44
Ach, kaum fafset mein Herz den Gedanken des süßen Verlangens,
45
Abraham riefs, den himmelvollen, den Wonnegedanken:
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Ich, ich selber, werde das sehn! kein Fremder, ich selber,
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Daß der Geopferte Gottes, ein Ueberwinder des Todes,
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Jenes Todes, den Er gestorben! ins Leben heraufsteigt!
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Halleluja! das werd ich sehn! Er riefs, und der Mond ging
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Wieder hervor. Nicht lange, so deckten ihn trübende Wolken.
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Hundert ermüdete Wanderer, Männer, und Mütter, und Kinder
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Kamen. Sie gingen geführt von dem Monde schneller, er nun schon
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Wieder langsam, und waren jetzt in der Heiligen Kreise.
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Schrecken ergriff sie auf Einmal. Sie wußten nicht, was sie erschreckte,
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Aber sie flohn. Ein rufendes Kind verirrte sich. Eilend
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Trat ein Engel herzu, und brachte den bebenden Knaben
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Seiner Mutter. Sie wollte dem lieben treuen Gefährten
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Danken; allein er war in die Nacht hinüber gegangen.
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Nahe bey David hatte der Engel gestanden. Er kam jetzt
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Zu dem Geliebten zurück, und David sprach zu dem Engel:
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Also führt, der bald nun erstehn, und die Völker der Erde
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Sich versammeln wird, durch das erste Leben die Menschen!
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Ach, wie freuet sich meine Seele des Herrn! und wie werd ich
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Seiner mich freun, wenn er aus dem Felsen des Schlummers erwacht ist!
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Jhr, vollendete Fromme, doch deren Leiber noch Staub sind,
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Und ihr Frommen, die nie der Verwesung Schrecken durchbebte,
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Jhr vermögt nicht der Auferstehung unnennbare Freuden
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Ganz uns nachzuempfinden! Wie wird sie Jesus empfinden,
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Er, des Ewigen Sohn, der seiner Sterblichkeit Leiden,
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Und des Todes Furchtbarkeit mehr, wie die Menschen, gefühlt hat!
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Assaph! er eilt’ in Assaphs Umarmung, des Kreuzes, des Todes
72
Göttlicher Dulder, er wird nun bald, mein Bruder, erwachen!
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Also sieht der Seher der Offenbarung auf Sion
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Einst in dem Himmel ein Lamm mit schimmernden Wunden bedeckt stehn,
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Und mit schönem Blute des Heils. Dann stehn um den Hügel
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Zahllose feyrende Schaaren, sie Alle Versöhnte! die haben
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Hell an ihrer Stirne des Vaters Namen geschrieben.
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Und wie Meere, wie Stimmen der Donner, erklingen die Harfen
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In der beseelenden Hand der feyrenden Schaaren um Sion!
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Denn, dem Sohne, sie singen dem Sohne! denn ewiges Leben
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Strömt von den schimmernden Wunden des Lamms in die Seelen herunter.
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Also starb er! So sahen wir ihn! O Leichnam, du schlummerst,
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Leichnam des Unerschaffnen! Noch wart ihr nicht, Engel, da warf er
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Auch dieß Licht, wir sahens wie Dämmrung vordem! auf der Schöpfung
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Urgestalt, die Strahlen, als er der langen Aeonen
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Reihen dachte; Sterbliche sollten entschlummern! Er selber!
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Dann erwachen! Verkündets in allen Himmeln, ihr Zeugen
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Seines Todes! erzählts in jeder Hütte des Friedens!
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Keiner würdige sie, von allen Seligen keiner!
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Sagts der Hölle nicht an! doch, wenn ihr sie würdiget, donnert
103
Schreckende Halleluja hinab, daß sie weiter hinüber
104
Weiler vom Himmel ins Unermeßliche fliehe! Der Gottmensch
105
Wird erwachen! nun bald hoch über dem Staube des Grabes
106
Stehen! und Herrlichkeit seyn! und Herrlichkeit! Halleluja!
