Auff das Seelige Ableiben Herrn Christoph aus dem Winckel auf Wettien und Brandes Erbsassen

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Philipp von Zesen: Auff das Seelige Ableiben Herrn Christoph aus dem Winckel auf Wettien und Brandes Erbsassen (1641)

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Ach wie kömmt es doch/ daß eben
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jtzt in dieser Rosen-zeit/
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da mann lebt in fröligkeit/
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viel in Todes-nöthen schweben
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und bald werden weggerafft
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durch des grimmen Todes krafft?
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Ach was wird mann denn wohl spüren
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wenn sich Parra wird verlieren/
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wenn die Sonn’ am höchsten ist?
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Ach wie werden wier dann lauffen
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in des Todes hand mit hauffen/
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der zu würgen ist gerüst!

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O Du Licht des gantzen Landes/
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der du warest für und für
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unser aller Ruhm und Zier/
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ja des Winckelischen Standes
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starcker Trost und Ehrenkron/
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wiltu dann nun reisen schon
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an den süßen ort der freuden
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weit von trauren/ weit von leiden?
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Da du denn viel heller bist/
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und mit nichten weichst den Sternen/
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da du auch alsdenn kanst lernen
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Gott erkennen wie er ist?

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Es betrauret deinen Todt/ was allhier zu finden/
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ja der Wiesenglantz
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ist verwelcket gantz/
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Es betranren dich die fisch’ in den tieffen gründen/
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ja die güldne Sonne selbst zihet an ein schwartzes kleid/
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grüne Wälder
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bunte Felder
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selbst verlieren jhren schmuck/ jhren glantz uñ liebligkeit.

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Weinet aber nicht so sehre/
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Edle Frau/ verlaßne nun/
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sondern richtet euer thun
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nur auf Gottes Ruhm und Ehre/
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ruffet Jhn in nöthen an/
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so ist alles wohlgethan/
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es ist Gottes Sinn und Wille/
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darumb haltet Jhm nur stille;
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Ach! was ist doch unsre zeit?
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die wier kaum so lange leben
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als Ephemeron kann schweben
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an des flusses Liebligkeit?

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Weil es Gott so pflegt zu schicken/
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und es anders nicht kann seyn/
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ey so soll man sein Gebein
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mit dem schönsten balsam schmücken/
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der zur unverweßligkeit
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dient dem Menschen jederzeit/
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und sein Edles Häupt bekräntzen
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mit den Blumen/ welche gläntzen
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wann der Frühling will angehn/
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wann sich schnee und reiff verlieret/
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wann die Wiesen seyn gezieret
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und in vollen blühen stehn.

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Nun/ nun ist der edlen Seel' alles diß benommen/
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was uns bringet Leid
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vor die Fröligkeit/
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Die sie nun im Himmel hatt völlig überkommen;
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nur wier armen leben noch hier in lauter krieg uñ streit/
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biß wier werden
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von der Erden
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auch einmahl hinauf gerafft/ zu der großen herrligkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Philipp von Zesen
(16191689)

* 08.10.1619 in Priorau, † 13.11.1689 in Hamburg

männlich, geb. von Zesen

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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