An Schelling. Als Zueignung zu einem Drama

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August von Platen: An Schelling. Als Zueignung zu einem Drama (1828)

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Es kann zurück sich nicht ergehn zum Kinde;
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Der Dichtung erster, jugendlicher Reigen
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Zog längst vorüber, flog vorbey geschwinde:
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Sophisten kamen, sie begann zu schweigen,
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Und löste nach und nach die goldne Binde.
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Doch jene Nüchternen bezwang dein Streben,
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Und so entflammtest du das neue Leben!

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Was deutsche Kraft in dieser Zeit erreichte,
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Gehört dir an, und neigt sich deinem Bilde,
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Und dein vor allen sey dies Lied, das leichte,
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Das du zuerst empfingst mit edler Milde,
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Versammelnd rings um dessen frühste Beichte,
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Von Frau'n und Männern eine schöne Gilde:
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Sey's, daß das Volk es nun mit Gunst bezahle,
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Du ließest leben es zum ersten Male!

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Nun mögen Lieder sich zum Liede reihen,
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Geschichte zu Geschichte, Sag' an Sage,
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Ich sehne mich, sie alle dir zu weihen,
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Die noch als Keim ich in der Seele trage,
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Dir, der gehört mit gütigem Verzeihen
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Die frühsten Klänge meiner jungen Tage,
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Da noch ich sang des Stolzes muth'ge Triebe,
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Und jenen brennenden nach Ruhm und Liebe.

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Doch hat das Herz sich nie zurecht gefunden
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In dieses Lebens ird'schen Paradiesen:
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Die freye Liebe, die es ungebunden
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Den Menschen bot, sie ward verlacht von diesen,
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Und frühe fühlt' ich in verlass'nen Stunden
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Mich auf mein eignes, dunkles Selbst verwiesen,
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Und früh begann ein unaussprechlich Sehnen
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Die Brust durch Seufzer mächtig auszudehnen.

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Das ist vorbey! Ich lernte viel verschmerzen,
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Ich fühlte Kraft, mir Alles zu versagen,
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Und eine Welt von Heiterkeit und Scherzen
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Im leichtbeweglichen Gemüth zu tragen:
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Nur selten soll die tiefe Qual im Herzen
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Ergießen sich in ungeheure Klagen,
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Und jeder Hörer fühle dann mit Beben,
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Was für ein trauriges Geschenk das Leben!

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So ward gestählt ich denn und ausgestattet
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Zu Thaten, die ich länger nicht verschiebe:
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Mein Muth, in Qualen nach und nach ermattet,
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Wird nie mehr betteln gehn um weiche Liebe.
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Vielleicht, da Stunde sich zu Stunde gattet,
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Gelingt es meinem glühenden Betriebe,
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Daß ich dereinst, wenn deutsches Wort ich meistre,
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Die edle Jugend dieses Volks begeistre.

(Platen, August von: Gedichte. Stuttgart, 1828.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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August von Platen-Hallermünde
(17961835)

* 24.10.1796 in Ansbach, † 05.12.1835 in Syrakus

männlich, geb. von Platen-Hallermund

| Cholera

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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