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Kommt, kommt eilend zu uns, ihr seine Zeugen auf Erden,
108
Schon sind Hütten der Ruhe für euch geöffnet! die Palme
109
Winket euch schon! Bald habt ihr euer Zeugniß gezeuget,
110
Bald geblutet, wie Er! Du Blut der Märtyrer, rufe
111
Nicht der Rache, der Rache! wie Abels, rufe der Krone!
112
Stephanus! und Jakobus! ihr Ersten! die Morgenröthe
113
Seines verkündigten Heils kaum bricht sie hervor, und ihr siegt schon!
114
Stephanus! und Jakobus! verlaßt denn Kanaan! Joseph
115
Kann sich länger nicht halten! nun länger nicht! Halleluja!
121
O der Entzückungen Ungestüm, der das Herz mir erschüttert,
122
Denk’ ich an jene Stunde zurück, in welcher der Vater
123
Jedes Schicksals, ihr Brüder, mich euch zu entdecken, erlaubte.
124
Süßeste meiner Stunden im ersten Leben, du wirst mir,
125
Also wiedergedacht, der Stunden des ewigen Lebens
126
Eine! Wie war mir, als ich, vollendete Brüder, euch zurief:
127
Ich bin Joseph! … Lebet mein Vater noch? … Du, der im Grabe
128
Schlummert, du Bruder erlöster unzählbarer Brüder, du Erstling
129
Unter den Erben des Lichts, o laß die Hülle des Blutes
130
Und des Staubes von deinem Antlitz fallen, und zeige
131
Dich in deiner Herrlichkeit wieder! Zwar niemals verkannten
132
Wir in deiner Niedrigkeit dich; doch dürsten wir, dürsten,
133
Dich mit Wunden, die strahlen, zu sehn, den Sieger des Todes
134
Jenes nicht nur, der liegt, und verwest, des ewigen Todes
135
Sieger! Auch derer, die einst, o du, der ewigen Gnade
136
Ewiger Quell, nach dir, weil sie dich verkennen, nicht dürsten,
137
Derer erbarme dich auch, und gieb ihm Flügel zu eilen
138
Jenem Tage der letzten Enthüllung der Herrlichkeit Gottes!
139
Wardst du nicht allenthalben versucht, um Mitleid zu haben,
140
Ueberwinder, versucht, wie der Sterblichen keiner versucht ward?
141
Der geschaffen das Aug’ hat, sieht! geschaffen das Ohr, hört!
142
Der dich geschaffen hat, Herz! ach sollte sich der nicht erbarmen
143
Bist du nicht eingegangen, mit deiner Versöhnung Blute,
144
Hoherpriester, ins Allerheiligste? Ist sie nicht ewig
145
Deine Versöhnung, die du, der Gerechteste, selbst erfandest?
146
Selbst vollbrachtest! … Wenn sie nun kömmt die Stunde der Wonne
147
Auch den Himmeln verborgen, verborgner der Erde, die Stunde,
148
Die zu dem Retter Abrahams Kinder und Jsaks und Jakobs
149
Ach zum Gekreuzigten bringt; wenn nun der Völker Füll’ ist
150
Eingegangen, nun Jsrael auch eingehet, und Jesus
151
Sich nicht halten mehr kann, und laut zu weinen beginnet:
152
Ich bin Jesus! … ihm dann die Geliebteren weinend am Halse
153
Hangen, er Feyerkleider der Unschuld Allen austheilt,
154
Jedem ein helles Gewand mit Blute besprengt, und Kronen,
155
Ach den Geliebteren, daß, vor ihrer Belohnungen Größe,
156
Freudig die Thronen erschrecken! wenn Er dieß Alles vollendet;
157
O wie werden die himmlischen Boten von Sternen zu Sternen
158
Eilen, verkündigen, was vor ein Licht aus der Tiefe der Weisheit,
159
Was vor ein Strahl aus der Nacht des göttlichen Rathes hervorbrach!
160
Und wie werden alsdann ihr Antlitz die Aeltsten am Throne
161
Neigen, und niederwerfen die Kronen, und feyren, und danken,
162
Danken dem Einen, der ewig ist, und der Vater der Tage!
