ViII. Ein Abriß der Schönheit selber

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Christian Weise: ViII. Ein Abriß der Schönheit selber (1701)

1
Ich weiß ein liebes schätzgen/
2
Ein artig kammer kätzgen/
3
Darüber muß ich mich bemühn/
4
Und sie auf meinen schauplatz ziehn.

5
2. Das mädgen muß in allen
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Den leuthen wohlgefallen/
7
Und hat auch nicht ein eintzig glied/
8
Daß nicht der schönheit ähnlich sieht.

9
3. Die haare stehn ihr nette/
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Gleich wie mein stroh im bette/
11
Und sind so naturell und krauß/
12
Wie einer krancken wasser-mauß.

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4. Sie stutzet mit dem zopffe
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Auf ihrem kleinen kopffe:
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Du lieber kopff/ bist du nicht rund/
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Wie meiner grossemutter hund.

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5. Die auserlesne stirne
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Sieht fast wie eine birne/
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Die draussen auf den miste liegt/
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Und hier und da ein fleckgen kriegt.

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6. Die schönen ohres-löcher
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Die sind/ wie zwey gemächer/
23
Da flöh und läuse bleiben stehn/
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Wann sie aufs häußgen wollen gehn.

25
7.
26
Als wie die käse-näppgen/
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Die sind voll ruß biß oben an/
28
Daß man sie bald wegschauffeln kan.

29
8. Die augen macht sie helle
30
Wie eine pferde-schelle
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Wann sie ein blickgen scharff-verliebt/
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Als eine todte ratte giebt.

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9. Die nase steckt im quarge/
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Gleich wie in einem sarge/
35
Sonst ist das leder zart und keusch/
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Wie angebrantes schöpsen-fleisch.

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10.
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Gleich wie der hund/ im borne/
39
Und wie ein bauer in der stadt/
40
Wann er ein eisen funden hat.

41
11. Die wohlgestalten backen/
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Wie auch der schöne nacken/
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Die sind/ wo ichs vergleichen mag/
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Mie eines müllers kohlen-sack.

45
12. In ihrem zarten kinne
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Hat neulich eine spinne/
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Vier wochen lang ein nest gebaut/
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Und gleichwohl hat ihr nicht gegraut.

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13. Die grossen leder-flaschen
50
Sind wie die bettel-taschen/
51
Und hencken albern vor sich weg
52
Als ein gebeitzter kirschner-fleck.

53
14. Die wohl geschickten hände
54
Sind weich/ wie alte wände/
55
Die finger sind so zart und frisch
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Wie ein verdorbner flederwisch.

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15. Die armen sind wie priegel/
58
Und wie die höllen-riegel/
59
Die gucken zu den ermeln raus/
60
Und sehn wie eine blut-wurst aus.

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16. Mehr hab ich nicht gesehen/
62
Es soll auch nicht geschehen/
63
Dann wo sie sich nackt sehen läst/
64
So sterb ich warlich an der pest.

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17. Drum wil ich nur beschliessen/
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Weil ich nicht mehr kan wissen/
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Doch dieses sey zu guter letzt
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Jhr als ein wunsch hinzu gesetzt.

69
18. Bestecket sie mit raute/
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Spickt sie mit sauer kraute/
71
Und schicket sie mit haut und haar
72
Dem hencker zu dem neuen-jahr.

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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