XiI Die verliebten Nahmen

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Christian Weise: XiI Die verliebten Nahmen (1701)

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Nunmehr bedarff sie einen nahmen
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Den sie dem neuen liebsten gibt/
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Dann allesheist doch ja und amen/
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Uud was sie denckt/ das ist verliebt/
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Der halben muß ein wort allein
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Der neuen freundschafft zeuge seyn.

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2.
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Vor diesem wars ein hübsches wort:
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Mein liebgen schickt sich auf die freythe/
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Doch nach der hochzeit muß es fort:
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Mein schätzgen taugt fürwar nicht viel/
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Als wann ich sie vexieren wil.

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3.
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Als wohl den lieben mädgen an:
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Mein schneutzgen/ das bedarff ein brieffgen/
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Daß man es recht verstehen kan:
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Mein engel trifft gar selten ein/
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Dann niemand wil der flügel seyn.

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4.
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Wann knecht und mägd beysammen sind:
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Mein Vatter kömmt zu ehrenveste/
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Und reimt sich auff kein junges kind:
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Mein zuckerbild/ mein nelcken-strauß/
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Das sieht mir so poetisch auß.

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5.
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Wann man es nicht zu offte sagt:
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Mein seelgen läst sich fein mit schweren/
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Wann man es sonst nicht gerne wagt:
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Mein spaßgalan/ mein Courtisan/
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Steht nur den löffel kätzgen an.

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6.
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Der schönste titul von der welt:
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Mein freund kan alle mit bedeuten/
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Wer sich ein bißgen freundlich stellt:
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Mein tröster ist ein süsser hohn/
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Es schwatzt sich nur nicht wohl davon.

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7.
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Doch vor den leuten taug es nicht:
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Mein hähngen ist bißweilen wette/
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Wan er zuvor mein hühngen spricht:
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Mein gümpel das ist immerfort
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Nicht mehr als nur ein huren-wort.

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8.
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Doch der verstand ist vielerley;
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Mein herr/ das geht mir nicht von hertzen/
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Man denckt doch immer narr dabey;
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Mein mann steht schlecht wie michs bedünckt/
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Dieweil mein weib so garstig klingt.

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9. Ich kan ihr nichts vor angen mahlen/
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Was sie vor reden führen sol/
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Sie lerne nur fein niedlich thalen/
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Ein freundlich wort das find sich wohl/
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Und wo sie nichts ersinnen kan/
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Nimmt er ein schlechtes mäulgen an.

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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