Das fünffte Gespräch

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Christian Weise: Das fünffte Gespräch (1701)

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Mein allerliebstes kind/ wofern sie ein belieben
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An meinen schrifften hat/ so nehme sie den gruß
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Den meine feder bringt/ und lese diß geschrieben/
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Was ich auß blödigkeit annoch verschweigen muß.
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Wir menschen haben doch kein fenster an dem hertzen/
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Die lust/ die uns beschwert/ muß durch die worte gehn
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Wer keine reden braucht der leidet ewig schmertzen:
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Denn wer uns helffen sol muß uns zuvor verstehn.
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Ja wol/ ich sagt es gern/ es möchte nicht verfangen/
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Sie hat das urthel schon von meiner treu gefällt/
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Und meynt es sey gar recht wenn jemand mein verlangen
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Vor einen überfluß der schlimsten falschheit hält.
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Ich bin das böse kind: was ich von hertzen rede/
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Das heist ein blosser schertz: bin ich ein bißgen froh/
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So heists ich spotte sie: und bin ich wieder blöde/
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So heists ich stelle mich zum blossen possen so.
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Ach was hab ich gethan? womit bin ich so kühne?
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Was steht mir übel an/ und wo thu ich zu viel?
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Daß ich verdächtig bin und lauter haß verdiene/
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Wenn ich das süsse band der freundschafft suchen wil!
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Mein kind sie trifft es nicht: ich schwere bey dem glücke
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Das mich in dieser welt einmahl vergnügen sol:
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Schertz ich mit ihrer gunst durch falsche liebes-blicke/
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Wolan so geh es mir in keinem stande wohl.
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Sie ist mein steter trost der antrib meiner sorgen/
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Der nordpol meiner lust/ der anlaß meiner ruh:
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Sie ist mein guter tag: sie ist mein guter morgen:
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Sie ist die gute nacht und alles was ich thu.
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Ich lebe/ doch nicht ich: sie lebt in meiner seele/
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Sonst hat der blasse tod mich schon in seiner macht.
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Drum wenn ich meinen lauff und meine stunden zehle/
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So nenn ich nur die zeit/ wenn ich an sie gedacht.
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Sie dencke selbsten nach: hab ich ihr nicht erwiesen
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Was ein verbundnes hertz der liebste leisten kan?
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Ich habe sie bedient/ ich habe sie gepriesen/
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Und hätt ich mehr vermocht so hätt ich mehr gethan.

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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