Als er seinen freund gesegnen muste

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Philipp von Zesen: Als er seinen freund gesegnen muste (1641)

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Allhier in diesen Wüsteneyen/
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da nichts als schwartze bäume stehn/
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Muß ich vor großem wehmuth schreyen/
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muß weinen und betrübet gehn/
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weil nun mein Hertz/ mein Ander Ich
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absondert sich;
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Nun seh ich wie dem ist umbs hertze/
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der seinen Freund verlaßen muß/
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dis lehret mich mein eigner schmertze
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mit überfluß.

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Jhr tieffen Thäler und jhr Büsche/
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Jhr die jhr in den gründen seyd/
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hört meinen seuftzen zu/ jhr fische/
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und helfft beklagen dieses Leid.
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weil ich den Bruder missen muß/
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doch mit verdruß;
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Nun seh ich wie dem ist umbs hertze/
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der seinen Freund verlaßen muß/
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dis lehret mich mein eigner schmertze
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mit überfluß.

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Jhr berge/ felsen/ klufft und Steine/
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Du Lust-kind/ Echo/ spring mir bey/
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sih wie den Abschied ich beweine/
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stimm’ ein in meine melodey/
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die nichts als wind und seuftzen ist/
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zu dieser frist/
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nun seh ich wie dem ist ümbs hertze/
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der seinen Freund verlaßen muß/
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diß lehret mich mein eigner schmertzè
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mit überfluß.

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Jhr Kräuter/ die jhr stets aufgehet/
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wo Wald und feuchte Brüche seyn/
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das Laub/ das auf den Espen stehet/
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stim̄t schon in meine senftzen ein/
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mein Auffenthalt/ mein Schatz ist hin/
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das kränckt den Sinn/
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nun seh ich wie dem ist ümbs hertze
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der seinen Freund verlaßen muß/
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diß lehret mich mein eigner schmertze
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mit überfluß.

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Jhr wasser/ brunnen/ quell und bäche/
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steht still und schaut dis trübnüs an/
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ach hört/ was ich in ängsten spreche/
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in dem ich diese trauer-bahn
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den weg des Abschieds zihen soll
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des kummers voll/
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Nun seh ich/ wie dem ist ümbs hertze/
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der seinen Freund verlaßen muß/
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dis lehret mich mein eigner schmertze
50
mit überfluß.

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Jhr Himmels-fackeln und jhr Sterne/
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so in den blauen wolcken stehn/
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schaut auf mich Armen her von ferne/
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der ich so einsam her muß gehn/
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und meines Liebsten Angesicht
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kann schauen nicht/
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Nun seh ich wie dem ist ümbs hertze/
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der seinen Freund verlaßen muß/
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dis lehret mich mein eigner schmertze/
60
mit überfluß.

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Nun kom̄/ du füßes spiel der winde/
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du weisser West und nim dis wort
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und bring’ es eilend und geschwinde
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zu dem der mein gewündschter Port/
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und zeig’ Jhm/ daß ich meiner pflicht
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vergessen nicht/
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sein bluth so auf papier geschrieben/
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das soll der treüe zeige seyn/
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daß er mich ewiglich will lieben
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in noth und pein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Philipp von Zesen
(16191689)

* 08.10.1619 in Priorau, † 13.11.1689 in Hamburg

männlich, geb. von Zesen

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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