IiI. Eine neue Jungfer-Noth

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Weise: IiI. Eine neue Jungfer-Noth (1701)

1
Wje ist das zarte jungfer-fleisch
2
Den mädgen so beschwerlich/
3
Dann/ sind sie fromm und keusch/
4
So ist es gleichwohl sehr gefährlich/
5
Dieweil ein falscher wahn
6
Die schönste tugend schimpffen kan.

7
2. Die leuthe sehen auf den schein/
8
Und lassen solche s
9
Der tugend richter seyn/
10
Die weder fromm noch böse machen/
11
Und dencken unverwandt/
12
Ein mückgen sey ein elefant.

13
3. Man lasse doch ein mädgen gehn/
14
Und bey den junggesellen/
15
Ein viertelstündgen stehn/
16
Wie werden sich die leute stellen/
17
Als müste sie allein
18
Die aller ärgfte hure seyn.

19
4. Ein mädgen kan nicht/ wie sie will
20
Auch in der kirche beten:
21
Denn läst sie gar zu viel
22
Die augen aus den falten treten/
23
Und sieht den himmel an;
24
So heists/ sie meynt den courtisan.

25
5. Wie manche zeitung wird erdacht;
26
Da hat sich die versprochen/
27
Und die wird ausgelacht/
28
Dieweil ihr schatz die treu gebrochen/
29
Und wird die sache klar/
30
So ist das zehnde wort nicht war.

31
6.
32
Die tummen junggesellen
33
Die solten sich darbey
34
Zur ernsten gegenwehre stellen/
35
So bleiben sie zur ruh/
36
Und helffen noch wohl selbst darzu.

37
7.
38
Die schwitzet in das bette/
39
Die hat ein böses bein/
40
Die trägt nur eine falsche kette/
41
Die schminckt ihr angesicht/
42
Die folgt der lieben mutter nicht.

43
8. Die nimt sechs thaler zum gewinn/
44
Der schleppen doch die mäuse
45
Holtz-äpffel sonst wohin/
46
Die bleibt bey ihrer alten weise/
47
Die ist ein halbes schwein/
48
Die säufft so gerne brantewein.

49
9. Und die hat einen holen zahn/
50
Drum stinckts ihr aus dem loche/
51
Die schielt den liebsten an
52
Und gucket in die andre woche/
53
Die ist ohns henckers danck
54
Wohl gar am lieben dinge kranck.

55
10.
56
Jm hertzen wohl geplaget/
57
Daß/ wann sie sich besinnt/
58
Aus schmertzen und verzweifflung saget/
59
Mein leben wird mir schwer/
60
Ach wer ein junggeselle wär.

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.