XiI. Der unglückselige Garten-Courtisan

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Christian Weise: XiI. Der unglückselige Garten-Courtisan (1701)

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Er.
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Mein kind so treff ich sie
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In diesem garten an?
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Sie. Ach daß er doch die müh
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Um mich nicht lassen kan.

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Er. Ich habe sie gesucht/
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Und habe sie gefunden.
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Sie. Dadurch ist mir die frucht
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Der einsamkeit verschwunden.

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Er. Sie gönne mir die lust
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Und lasse mich hinein.
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Sie. Dem Herren ists bewust
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Ich muß alleine seyn.

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Er. Mein kind wie ist sie doch
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So sauer und vermessen.
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Sie. Mein Herr ich habe noch
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Kein honig-bämmgen gessen.

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Er. Behält sie ihren sinn
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Wie sie allzeit gethan.
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Sie. So geh er immer hin/
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Wenn ers nicht leiden kan.

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Er. Ach was vor stiche gibt
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Sie meinem frommen hertzen.
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Sie. In warheit es beliebt
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Demselben so zu schertzen.

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Er. Ich stelle mich ja gar
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Zu ihren diensten ein.
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Sie. Der diener wird fürwahr
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Vor mich zu köstlich seyn.

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Er. Ich wünsch in ihrer pflicht
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Zu leben und zu sterben.
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Sie. Ach nein/ ich laß ihn nicht
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So liederlich verderben.

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Er. Wenn dieses möglich wär
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So dörfft ich zu ihr hin.
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Sie. Er höre wieder her/
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Wann ich nicht haussen bin.

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Er. Ein schönes mädgen soll
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So strenge nicht verfahren.
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Sie. Den athen möcht er wol
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Zu einer suppe sparen.

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Er. So darff ich nicht zu ihr
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Mein kind was mach ich nun.
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Sie. Botz tausend kan er mir
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Sonst keinen possen thun.

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Er. Ein schönes angesicht
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Werd ich fürwahr nicht hassen.
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Sie. Mein blut! er kan doch nicht
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Die complementen lassen.

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Er. Sie ist ja roth und weiß
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Mit rosen umgestreut.
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Sie. Gewiß er hat den preiß
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Der höchsten höffligkeit.

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Er. Doch fühl ich meine qual
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Und wünsche kaum zuleben.
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Sie. Er sag es noch einmahl/
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Das war recht wohl gegeben.

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Er. Ich sag es noch einmahl/
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Wie ist sie nun gesinnt?
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Sie. Fürwar das steht gar kahl/
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Ist er ein pfaffen-kind?

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Er. Es ist ihr steter brauch/
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Sie treibet ihr gehöne.
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Sie. Hat seine mutter auch
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Mehr solche kluge söhne?

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Er. Was hilffts/ ich ehre sie/
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Und wann sie eisern wär.
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Sie. Drum war mir heute früh
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Das hertze noch so schwer.

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Er. Ich lauff und bin doch matt/
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Ich brenn/ und will mich wärmen.
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Sie. Wer keine bienen hat
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Muß freylich selber schwärmen.

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Er. Nun meine seele soll
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In ihrer seele ruhn.
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Sie. Mein herr es wirds ihm wol
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Ein ander höltzgen thun.

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Er. Fürwar ich bleibe da/
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Daß ich sie nicht verliere.
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Sie. Ach er gewene ja
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Das maul zu anderm biere.

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Er. Jedoch sie lasse mich
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Nicht vor der thüre stehn.
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Sie. Mein was bemüht er sich/
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Ich muß nach hause gehn.

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Er. Nun so behalte sie
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Auch ihre stoltze weise.
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Sie. Er schone seiner knie/
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Viel glücks auff seine reise.

(Weise, Christian: Überflüßige Gedancken Der grünenden jugend. Leipzig, 1701.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Weise
(16421708)

* 30.04.1642 in Zittau, † 21.10.1708 in Zittau

männlich, geb. Weise

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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