X. Es hungert ihn nach Fleische

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Christian Weise: X. Es hungert ihn nach Fleische (1701)

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Ach weh! wie hungert mich/ wo krieg ich neue krafft
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Wo find ich einen koch/ der mir zu essen schafft?
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Der fleisch kram ist zwar offen/
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Ich aber weiß nicht wohl/
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Wo ich was gutes hoffen
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Und mich vergnügen soll.

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2. Putt-hüngen fleisch ist weich/ und gehet niedlich ein/
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Es mag auch gut genung vor schwache mädgen seyn/
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Doch wann die liebe speise
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So zart und schlappricht sieht/
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Verliert man auf die weise
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Gar leicht den appetit.

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3. Das kalb-fleisch ist noch jung/ u. beist sich lieblich an
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Wenn man die eutergen mit unterschneiden kan/
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Doch wen es an der mutter
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Nicht lang gewesen ist/
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So ist es auch ein futter/
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Darnach mich nicht gelüst.

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4. Das rind-fleisch ist gemein/ und wird sehr hoch beliebt/
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Dieweil es guten Safft/ und volle nahrung giebt:
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Es hält vortreflich wieder/
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Doch dieses gute lob
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Ist nicht vor schwache glieder/
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Was starck ist/ das ist grob.

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5.
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So machts im leibe nicht die geister gar subtil/
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Der schmack ist auserlesen/
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Indessen ist es doch/
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Ein tummes schaaf gewesen/
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Und hat den schaafs-kopff noch.

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6.
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Es ist um eine sau gar zu ein garstig thier/
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Drum will mirs nicht zu sinne/
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Da klebt ein bißgen koth/
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Da sitzet eine finne.
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Da ist es sonsten roth.

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7.
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Doch es bedarff viel speck und kost ein haufen geld/
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Das ist mein gröster tadel/
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Drum denck ich nicht dahin/
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Dieweil ich nicht von adel
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Noch groß von mitteln bin.

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8. Wiewohl ich tadle nicht das essen gar zu scharff/
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Wer nur nicht esel fleisch aus noth gebrauchen darff/
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Der wird noch nicht verderben:
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Es weist sich manchmahl aus/
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Eh man wil hunger sterben/
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So fängt man eine mauß/

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9. Jetzt geh ich in den kram/ und suche guten rath/
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Wer weiß/ wer schon dasfleisch zuvor beschnuppert hat/
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Man muß sich doch begnügen/
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Es wird doch alls bezahlt/
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Und hätten es die fliegen
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Gantz sprenglich ausgemahlt.

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10. Ich halte/ mancher kriegt ein olle putterie/
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Sie schmeckt nach allerley/ und gleichwohl lobt er sie/
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Drum will ich mich beqvemen/
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Und will in kurtzer frist
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Das erste bißgen nehmen/
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Das mir bescheret ist.

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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