Ii. Auf einen einfältigen Gümpel

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Christian Weise: Ii. Auf einen einfältigen Gümpel (1701)

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Mein schätzgen ist ein flegel/
2
Er stolpert übern schlegel
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So offt er zu mir geht/
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Und zeigt mit seinen sparren/
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Daß er vor einen narren
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Bey aller welt besteht.

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2. Er treibt so lahme possen/
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Als wär er recht geschossen
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Mit groben hasen-schrot:
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Drum wer sich muß beqvemen/
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Und ihn zur seite nehmen/
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Der hat die härtste noth.

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3. Ach wann die complimenten
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Wie pech und schwefel brennten/
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So wers um uns geschehn:
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Wir hätten unsre gassen/
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Da wir uns niederlassen/
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Schon in der gluth gesehn.

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4. Bald seh ich ihm zusauer/
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Bald heiß ich gar ein bauer/
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Bald hat er sonsten was:
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Es mangelt nicht ein dreyer/
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So heist der albre freyer
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Mich gar ein raben-aaß.

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5. Und doch der gute kerle
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Sieht selbst wie eine perle
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Die auff dem miste liegt/
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Und ist so trüb und dunckel
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Als wie ein schwartz carfunckel
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Den man im ofen kriegt.

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6. Bey meiner treu ich wette
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Er hat im hasen fette
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Biß übers knie gesteckt/
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Nun ist kein hund im lande
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Der ihm die grosse schande
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Von seinen strümpffen leckt.

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7. Die grossen hasen-ohren
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Die sind ihm angebohren;
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Jedoch der schiefer nicht/
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Der hat ihn erst gestochen/
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Als man vor wenig wochen
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Das kirch dach angericht.

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8. Das ausserlesne schätzgen
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Begehrt wol gar ein schmätzgen/
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Und bitt mich noch so sehr:
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Ja/ ja ihr armer teuffel/
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Daran ist gar kein zweiffel/
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Hört morgen wieder her.

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9. Ach ihr verliebter hase
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Jhr stosst euch an die nase/
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Küsst mir das angesicht
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Da mir die nase mangelt/
53
So habt ihr recht geangelt/
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Und ihr verbrennt euch nicht.

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10. Ach Hans spann an/ und führe
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Den esel vor die thüre/
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Das haus ist viel zu gut:
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Er wird auff dieser erden
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Nun wohl nicht anders werden/
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Er bleibt ein ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒

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11. Wiewol er mag es bleiben/
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Und seine zeit vertreiben/
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Wie wo und wenn er wil:
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Jedoch daß ich die plagen
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Fast stündlich muß ertragen/
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Das ist für mich zu viel.

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12. Steckt ihm den kopff voll hörner
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Reibt ihm den steiß voll dörner/
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Das maul voll theriack:
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Schickt ihn mit solchem kleister
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Der narren obermeister
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Zum grünen donnerstag.

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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