Der Messias. Vierzehnter Gesang

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Der Messias. Vierzehnter Gesang (1769)

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Jmmer noch in ihr Leiden versenkt, und schmachtend nach Troste
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War in der Hütt’ am Tempel die jammervolle Versammlung,
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Wie an der glanzverbergenden Decke der näheren Zukunft
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Oft Schnellsterbende dicht schon wandeln, und dennoch weinen!
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Und die heiligen Weiber vermischten mit Oele, der Würze
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Blume, zur Salbung des Mittlers, und Thränen rannen darunter.
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Wie die weisen Begleiterinnen des Bräutigams wachsam
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Waren, und ämsig, die Flamme der Lampe zu nähren, damit sie
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Jhm entgegen kämen, so bald er erschiene; so wart ihr
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Auch, Nachfolgerinnen des Mittlers, bereit bey der Dämmrung
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Erstem Winke zu seyn, mit eilender Sorge beschäfftigt.
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Doch sie erwarteten nicht der Morgendämmerung Ankunft;
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Nacht noch war es beynah, da sie die Jünger verliessen.
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Die aus Magdala’s Hütten, und Kleophas Weib, Maria,
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Und Johanna, mit ihr die Schwester der leidenden Mutter,
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Salome, dann die zu zärtliche Mutter der Zebedäiden
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Waren Führerinnen … Jhr Lieben, ihr seht ihn noch Einmal,
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Sprach bey dem Abschied die Mutter, ich aber seh ihn nicht wieder.
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Geht denn hin im Namen des Herrn. Sie schwiegen, und gingen.
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Und der Morgen athmete kalt. Sie eilten, und sprachen:

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Aber wer wälzet den Stein vom Grabe? Doch dieser Kummer
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Hielt sie nicht auf. Wir thun, sprach Magdalena Maria,
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Was wir können, und schützen, so lange das Salben vermögen,
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Jhn vor der grauenvollen Verwesung. So sprach sie, und eilte.
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Gabriel saß auf dem weggewälzten Felsen, und sagte
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Zu Eloa, und Abdiel, welche neben ihm schwebten:

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Ach kaum, daß ich vermag zu erscheinen, so beb ich vor Freuden!
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Seht ihr die Zeuginnen kommen? Ich will als Jüngling erscheinen,
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Sonst ergriffe die armen Glücklichen, schreckte zu mächtig
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Meiner Herrlichkeit Schrecken. Erscheint ihr ihnen als Männer,
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Wenn sie mehr der Unsterblichen Glanz zu tragen vermögen.

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Aber der Mittler schaut’, aus seiner Verborgenheit Hüllen,
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Auf die Engel herab, und auf die kommenden Menschen,
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Freute sich jene göttlichen Freuden, die Blut ihm erkaufte!
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Und die Bewohnerinn Magdala’s kam, sah offen das Grabmaal,
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Weggewälzet den Fels, floh, riefs den Andern entgegen,
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Eilte zurück nach Jerusalem. Aber die Kommenden liessen
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Sich nicht schrecken, und gingen heran. Da erblickten sie schleunig
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Auf dem Felsen, der weggewälzt an der Oeffnung des Grabs lag,
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Einen Jüngling, der schimmerte. Seine Gestalt war dem Blitze,
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Gleich dem Schnee sein Gewand. Er sprach mit der Stimme der Wonne:

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Fürchtet euch nicht! Ich weis, daß ihr den Gekreuzigten suchet,
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Jesus! Er ist nicht hier! Er ist von den Todten erstanden,
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Wie er verkündiget hat. Kommt her, und sehet die Stäte,
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Wo der Göttliche ruhte. Da führt’ er sie in das Grabmaal.
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Gehet eilend nun hin, und sagt es den Jüngern, und sagt es
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Kephas: Er sey von den Todten auferstanden. Und siehe,
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Jesus gehet hinab nach Galiläa. Da werdet
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Jhr ihn sehn. Nun eilt, und verkündets den Zwölfen. … Sie blieben
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Unentschlossen, und zitterten säumend. In Strahlengewanden
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Traten noch zween der Engel herein. Sie erschracken, und schlugen
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Zu der Erd’ ihr Angesicht nieder. Was sucht ihr, so sprachen
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Diese Männer, unter den Todten, den Lebenden? Hier ist
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Jesus nicht. Erstanden ist er. Gedenkt, was er sagte,
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Als er in Galiläa noch war. In die Hände der Sünder
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Muß der Sohn des Menschen gegeben werden, gekreuzigt
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Muß er werden, erwachen am dritten Tage vom Tode!
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Jetzo eileten sie mit Beben, und großer Freude,
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Liefen, es nun den Jüngern des Herrn zu verkündigen. Petrus
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Und Johannes kamen indeß mit Magdale wieder.
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Als sie aus Jerusalem gingen, sagte Johannes
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Seinen Gefährten: Der Weg an jenen Sträuchen hinunter
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Ist ein schnellerer Weg. Er führt’, ihm folgten die Andern.
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Wo einander am meisten die beyden Wege sich nahten,
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Sondert’ ein Hügel sie nur. Von diesem Hügel geschieden,
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Gingen sich, ohn’ einander zu sehn, die heiligen Weiber,
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Und die Jünger vorüber. So nahn oft Pilger nach Salem,
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Deren Seelen sich gleich, und für einander gemacht sind,
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Sich in diesem Leben, und fehlen sich dennoch. In Salem
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Sehn sie sich erst, verwundernd, daß sie sich hier nicht fanden.
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Kephas sprach zur Gefährtinn, indem sie dem Führer mit Mühe
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Und von ferne nur folgte: Genommen wäre der Leichnam?
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Von den Priestern? Allein die haben, sagt man, den Grabstein
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Ja versiegelt! So haben ihn denn Elende genommen,
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Jhn des Todtengewands zu berauben. Er sprachs, und Johannes
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War dem Grabe schon nah. Gelegt erblickt’ er die Leinen,
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Aber er ging, voll unentschlossenen Kummers und Ehrfurcht,
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Nicht hinein. Nun kam auch athemlos Petrus, und eilte
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So wie er kam, in das Grab. Er sahe das Tuch, das des Todten
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Haupt umwand, besonders gelegt, und nicht bey den Leinen,
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Fand es zusammengewickelt. Jhm folgte Johannes ins Grabmaal,
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Sahs, und überzeugte sich ganz von Magdale’s Botschaft.
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Aber davon, daß, nach der Propheten Gesichte, der Mittler
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Aufstehn müsse, wußten sie nichts. Sie liessen das Grabmaal,
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Und Maria. Wofern, sprach Petrus im Gehn zu Johannes,
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Sich die Priester anders entschlossen, und ihrer Versieglung
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Nicht gnung trauten, gewiß ihn zu haben; so nahmen die Wüter
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Jhm das Todtengewand, um seine Wunden noch Einmal,
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Heiß vom Durste der Rache, zu sehn. Sie gingen verstummt fort.

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Magdale stand vor dem Grab, und blickt’, und wischte die Thränen
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Schnell mit Heftigkeit weg, um zu sehen, sie blickt’, und starrte
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Aengstlich hinunter ins Grab. Zwar waren Engel im Grabe,
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Und die erschienen ihr; doch kaum sah sie die Engel. Denn Jesus
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Sahe sie nicht! nicht Jesus! So sucht, mit lechzender Zunge,
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Nur die Quelle das schreyende Reh; die Sonne, die aufgeht,
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Sieht es nicht, es fühlt nicht die wehenden Schatten des Waldes.

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Weib, was weinest du? sprachen zu ihr die Boten der Wonne.
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Ach, sie haben, den meine Seele liebet, genommen,
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Und ich weis nicht, wohin sie ihn legten? So sprach sie, und wandte
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Sich von dem Grabe. Da sieht sie Jesus stehen, und weis nicht.
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Daß es Jesus ist. Was weinest du, Weib? wen suchst du?
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Doch dieß sprach er noch nicht mit der Stimme des ewigen Lebens!
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Und sie erwiedert dem Gärtner, sie meinte, sie sähe den Gärtner;

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Hast du ihn weggenommen; wohin hast du ihn getragen?
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Ach in welche Finsterniß, daß ich eil’, und ihn suche.

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Nahe, wie sie, der unaussprechlichsten Seligkeit, weint so
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Selbst ein Geliebter des Herrn, wenn seiner Sterblichkeit letztes,
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Aber stärkstes Gefühl die ganze Seel’ ihm erschüttert.
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Ach er liegt, und ringt mit dem Tod’, und dürstet nach Hülfe!
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Weint zu Christus, und kennt, so schreckt ihn der Prüfungen letzte!
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Kennt den Liebenden kaum; sieht nur den Richter der Welten!
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Doch zwo Thränen nur nach; und welche Wonn ist die seine!
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Selber von dem, mit dem sie von Jesus redete, wendet,
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In der Traurigkeit ihrer Seele, Maria ihr Antlitz,
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Aber wie Harfen am Throne, wie Jubel der Ueberwinder,
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Singen sie, ganz in Liebe zerflossen, das Lamm, das erwürgt ward,
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Nicht wie Harfen der Ueberwinder, und Jubel am Throne,
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Inniger, herzlicher, liebevoller, erscholl des Erstandnen,
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Jesus Stimme der Weinenden, Jesus Stimme: Maria! …

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Und sie hört’, und erkannte die Stimme des Herrn, und indem sie
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Kaum sich ihrer bewußt, in der Angst der Freude hinsank,
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Bebend, und bleich in den Staub hinsank zu den Füßen Christus,
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Strebte sie, was sie empfand, dem Erstandenen zuzurufen,
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Aber sie stammelt’, und athmete kaum, und blickte den Herrn an,
125
Weint’, und stammelte nur mit leisem Erstaunen: Rabbuni! …

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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