
Wo auff der see voll milch nur liebes-winde wehn.
13
Die brüste sind mein zweck/ die schönen marmol-ballen/
14
Auf welchen Amor ihm ein lust schloß hat gebaut;
15
Die durch das athem-spiel sich heben und auch fallen/
16
Auf die der sonne gold wolriechend ambra thaut.
17
Sie sind ein paradieß/ in welchem äpffel reiffen/
18
Nach derer süssen kost iedweder Adam lechst/
19
Zwey felsen/ um die stets des Zephirs winde pfeiffen.
20
Ein garten schöner tracht/ wo die vergnügung wächst.
21
Ein über-irrdisch bild/ dem alle opffern müssen.
22
Ein ausgeputzt altar/ für dem die welt sich beugt.
23
Ein crystallinen quell/ aus welchem ströme flüssen/
24
Davon die süßigkeit den Nectar übersteigt.
25
Sie sind zwey schwestern/ die in einem bette schlaffen/
26
Davon die eine doch die andre keinmahl drückt.
27
Zwey kammern welche voll von blancken liebes-waffen/
28
Aus denen Cypripor die göldnen pfetle schickt.
29
Sie sind ein zeher leim/ woran die sinnen kleben;
30
Ein feuer/ welches macht die kältste hertzen warm;
31
Ein bezoar/ der auch entseelten giebt das leben;
32
Ein solcher schatz/ für dem das reichthum selbst ist arm.
33
Ein kräfftig himmel-brod/ das die verliebten schmecken;
34
Ein alabaster hauß/ so mit rubinen prahlt;
35
Ein süsser honigseim/ den matte seelen lecken;
36
Ein himmel/ wo das heer der liebes-sterne strahlt.
37
Ein scharff geschliffen schwerd/ das tieffe wunden hauet/
38
Ein rofen-strauch/ der auch im winter rosen bringt.
39
Ein meer/ worauff man der Syrenen kräffte schauet/
40
Von denen das gesäng biß in die seele dringt.
41
Sie sind ein schnee-gebürg/ in welchem funcken glimmen/
42
Davon der härtste stahl wie weiches wachs zerfleust.
43
Ein wasser-reicher teich/ darinnen fische schwimmen/
44
Davon sich sattsam ein verliebter magen speist.
45
Sie sind der jugend lust/ und aller kurtzweil zunder/
46
Ein krantz/ in welchem man die keuschheits blume sieht.
47
Sie kürtzen lange zeit/ und stifften eitel wunder/
48
Weil beydes glut und schnee auff ihrem throne blüht.
49
Sie sind ein runder sarck/ wo liebe liegt begraben/
50
Ein ditrich/ welcher auch des hertzens grund auffschleust/
51
Ein ort/ indem nur lust will sitz und wohnstadt haben/
52
In dessen hölen milch und nectar häuffig fleust.
53
Zwey fässer/ welche sind mit julep-safft erfüllet/
54
Lockvogel/ derer thon ein freyes hertze bind.
55
Zwey sonnen/ welche zwar mit dünnem flor umhüllet/
56
Doch macht ihr heller blitz die klärsten augen blind.
57
Sie sind ein zart gewand von schwanen-weisser seide/
58
Daran man sehen kan/ wie ieder faden steht/
59
Zwey hügel/ derer höh’ bedecket ist mit kreide/
60
Zwey fläschgen/ denen nie der wollust milch entgeht.
61
Zwey brünne/ da nur stets gesunde wasser quellen/
62
Und wo die dürre nicht der adern marck außsaugt.
63
Zwey jäger/ welche zahm und wilde thiere fällen/
64
Wo keines wird verschont/ was nur zu fangen taugt.
65
Zwey schneeballn/ welche doch unmöglich schmeltzen können/
66
Womit das jungfern-volck der männer seelen schmeist.
67
Zwey aufgestelte garn/ und schlingen freyer sinnen/
68
Aus denen gar kein mensch/ wie klug er ist/ entreist.
69
Zwey kräme/ wo man hold und freundligkeit ausleget/
70
Und wo ein rother mund nur kan der kauffmann seyn.
71
Zwey körb/ in welchen man bloß marcipan feil träget/
72
Nach derer süßigkeit die lippen lechsend schreyn.
73
Zwey thürme/ derer pracht von elffenbein vollführet/
74
Darauff Cupidens pfeil die wache fleißig hält.
75
Zwey kleinod/ derer glantz der jungfern leiber zieret/
76
Wenn ihre freundligkeit den männern netze stellt.
77
Sie sind ein blasebalg/ ein feuer auffzufachen/
78
Das durch kein mittel nicht kan werden ausgelöscht.
79
Zwey bette/ wo rubin und marmol hochzeit machen/
80
Wo süsse mandel-milch der rosen scharlach wäscht.
81
Sie sind ein see-compas/ der hurtig rudern heisset/
82
Eh man in hafen der vergnügung wird gebracht.
83
Ein reiner thron/ auff dem der liljen silber gleisset/
84
Worauff verliebtes volck nur hat zu sitzen macht.
85
Ein werthes heiligthum/ das keusche lippen küssen/
86
Für dem sich hertz und knie in tieffster demuth neigt.
87
Ein meer/ aus dem sich lust und liebligkeit ergiessen/
88
Ein bergwerck/ dessen grund zwey demant-steine zeigt.
89
Doch niemand lobt den brauch die kugeln zu verdecken/
90
Darauff man sehen kan/ wo lieb- und lust-land liegt.
91
Ach schönste! glaubet mir/ ihr möget sie verstecken/
92
Ein liebes-auge hat dem allen obgesiegt.
93
Orontes selbst bezeugt/ daß kein verbergen nutze/
94
Der brüste Pharos hat durch zart gewand geleucht.
95
Er ruht im liebes-port ietzt unter ihrem schutze/
96
Wenn uns ein rauher sturm noch um die seegel streicht.
97
Wol dem nun/ der wie er kan so vergnüget leben!
98
Den so ein weisser schild für wehmuths-wunden schützt/
99
Der seinem munde kan dergleichen zucker geben/
100
Der so vergnügt/ wie er/ im liljen-garten sitzt!
101
Der so die blumen mag auff weissen wiesen brechen;
102
Der aus der brüste schacht rubin und demant gräbt.
103
Der rosen samlen kan ohn einzig dornen-stechen;
104
Der von der speiß und krafft der süssen äpffel lebt.
105
Dem so das glücke blüht/ den es so bruder nennet/
106
Dem eine runde brust kan pfühl und polster seyn.
107
Der in der liebsten schooß mit vollem zügel rennet/
108
Der seiner Venus so flöst liebes-balsam ein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.