IiI. Amalfi

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August von Platen: IiI. Amalfi (1828)

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Welches am Felsabhang, in der Nähe des schönen Amalfi,
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Fluth und Gebirge beherrscht, und dem Auge behaglichen
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Gönnt, zu den Füßen das Meer und hinaufwärts kantige
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Steile Terrassen umher, wo in Lauben die Rebe sich auf-
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Doch nicht Mönche bewohnen es mehr, nicht alte Choräle
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Hallen im Kirchengewölb' und erwecken das Echo des
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Leer steht Saal und Gemach, in den Kalktufgrotten der
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Knien, der Gebete beraubt, eingehende Heiligenbilder.
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Sonntags aber entschallt den verödeten, langen Gebäuden
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Frohe Musik, es besucht sie die luftige Jugend Amalfi's:
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Kinder beschwingen im Hof, blitzäugige Knaben, den Kreisel
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Rasch an der Schnur, und fangen den taumelnden dann
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Aeltere werfen die Kugel indeß, die Entfernungen messend,
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Zählen, im Spiele der Morra, die Finger mit hurtigem
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Oder sie stimmen zu rauhem Gesang einfache Guitarren,
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Freudebewegt. Theilnehmend erscheint ein gesitteter Jüng-
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Unter der Schaar, doch nicht in die Spiele sich selbst ein-
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Hoch vom steilen Gebirge, das Fest zu begehn in Amalfi,
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Schön wie ein Engel des Herrn, in die Tiefe herunterge-
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Reizend in Ringen umkräuselt die Brau'n schwarzlockigen
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Schimmernde Nacht, rein leuchtet die blühende Flamme
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Nie von Begierde getrübt und dem Blick zweydeutiger
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Welche dem kochenden Blut in der südlichen Sonne ge-
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Doch wer kann, da die Zeit hinrollt, festhalten die Schön-

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Schweige davon! Rings gähnt, wie ein Schlund, die ge-
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Tritt auf jene Balkone hinaus, und in duftiger Ferne
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Siehst du das Ufer entlegener Bucht und am Ufer erblickst du
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Herrlicher Säulen in Reih'n aufstrebendes, dorisches Bild-
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Nur Eidechsen umklettern es jezt, nur flatternde Raben
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Ziehen geschaart jezt über das offene Dach lautkreischend;
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Brombeere decken die Stufen, und viel giftsamiges Unkraut
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Kleidet den riesigen Sturz abfallender Trümmer in Grün ein.
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Seit Jahrtausenden ruht, sich selbst hinreichend und einsam,
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Voll trotzbietender Kraft dein fallender Tempel, Poseidon,
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Mitten im Haidegefild und zunächst an des Meers Einöde.
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Völker und Reiche zerstoben indeß, und es welkte für ewig
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Jene dem Lenz nie wieder gelungene Rose von Pästum!

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Aber ich lasse den Geist abirren. O komm nach Amalfi,
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Komm nach Amalfi zurück! Hier führt ein lebendiges Tag-
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Menschen vorüber. Wenn auch einstürzen die Burgen der
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Auf des Gebirgs Vorsprüngen, wenn auch kein Massaniello,
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Der die Gemüther des Volks durch siegende Suada dahinriß,
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Willkühr haßt, noch branden die Wellen, es rudert der Enkel,
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Wie es der Ahnherr that in den blühenden Tagen des Frey-
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Noch aus heimischer Bucht, aufziehend die Segel, das Fahr-

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Sprich, was reizender ist? Nach Süden die Fläche der Salz-
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Wenn sie smaragdgrün liegt um zackige Klippen und anwogt,
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Oder der plätschernde Bach nach Norden im schattigen Mühl-
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Sey mir, werde gegrüßt dreymal mir, schönes Amalfi,
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Dreymal werde gegrüßt! Die Natur lacht Segen, es wandeln
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Liebliche Mädchen umher und gefällige Knabengestalten,
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Wo du den Blick ruhn lässest in diesem Asyle der Anmuth.
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Ja, hier könnte die Tage des irdischen Seyns ausleben,
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Ruhig wie schwimmendes Silbergewölk durch Nächte des
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Irgend ein Herz, nach Stille begierig und süßer Beschrän-

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Aber es läßt ehrgeiziger Brust unstäte Begier mich
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Wieder verlassen den Sitz preiswürdiger Erdebewohner,
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Bannt am Ende vielleicht in des Nords Schneewüste zu-
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Wo mein lautendes Wort gleichlautendem Worte begegnet.

(Platen, August von: Gedichte. Stuttgart, 1828.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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