163
Siehe, du hast es vollendet! und wirst noch mehr es vollenden!
164
Vater! Erster! du Einer, der ewig ist! o dem Namen
165
Deiner Herrlichkeit Preis! von Aeonen Preis in Aeonen!
166
Mit des feyrenden Liedes Strome, lispelt’ und hallte
167
Harf’ und Posaune. Wie er in seinen Gestaden einherfloß,
168
(gleich dem sterbenden Widerhalle sang ihn mein Lied nach)
169
Sanfter itzt floß, und fliegender jetzt, so schwebte der Harfe
170
Lispel auf ihm, und der Hall der Posaune, mit Harmonieen,
171
Die der Seligen Ohr nur hört. Die Gesänge der Himmel
172
Sind nicht Kinder der langsamen, oft entseelten Begeistrnng,
173
Sind der Urbegeistrung entzückte Söhne, der Wonne
174
Erstgebohrne! Wir kennen sie nicht. Bisweilen nur hört sie
175
Einer, der stirbt, und mit ihnen das ewige Leben beginnet.
176
Nur der Prophet des verstummenden Lamms Jesaia vernahm sie
177
Von dem geöffneten Grabe noch fern, da die Engel ihr Antlitz
178
Deckten, und gegen einander flogen, und sangen: Heilig,
179
Heilig ist, heilig der Herr der Geschaffnen! und alle Lande
180
Sind der Herrlichkeit Gottes Zebaoth voll! daß erbebten
181
Vor der Rufenden Stimme die Ueberschwellen des Tempels.
182
Voll von dem süßen Erwarten der Auferstehung des Mittlers
183
Fuhren die Heiligen fort, sich, was sie empfanden, zu sagen
184
Jetzt mit Stimmen, mit Saiten alsdann, und dem feyrlichen Halle,
185
Oft mit beyden. Denn noch war nicht das Schweigen der Freude,
186
Nicht das Verstummen der Wonne gekommen. Der göttliche Todte
187
Schlummerte noch … Hesekiel stieg auf ein Grabmaal am Oelberg
188
Aus den Wolken herunter, und sang: Verdorrte Gebeine
189
Sah ich um mich, und wurde des großen Befehles gewürdigt,
190
Jhnen zu rufen: Verdorrte Gebeine, höret des Herrn Wort!
191
Als ich rief den Befehl, da rauschte das weite Gefilde!
192
Siehe da regt’ es sich, als ich den großen Befehl um mich ausrief,
193
Und die Gebeine kamen zusammen, jedes Gebeine
194
Kam zu dem seinen, und Leben kam mit den fliegenden Winden
195
In die Todten. Nun standen sie all’ auf dem weiten Gefilde,
196
Sieh ein unzählbares Heer! … Das wurd ich zu sehen gewürdigt!
197
Noch entzückt mich das Bild von dieser Rettung Gesichte;
198
Aber wie war mir, als ich auch selber ins Leben herauf kam,
199
Ich verdorrtes Gebein! O Dank, Dank meinem Erwecker,
200
Dessen Leichnam noch schlummert, und der doch Todten erwecket!
201
Er verwest nicht, wie wir. Das war der Wille des Vaters,
202
Sterben sollt’ er, am Kreuze sterben! aber verwesen
203
Sollte sein Heiliger nicht! O Erndte viel größer, als jene,
204
Die ich sah, viel größer, als die, zu welcher wir kommen,
205
Wenn die Schnitter rufen, und wenn die Posaunen erschallen!
206
Zwar nur Eine Aehre; doch ist die Erndte viel größer,
207
Als der unzählbaren Aehren unübersehliche Fluten,
208
Als das ganze Gefilde der Auferstehung voll Garben!
209
Wüchse die Eine nicht auf; so würden die Schnitter nicht rufen,
210
Nicht die Posaunen erschallen! O Heil dir, du Eine! Die Himmel
211
Aller Himmel werden sich unter deinen Schatten
212
Einst versammeln! der Tod, der furchtbare Tod, der letzte
213
Aller Feinde, wird dieses Schattens allmächtiges Labsal
214
Nicht zu ertragen vermögen! vergehn! dann wirst du die Herrschaft
215
Uebergeben dem Vater, daß Gott sey Alles in Allen!
