Das fünffte Gespräch

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Weise: Das fünffte Gespräch (1701)

1
Seht doch den jungen sack
2
Dort in dem fenster sitzen/
3
Wie hurtig und wie strack
4
Kan sie das mäulgen spitzen.
5
Sie war vor wenig tagen
6
Noch weit davon entfernt:
7
Doch itzo muß ich sagen/
8
Sie hat schon ansgelernt.

9
2. Der liebste sitzt bey ihr
10
Und löffelt auf die thauer:
11
Sie fürcht sich nicht dafür/
12
Und hält wie eine mauer.
13
Wo lernens denn die kinder?
14
Ist irgend so ein buch?
15
Sie kans fürwar geschwinder
16
Als sonst den sontag-spruch.

17
3.
18
Daß dich mein leibgen drücke/
19
Wie bringstu so geschwind
20
Das leder ins geschicke?
21
Es geht so fix/ ich halte
22
Du hast/ wie sichs gebührt/
23
Das mäulgen in die falte
24
Mit baum-öl eingeschmiert.

25
4. Ich hab es tausendmahl
26
Vor diesem fürgenommen:
27
Doch bin ich allemahl
28
In das gedränge kommen.
29
Ich armer stümper dachte/
30
Sie hätte keine lust:
31
Und sie hat still und sachte
32
Die händel schon gewust.

33
5. Bald stieß sie sich an kopff/
34
Da wars mit mir verlohren:
35
Bald fand ich armer tropff
36
Das mäulgen hintern ohren:
37
Da hielte sie die hände
38
Bald gar die mütze für/
39
Und allzeit an dem ende
40
Da hatt ich nichts von ihr.

41
6. Bißweilen bat sie mich
42
Um hundert Gottes willen;
43
Und bald erzürnt sie sich/
44
Da krieg ich andre pillen:
45
Ja in den besten freuden
46
Da hört die mutter schreyn/
47
Und halff die händel scheiden/
48
Ich musts gewesen seyn.

49
7. Je schrey doch itzund auch/
50
Der liebste spitzt die lippen/
51
Wo ist nun dein gebrauch?
52
Soll er denn immer tippen?
53
Das zucker-süsse futter
54
Genenst er gar zu viel/
55
Und ich seh keine mutter
56
Die friede nehmen will.

57
8. Die mädgen haben nu
58
Gar den credit verlohren/
59
Und dieses sey darzu
60
In specie geschworen/
61
Wo ich ein mädgen finde/
62
Da will ich lose seyn:
63
Sie fürchten sich der sünde
64
Nur auff den blossen schein.

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.