ViI. Alte Grillen

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Christian Weise: ViI. Alte Grillen (1701)

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Auf ihr stoppeln meiner liebe!
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Denckt einmahl an jene zeit/
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Als ich meine dienstbarkeit
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Einer stillen gunst verschriebe/
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Und mein hertz ein süsses band
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An der liebsten hertzen fand.

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2. War ich nicht dem losen kinde
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Gleichsam auf den hals gepicht?
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Welche stunde fragt ich nicht/
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Wo und wie es um sie stünde?
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Auch ein blickgen schien ein jahr/
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Wann sie nicht zugegen war.

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3. Ich entschlug mich aller freude/
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Die gesellschafft war mein tod/
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Was mir neue lust gebot/
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Zehlt ich unter meine feinde:
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Denn es solt in ihr allein
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Meine freundschafft fruchtbar seyn.

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4. Sie vergnügte mein verlangen/
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Jhre schönheit war mein ruhm/
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Jhre gunst mein eigenthum/
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Und die rosen ihrer wangen/
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Die sie mir zu eigen gab/
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Brach ich unverhindert ab.

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5. Ach/ wie hoch wahr ich gestiegen/
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Meine Venus schien mir voll:
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Doch/ nach dem ich fallen soll/
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Werd ich desto lieber liegen:
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Denn des glückes wechsel-stand
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Hat sich schleunig umgewand.

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6. Nun/ ich muß mich drein ergeben:
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Denn ich kan doch nicht dafür/
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Und ich armer/ sol ich hier
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Keine freude mehr erleben/
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So verliehr ich doch das liecht
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Einer andern hoffnung nicht.

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7. Unterdessen will ich dencken/
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Was ich nicht besitzen kan/
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Und die lust der alten bahn
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Mir in mein gedächnüß schencken/
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Ob ich gleich in meinem sinn
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Nur ein armer jude bin.

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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