Der 1. Satz

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Philipp von Zesen: Der 1. Satz (1641)

1
Warümb ist der Himmel offen?
2
Laß uns hoffen.
3
Wird die Nacht nicht hell und klar?
4
Es ist wahr.
5
Siht mann nicht den Mond verbleichen?
6
Er muß weichen.
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Das gestirnte Wolcken-heer
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Fliht je mehr und mehr;
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Es entspringt ein neues Licht/
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Das mit solchen güldnen strahlen
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Durch die fünstern Nächte bricht
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und der Wölcken-zelt kann mahlen
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Mit Rubien und Hyacinth/
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Das den Nächten abgewinnt.

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Was doch hört mann an dem Himmel?
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Ein getümmel.
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und was ist das vor ein klang?
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Ein Gesang.
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Der dort aus den Lüfften wallet?
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Ja es schallet.

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Eine süße Melodey
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Macht uns Kummers-frey.
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Hör ich/ oder deucht mich so/
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Dort die güldnen Cherubienen/
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Ach wie seyn sie doch so froh
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Mit den klahren Seraphinen/
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Höre das liebliche gethön/
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Ach wie klingt es nur so schön!

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Freuet Euch alle seyd frölich im HErrn/
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Das trauren sey ferrn/
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Kommet und schauet und fürchtet Euch nicht/
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Ein edeles Licht
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Ist jtzund auffgangen
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Mit güldenen Wangen/
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O Fröliche zen/
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Jesus der Heyland ist heute gebohren/
37
Welcher zum Spiegel der Gottheit erkohren/
38
Wird jtzund auch fleischlich bekleidt/
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O fröliche Zeit!

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Wer ists/ der sich hier einstellt?
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unser Held.
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Der dort ligt auf Stroh und Heu/
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Sünden-frey?
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Ach wie zieht Er ein die Lippen
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In der Krippen/
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Dessen Hände-werck wir seyn/
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Der uns nehrt allein/
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Der des Großen Gottes Sohn/
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Mischt sich in der Menschen-Orden/
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Hat verlaßen seinen Thron/
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und ist unser Bruder worden:
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Himmel/ Erde/ Lufft und Meer/
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und was drinnen/ freut sich sehr.

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Wje mag dieses gehen zu?
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Gleube du.
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Muß Vernunfft dann schweigen hier?
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Gleube mier.
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Ey so nehm ich Adlers-augen!
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Ja die taugen.
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Denn ein Adler höher nicht
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Durch die Wolcken bricht/
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Wenn er seine kleine Zucht/
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In dem Neste nicht mehr sihet;
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Also meiner Sinnen-flucht
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Sich zu schwingen nicht bemühet/
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Weiter in die tieffe nein;
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Söndern hier soll Glaube seyn.

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Sey uns willkommen/ du Himlisches Kind/
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So Friedlich gesinnt/
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öffnet die Thore/ der Hertzog köm̃t an/
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Erweitert die Bahn.
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Der König der Ehren
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Der lässet sich hören/
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O heiliges Licht!
75
Hertzog/ du Hertze des Friedens wilkommen/
76
Friede wird heute verkündigt den Frommen
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und zeiget sein güldnes Gesicht/
78
O heiliges Licht!

79
Köm̃stu/ schönster Held/ zu mier?
80
Ja zu dier.
81
Wie sol das verschulden ich?
82
Liebe mich.
83
Sol nach deiner Lieb ich streben?
84
Ja mein Leben.
85
Ey so komm: Ich bin verwundt/
86
Küsse meinen Mund/
87
O du süßer Breutigam/
88
Du Beherscher aller Hertzen/
89
Lesche meine keusche Flamm/
90
und der Liebe süße schmertzen/
91
Ich bin dein und Du bist mein/
92
und Dich lieb’ Ich nur allein.

93
Wer benim̃t uns so den Muth?
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Liebes-gluth:
95
Frauen-Liebe brennt wohl sehr/
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Diese mehr.
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Ja es halten deine Wangen/
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Mich gefangen/
99
O du güldner Friedens-Held/
100
Der mir nur gefällt.
101
Gib daß unser Vaterland
102
Mag gedoppelt widerschauen/
103
Was der Feind von uns gewandt
104
und den stoltzen Frieden bauen/
105
Daß die gantze Christenheit
106
Dich erheb’ in Ewigkeit.

107
Ehret den HErren/ lobsinget dem HErrn
108
Preiset jhn gern.
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Himmel und Erde laß hören ein Lied/
110
Sey jmmer bemüht
111
Die Stimme zu schwingen/
112
Den Heiland zu singen/
113
Zu jtziger zeit.
114
Ehre sey Gott in der Höhe dem mächtigen HErren/
115
Frieden auf Erden; unfriede sey ferren!
116
Die Menschen seyn höchlich erfreut
117
Zu jtziger Zeit!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Philipp von Zesen
(16191689)

* 08.10.1619 in Priorau, † 13.11.1689 in Hamburg

männlich, geb. von Zesen

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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