Auf die Feuersbrunst/ so den 3. Weinmo- nat in Wittenberg im Jahr 1640. ent- standen

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Philipp von Zesen: Auf die Feuersbrunst/ so den 3. Weinmo- nat in Wittenberg im Jahr 1640. ent- standen (1641)

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Wje warstu so bestürtzt? wie war dier doch zu muthe/
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du edles Wittenberg/ was sah ich doch in Dier?
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Ach weh! ach immer weh! Gott zeigt dir eine ruthe/
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fäht an zu strafen dicht; Ein Feuer bricht herfür
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und nimmet überhand! Wie hastu das verdienet/
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du heiliger Altar? Daß eine solche gluth
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dich also gar ümbgab? und sich (ach leid!) erkühnet
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zu steigen auf das Hauß darinnen uns zu guth
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Lutherus angezünde die Fackel reiner Lehre/
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darinnen Babilon zum ersten mahl erlag/
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dariñen selbst der Mann der Deutschen ruhm und ehre
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Lutherus steht und ruht: ach welch ein trüber tag!
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Welch eine böse post wer Euch vor augen kommen/
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Jhr Anverwanten Jhr! wo Gott es nicht gewehrt/
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es hatte ja die gluth so überhand genommen/
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daß menschen hülff und rath so gar von uns gekehrt
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und nichts mehr fruchten wolt: die bach war abgelaßen/
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am wasser es gebrach/ mann konte leschen nicht/
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die bürger in der Stadt in furcht und schrecken saßen/
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biß wieder brach herfür das rothe morgenlicht.
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Da schon ein guter theil in asche war verkehret/
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da legte sich die gluth/ das feuer ward gestillt/
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der Armen angst geschrey und bethen war erhöret/
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Gott selbsten stund dabey/ der war der beste schild/
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und sprach dem Feuer zu/ hier sey euch stoltzen flammen
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der grentzestein gesetzt; nicht weiter solt jhr gehn.
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Drauf dämpfte sich mit macht das Feuer allzusammen
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und brante nicht wie vor mit schrecklichem gethön.
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Wie aber? war es dann am Himmel angeschrieben?
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Stund etwan dazumahl ein feuriger Planet/
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daß du durch feuersgluth solt werden aufgerieben/
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O heiliges geschöpf/ wie jtzt die rede geht/
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und must es also seyn? ach nein. Die schweren sünden/
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die überhänffte schuld/ damit du deinen Gott
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zu zürnen angereitzt/ selbst dier die ruthe binden;
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Wie oftermahls hastu verlaßen sein gebott/
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wie oftermahls hastu mit schrecklichem verbrechen
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den Höchsten angeflam̃t; Drümb weiset er nun dier/
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daß er auch strafen kan uñ deinen hochmut schwächen;
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Wer hette dis gedacht/ Gott wohnet selbsten hier;
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Dis ist die heilge Stadt/ da Gottes quell entsprungen/
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und durch das Deutsche Land mit vollen strömen
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dringt/
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hier ists zum ersten mahl der Christenheit gelungen/
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hier ist dieselbe Burg so alle Ketzer zwingt.
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Ja freylich ist es war; daß hier des HErren Tempel/
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doch sol man dencken nicht/ daß wir võ straffen frey/
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wann wir verbrochen uns: Ein trauriges Exempel
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stellt uns der Höchste für; wie er so zornig sey/
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doch ist es nicht fein ernst/ er will uns so nur leiten
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zur rechten Gottesfurcht/ zur wahren frömmigkeit/
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und daß wir unsre schuld erkennten ja bey zeiten/
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und nicht so lebten fort in solcher sicherheit:
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Dis war des Höchsten Sinn. Drümb wir Jhn Va-
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ter nennen/
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und billich danckbar seyn/ daß er nicht also gar/
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wie wir es wohl verdient/ hatt laßen ferner brennen/
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den angeflam̃ten zorn. Daß er uns noch bewar
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vor feuersnoth und krieg/ last uns ein frommes Leben
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hinfüro stellen an/ daß Gott dem HErrn allein
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stets unser Seel und Leib und alles sey ergeben/
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so wird er unser Gott und treüer Vater seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Philipp von Zesen
(16191689)

* 08.10.1619 in Priorau, † 13.11.1689 in Hamburg

männlich, geb. von Zesen

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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