216
Halleluja! dem Vater, daß Er sey Alles in Allen!
268
Und die Wache des Grabs ging ab. Die kommende Wache
269
Führte der Hauptmann, der Jesus auf Golgatha sterben, den Hügel
270
Unter ihm hatte beben, und stürzen die Felsen gesehen.
271
Und am versiegelten Stein, dem Bewahrer des Leichnames, blieben
272
Wundernd die Römer stehen, und unter ihnen ihr Hauptmann.
273
Cneus, so hieß sein Name, vertiefte sich bald in die Zweifel
274
Seiner Gedanken. Die Stille der Nacht, und des wandelnden Mondes
275
Sanfte Schimmer luden ihn ein, sich weiter und weiter
276
Ins Labyrinth zu verlieren, aus dem kein Leiter ihn führte.
277
Und er lehnete sich an den Felsen. Ein Göttersohn denn?
278
Aber welches Gottes? des Gottes der Jsraeliten?
279
Dieses? … O warum zweifl’ ich an unsers Jupiters Größe;
280
Denk’ ich an den, den Jehovah dieß leichtbezwungene Volk nennt,
281
Den es nicht zu kennen verdient? wie niedrig, und sclavisch
282
Ist es! wie klein durch sich selber, wie groß durch Jehovah, der Götter
283
Gott! So nennt er sich selbst, und nennt sich nicht nur; er zeigt sich
284
So durch Thaten! denn wär die Geschichte der Wunder Jehovah
285
Zweifelhaft; so wär die Erzählung von Jupiters Thaten
286
Mehr, als zweifelhaft! doch ein Sohn des großen Jehovah;
287
Und doch sterblich? Und, wenn nur ein Mensch, wie könnt er so groß seyn?
288
Also dacht er, indem ihn ein Bote, den Portia sandte,
289
Seinem Grübeln entriß. Mich sendet Portia, Cneus,
290
Dich zu fragen: Ob Ruh am Grabe gewesen? und ob sich
291
Keiner dem Todten nahe? Sie war erst selber entschlossen,
292
Herzueilen, allein sie entschloß sich anders … Hier herrschet,
293
Sage Portia dieß, die Stille der Gräber, und keiner
294
Naht sich dem Todten. Er eilete. Wart, und sag ihr auch dieses,
295
Sag ihr: Er komme wieder ins Leben; er komme nicht wieder;
296
Beydes verwirre mich! geh! … Sie quälet, wie mich, die Entwicklung
297
Dieser verborgnen Geschichte des unterliegenden Frommen.
298
Denn dieß war er gewiß! Ein frommer Sterblicher war er;
299
War er kein Sohn des Gottes der Götter! Des Gottes der Götter?
300
Also verläugn’ ich Jupiter? setz’ ihn unter Jehovah,
301
Den ich nicht kenne? den ich viel mehr, als Jupiter, kenne!
302
Denn viel mehr ist Wahrheit in dem, das Jehovah gethan hat,
303
Als in dem, das der Donnerer that! Nur mehr? Ist nicht Alles
304
Wahrheit? O hätten des liegenden Jsraels Ueberwinder
305
Jupiter angebetet; so wäre das Bild des Gottes,
306
Wie das Bild des Dagon, in stumme Trümmern zerfallen,
307
Ja, aus der Hand des Schwachen, in stumme Trümmern die Donner!
308
Ha! was hab’ ich gedacht! was dringt mich, Zevs zu verläugnen?
309
Jhn dem Unbekannten, dem schrecklichen Unbekannten
310
Aufzuopfern? und weß ist die Stimm’ in der innersten Seele,
311
Der ich zu widerstehn nicht vermag? Wenn du, Jupiter, mehr bist,
312
Als der Gott der Götter; so donnr’ in den Abgrund mich nieder:
313
Ach, wo bin ich? O Wut der furchtbaren Ungewißheit!
314
Nein! nicht Ungewißheit! So hätt ich Jehova beleidigt!
