Iv. Daß närrische Ding die Liebe. Worinn meistentheils auf gewisse sprüchwörter gezielet wird/ welche bey einer bekannten Compagnie im brauche waren

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Christian Weise: Iv. Daß närrische Ding die Liebe. Worinn meistentheils auf gewisse sprüchwörter gezielet wird/ welche bey einer bekannten Compagnie im brauche waren (1701)

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Jhr leute lasset euch in liebessachen ein!
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Dann wo die liebe nicht auf erden solte seyn/
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So wär das liebe ding die Eva nicht geschaffen/
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Und wann es sünde wär/ solthätens nicht die pfaffen.
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Es kan nicht unrecht seyn/ wells die Juristen thun:
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Es ist nicht ungesund/ weil nicht die Aertzte ruhn:
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Wanns unnatürlich wär/ so würd es die nicht jucken/
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Die der Philosophie biß an den nabel gucken.
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(manum inserere in sinum Philosophiae. Terentius
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Heaut. act. 3. sc. 3. v. 2. & 3.)
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Wann es altvätrisch wär/ so wär es nicht beliebt
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Von einem der sich auf die neue mode giebt:
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Und wär es kinder-spiel/ so würden nicht die alten
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Auf diese leckerey so grosse stücke halten.
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Es ist auch nicht Französch/ die Teutschen kom̃en auch
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Von augen in das hertz/ vom hertzen in den bauch.
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Es ist auch nicht Catolsch/ wañ wir die händel treiben/
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Denn sonsten lissen es die Lutheraner bleiben. (mann/
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Es ist kein schelmenstück/ sonst gieng ein handwercks-
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Der ehrlich bleiben wil/ nicht so mit freuden dran.
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Es ist auch keine kunst es kans ein ieder bauer/
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Der liebet seine frau und hertzt sie auf die thauer.
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Die liebe klinget nicht/ sonst wärs fürwahr nicht gut/
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Man hörte draussen all’s was man im hause thut.
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Die liebe stincket nicht sonst könte man es riechen/
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Alsbald wann ha und sie in einen winckel kriechen.
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Die liebe sieht man nicht/ was würde sonst daraus/
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Die leute leschen ja darzu die liechter auß.
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Sie kan nicht bitter seyn/ dann solt es herbe schmecken/
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So würde mancher nicht darnach die finger lecken.
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Die lieb ist nicht berust/ sonst wäre niemand weiß:
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Weiß kan sie auch nicht seyn/ dann schwartz behält den
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(preiß:
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Viel wenger ist sie schwer/ man kan sie leichtlich fassen/
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Und der ist wol ein narr/ der sich wil helffen lassen.
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Die liebe kan ja nicht von pfefferkuchen seyn/
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Die bauren würden sie sonst auf den hirse streun:
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Kein welckes rübgen nicht/ sie würde nicht gelitten/
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Die jungfern hätten sie schon längsten klein geschnittẽ.
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Sie ist kein käse nicht/ denn solte dieses seyn/
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So steckte mancher eh sein scharffes messer ein:
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Sie ist kein häscher nicht/ wer hätte sonst verlangen/
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Daß ihn die liebe solt in ihrem loche fangen?
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Die liebe brennet nicht/ sonst würd ein gantzes land
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Den ersten hochzeit-tag bißweilen abgebrannt:
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Die liebe kühlet nicht/ sonst würde man nicht schwitzẽ;
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Die liebe sticht auch nicht/ sonst würde man sich ritzen;
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Die lieb ist auch kein floh/ sonst wär gefahr dabey/
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Die jungfern knickten ihr den kopf geschwind entzwey;
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Sie ist kein klapperstorch/ sonst wär es grosse schande/
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So bald es winter wär/ so zög sie aus dem lande.
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Die liebe thut nicht weh und bringet schlechte pein/
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Sonst würd ein jungfer-maul nicht also wolfeil seyn;
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Die wäre wol ein kind/ wann jemand greiffen wolte/
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Daß sie vor freuden nicht ein bißgen lachen solte.
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Es bleibet wol dabey/ nur hurtig lieb gehabt/
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Ach wohl dem/ welcher sich in seiner jugend labt/
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Ein alter taugt nicht mehr/ er spielt nur mit geberden/
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Und weil er sonst nichts kan/ muß er zum han - - -

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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