Antwort an den Unbekannten

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August von Platen: Antwort an den Unbekannten (1828)

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Glättend jene Falten alle, welche meine Stirn verdüstern,
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Zeigend, daß ich nicht vergebens Nesseln schwang und
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Nicht mit Danaideneimern aus des Lebens Brunnen
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Meiner Widersacher Mißmuth stört mich nicht in Roms
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Doch die Liebe, wie ein Pilger, übersteigt die Apenninen.
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Allen denen, die so gerne jede wahre Kraft verkennen
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Sey's gesagt, daß nicht einmal ich ihren Namen höre
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Doch von Andern hör' ich, welche sonder Scheu vor Witzes-
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Loben mein Gedicht mit Einsicht und mit Einsicht auch
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Diesen biet' ich aus der Ferne gern die Hand, und Dir
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Zwar Du ließest nicht die Stimme kritischer Vernunft
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Aber nach dem Kapitole, dessen Höh'n ich jezt erklimme,
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Liessest wehn Du mir Begeist'rung, jene reine Milder-
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Die so glockenhell und herrlich von der Menschenlippe
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Und elektrisch ihren schönen Liebesfunken weiter leitet.
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Ja, es müssen, wo dem Guten sie sich beigesellt, dem
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Aus der Seele Dithyramben, wie aus Wolken Blitze,
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Mögen denn auch meine Töne durch des Nordens Stürme
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Wie ein Weihgesang des Orpheus auf dem Schiff der
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Die den Pelz, den im Barbarenland sie sich mit Müh'
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Für Apollo's Mantel halten, der in Tempe's Lüften

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Rufe nicht, da mich das deutsche Chaos würde blos er-
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Rufe nicht zurück den Dichter aus dem vielgeliebten
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Welcher, bis mich Frost und Alter lüstern macht nach
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Ueber jedes meiner Worte Ströme von Musik ergieße.
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Immer mehr nach Süden laß mich meines Auges Wünsche
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Und genährt von Hyblahonig auf des Aetna Gipfel dichten!
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Laß mich Odysseen erfinden, schweifend an Homers Ge-
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Bald, in voller Waffenrüstung, folgen ihnen Iliaden.
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Ja, wenn ganz mit deutscher Seele griech'sche Kunst sich
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Sollst Du sehn, zu welchen Pfeilen greift Apoll, zu wel-
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Noch so lange, Freund, so lange laß umher mich
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Bis Thuiskons Volk und meine Wenigkeit zusammen
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Bis wir Einer Lehre Schüler, Brüder sind von Einem
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Beide dann einander würdig, und einander lieb ge-
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Wie die Lerche möcht' ich kommen, wann die ersten
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Nicht wie euer Schneegestöber wehn und endlich liegen
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Eher nicht an eure Herzen klopf' ich an, an eure Pforten,
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Bis das Schönste nicht gethan ich, eine große That in
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Welche kalte Sinne glühn macht, Lob erpreßt von Syl-
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Selbst den Feinden muß gefallen, und die Freunde ganz
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Dann vor Solche will ich treten, die verächtlich mir,
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Ehedem des Aberwitzes Achselblicke zugewendet,
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Die mir ins Gesicht gepredigt, deutsche Kunst sey längst
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Und umsonst in meinem Busen brenne dieser heiße
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Ihrem Schaamerröthen tret' ich schweigend dann und still
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Und vor ihre Füße will ich alle meine Kränze legen.

(Platen, August von: Gedichte. Stuttgart, 1828.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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