Liebes-Brief an seine Maitresse

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Johann Georg Gressel: Liebes-Brief an seine Maitresse (1716)

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Ich schreibe/ schönstes Kind/ von Fleisch und Blut getrieben/
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Vergib/ wo dieser Brief zu frey gerahten ist!
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Es heisset die Natur uns alle beyde lieben/
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Ich weis/ daß du mit mir von gleicher Regung bist.
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Du darfft darüber dir gar kein Gewissen nehmen/
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Was bildest du dir mehr als ander Menschen ein?
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Weswegen wilt du dich vor deinem Schatten schämen?
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Wie lange wilt du selbst auf dich tyrannisch seyn?
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Du weist es Grausahmste/ daß ich als
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Und gleichwol legst du mir erst schwere Ketten an/
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Was soll die Jungfrauschafft/ das leichte Spinn-Gewebe/
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Das Ding/ das jeder sucht/ und niemand finden kan?
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Laß deine Rosen bald im ersten Frühling pflücken/
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Gedencke/ daß sie nicht auf kaltem Eise blühn/
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Die Liebe wil sich nicht zum spähten Alter schicken/
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Es pflegt ihr nackend Kind im Winter weg zu ziehn.
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Das Closter glaub es mir hat allzustrenge Lehren/
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Dis ist kein Leben nicht/ das mich und dich vergnügt/
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Die Schönheit wird veracht/ die keiner darf verehren/
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Sie ist ein Götzen Bild/ das in den Winckeln liegt.
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Weswegen zeigst du mir die rundgewölbten Brüste?
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Sie laden meinen Mund/ und meine Finger ein/
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Warum erhitzt du mich/ und reitzest meine Lüste?
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Wer kan ein
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Wie offt betracht ich nicht die wunder schönen Gaben/
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Und dencke bey mir selbst/ dis siehet alle Welt/
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Was muß nicht dieses Kind vor andre Sachen haben/
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Die sie nicht zeigen will/ und mir verborgen hält?
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Du wirst dis Heiligthum doch ewig nicht verstecken/
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Sonst geht die Süßigkeit mit deiner Jugend hin/
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Und bist du es gesinnt vor einem auffzudecken/
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So glaub ich/ daß ich hier der allernächste bin.
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Du darffst die Jungferschafft nicht mit zu Grabe tragen/
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Jhr seyd von unserm Fleisch/ und unserm Bein gemacht/
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Doch solt es deine Schaam bey Tage mir versagen/
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So gönne mir die Lust bey Schatten reicher Nacht.
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Ich will mein Paradieß auch nicht im fiustern fehlen/
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Der angenehme Weg ist mir nicht unbekannt/
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Indessen solt ich nicht die rechte Strasse wählen/
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So sey du Führerin/ ich folge deiner Hand.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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