315
Bey dem Strome Cocytus, bey dem nur, Jupiter, du schwörst,
316
Fleh ich: Donnre mich nieder! O du, nach dessen Erkenntniß
317
Ich mit dieser entflammten Begier verlange, Jehova,
318
Offenbare dich mir! bin ichs werth? … kanns ein Sterblicher werth seyn?
319
Offenbare dich mir! Er dacht’ es gen Himmel, und senkte
320
Dann sein Haupt auf die Brust. Ach, warum sah ich den Frommen
321
Seine Wunder nicht thun? und warum säumt’ ich, zu hören,
322
Was er, von Gott, und von sich, und den Menschen sagte; so kennt’ ich
323
Nun die Menschen, und ihn, und Gott! … Die am meisten ihn horten,
324
Waren Männer voll Einfalt. Ach besser, als wären sie Weise,
325
Die so selten sich nicht verirren, und Grübler gewesen!
326
Aber wo such’ ich sie? Er ist todt, und wird mich nicht lehren!
327
Und sie find ich nicht! Doch in jenem besserem Leben,
328
Wo er jetzt ist, wird er mich lehren! Jm besseren Leben?
329
Ist denn ein künftiges? wirds, wenn es ist, denn besser für mich seyn?
330
Da, der so unschuldig gewesen, so vieles gelitten;
331
Ach, was wird der Schuldige leiden! Du Unbekannter!
332
O du Unbekannter! ja meine Seele verirrt sich
333
In dem Forschen nach dir! O könnt ich deiner Propheten
334
Offenbarung und Lehren verstehn, aufdecken die Hülle,
335
Welche sie meinem Auge verbirgt! So gar noch am Kreuze
336
Hätt’ ich ihn fragen können! Nun ist er verstummt! Auf ewig?
337
Der nur weis es, der ihn gesandt hat! Können die Todten
338
Auferstehen? Der Heilige Todte dort hat den Seinen,
339
Wieder ins Leben zu kommen, verheissen! Das sagen ja selber
340
Seine Verfolger, und darum bewachen wir seinen Leichnam.
341
Kommt er nun nicht zurück; so verwirren mich seine Geschichte,
342
Die mich, weiter erforscht, von Gott mehr hätte gelehret,
343
Seine Wunder, sein Leiden noch mehr! Zu welchem Kummer
344
Ist mein Leben gemacht? und warum schonten die Schlachten
345
Meiner immer? der fallende Pfeil, und der zuckende Wurfspieß!
346
Warum hört ich nicht lange den letzten schmetternden Bogen
347
Tönen? Ha Brutus, als du zuletzt an der Tugend Belohnung
348
Zweifeltest, nahmst du dein Schwert! Und ich seh größere Tugend
349
Unbelohnter, und säume? Was hält mich? Nicht Furcht vor dem Tode!
350
Denn ihn hab ich zu oft in blutigem Felde gesehen!
351
Bin ihm entgegen unter sinkenden Adlern, gegangen!
352
Nein! ihn fürcht’ ich nicht! Doch was ist es denn, das mich aufhält?
353
Warum entsetz’ ich mich, wenn ich mich nun dem ernsten Entschlusss
354
Völlig nahe? Beleidigt’ ich etwa den Unbekannten?
355
Und ist Warnung vielleicht die geheime Gewalt, die mich fesselt?
356
Wenn mein Tod ihn beleidigt; so müsse meinem Entschlusse
357
Jmmer etwas zur Reife fehlen! Wie aber ergründ ich:
358
Ob ich dadurch ihn beleidige? Sollte die bebende Frage:
359
Ob ich ihn beleidige? Furcht des Todes in mir seyn?
360
Furcht so tief verborgen? O wüßt ichs, wie wollt ich des Lebens
361
Weiche Liebe strafen, und dir zum Opfer sie bringen,
362
Ted! So verlor sich Cneus auf seinem finsteren Wege
363
Nach der Gottheit, indem noch nicht die Rechte des Helfers
364
Seine Führerinn ward, ihn, nach der Höhe der Weisheit,
365
Auf den schmalen Weg, durch die enge Pforte, zu leiten.