XiI. Der Küster zu Plumpe beschreibet seinen zukünff- tigen ehestand

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Christian Weise: XiI. Der Küster zu Plumpe beschreibet seinen zukünff- tigen ehestand (1701)

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Es ist nunmehr beschlossen
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Und ich will unverdrossen/
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Hinaus auff Plumpe ziehn/
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Da will ich probe singen/
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Und mich vor allen dingen
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Umb ein hübsch lied bemühn.

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2. Nach diesem will ich sorgen/
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Ob ich heut oder morgen/
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Ein schätzgen haben kan/
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Ich will ein weib erkiesen/
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Denn hat es doch vor diesen
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Mein vater auch gethan.

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3.
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So muß sie auch in allen
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Mich lassen Herre seyn/
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Sie muß zu allen schweigen
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Und mir respect erzeigen/
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Sonst thät ich zehnmahl drein.

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4. Sie muß sich lassen schelten/
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Und muß auch diß entgelten
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Was sie nicht schuldig ist:
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Wann ich sie werde schlagen/
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Muß sie gedultig sagen:
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Schatz/ daß du böse bist.

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5. Ich muß im hause schmehlen/
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Und gantz allein befehlen
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Umb kleider/ speiß und tranck:
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Den hals wolt ich ihr brechen/
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Wenn sie nicht wolte sprechen:
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Nun GOtt sey lob und danck.

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6. Trotz/ wann ichs haben wolte/
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Daß sie nicht sprechen solte
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Die weisse milch sey schwartz.
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Sie muß gehorsam bleiben
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Und mir zu ehren gläuben/
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Dreck wäre fiedel-hartz.

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7. Sollt ich gleich alls versauffen
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Und in die schencke lauffen/
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So geht es sie nichts an/
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Gnug/ daß sie ihre sachen
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In ruh und friede machen
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Und essen kochen kan.

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8. Ich folge meinem kopffe/
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Und werffe mit dem topffe
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Nach frauen/ kind und magd/
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Wo jemand in dem hause/
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Wenn ich zu offte schmause/
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Mir was zu wider sagt.

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9. Wann ich will lerchen fressen/
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So mag sie unterdessen
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Jm käse lustig seyn/
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Geh ich zu wein und biere/
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Alsdann so jubilire
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Sie übern gänse-wein.

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10. Spiel ich wo in der karten
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So mag sie immer warten
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Auff wucher und gewinn/
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Denn werd ich viel verspielen
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So sol sie redlich fühlen
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Wie ich so böse bin.

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11. Und wann ich zwölffmahl hätte
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Zusammen in das bette
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Ja an ihr bein gethan/
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So muß sie dennoch kommen
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Hab ich nicht einen frommen
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Und wohlgerathnen mann.

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12. Sie muß mein bärtgen bürsten
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Wie einen jungen fürsten/
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Sie muß die schwartzen flöh
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Aus meinen hembden haschen/
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Und mir die hosen waschen
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Wann ich auffs häußgen geh.

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13. Sie muß mir mäulgen geben
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Und ist es mir nicht eben
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So muß sie gar den steiß
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Mir zu gefallen hertzen
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Sonst kan sie leicht verschertzen
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Was sie am besten weiß.

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14. Wolt ich sie gar verschencken
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So darff sie nichts gedencken
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Das mir zu wieder ist/
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Sie muß sich lassen führen/
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Kurrentzen und regieren
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Nur wie es mir gelüst.

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15. Wil ich mich von ihr scheiden/
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So muß sie diß auch leiden/
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Wil ich zum mädgen gehn/
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So muß sie mit dem liechte
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So lang ich es verrichte
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Mir vor dem bette stehn.

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16. Wird sie viel kinder kriegen
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Darff sie in wochen liegen
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Nur vierzehn tage lang/
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Die übrigen vier wochen
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Da muß sie wieder kochen
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Und wär sie sterbens-kranck.

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17. Wird sie in letzten zügen
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Und auf dem todte liegen/
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So wil ich ihr voran
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Die neue liebste sagen
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Daß ich in vierzehn tagen
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Zur hochzeit schreiten kan.

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18. Und wird sie endlich himmeln
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So mag sie vor verschimmeln
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Und auf der bahre stehn/
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Die hunde sollen trauren
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Und mit dem plumpen bauren
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In langen mänteln gehn.

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19. Heran ihr lieben kinder
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Jhr nehmt mich doch geschwinder
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Wann ihr so deutlich hört/
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Wie schön ihr sollet werden
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Mit reden und geberden/
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Durch einen mann geehrt.

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20. Kommt nur mit hellem hauffen/
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Auff plumpe naußgelauffen
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Und lacht mich freundlich an/
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Ich bin ein teutscher sänger
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Der als ein ratteufänger/
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Die weiber haschen kan.

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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