Das Feuer im Walde

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Ludwig Christoph Heinrich Hölty: Das Feuer im Walde (1783)

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Und lasen Eichenreiser auf,
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Und thürmten sich ein Hirtenfeur,
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Indess die Pferd' im fetten Gras'
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Am Wiesenbache weideten.
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Sie freuten sich der schönen Glut,
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Die, wie ein helles Osterfeur,
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Gen Himmel flog, und sezten sich
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Auf einen alten Weidenstumpf.
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Sie schwazten dies und schwazten das,
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Vom Feuermann und Ohnekopf,
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Vom Amtmann, der im Dorfe spukt,
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Und mit der Feuerkette klirrt,
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Weil er nach Ansehn sprach und Geld,
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Wie's liebe Vieh die Bauren schund,
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Und niemals in die Kirche kam.
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Sie schwazten dies und schwazten das,
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Vom seelgen Pfarrer Habermann,
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Der noch den Nussbaum pflanzen thät,
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Von dem sie manche schöne Nuss
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Herabgeworfen, als sie noch
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Zur Pfarre gingen, manche Nuss!
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Sie segneten den guten Mann
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In seiner kühlen Gruft dafür,
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Und knackten jede schöne Nuss
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Noch einmal in Gedanken auf.
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Da rauscht das dürre Laub empor,
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Und sieh, ein alter Kriegesknecht
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Wankt durch den Eichenwald daher,
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Sagt: Guten Abend, wärmet sich,
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Und sezt sich auf den Weidenstumpf.
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Wer bist du, guter alter Mann?
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Ich bin ein preussischer Soldat,
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Der in der Schlacht bei Kunnersdorf
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Das Bein verlor, und leider Gotts!
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Vor fremden Thüren betteln muss.
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Da ging es scharf, mein liebes Kind!
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Da sauseten die Kugeln uns
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Wie Donnerwetter um den Kopf!
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Dort flog ein Arm, und dort ein Bein!
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Wir patschelten durch lauter Blut,
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Im Pulverdampf! Steht, Kinder, steht!
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Verlasset euren König nicht!
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Rief Vater Kleist; da sank er hin.
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Ich und zwei Bursche trugen flugs
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Ihn zu dem Feldscheer aus der Schlacht.
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Laut donnerte die Batterie!
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Mit einmal flog mein linkes Bein
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Mir unterm Leibe weg! — O Gott!
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Sprach Hans, und sahe Töffeln an,
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Und fühlte sich nach seinem Bein:
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Mein Seel! ich werde kein Soldat,
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Und wandre lieber hinterm Pflug.
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Da sing' ich mir die Arbeit leicht,
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Und spring' und tanze, wie ein Hirsch,
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Und lege, wenn der Abend kommt,
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Mich hintern Ofen auf die Bank.
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Doch kommt der Schelmfranzos zurück,
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Der uns die besten Hühner stahl,
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Und unser Heu und Korn dazu;
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Dann nehm' ich einen rothen Rock,
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Und auf den Puckel mein Gewehr!
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Dann komm nur her, du Schelmfranzos!
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Hans, sagte Töffel, lang' einmal
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Die Kiepe her, die hinter dir
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Im Riedgras steht, und gieb dem Mann,
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Von unserm Käs' und Butterbrot.
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Ich samml' indessen dürres Holz;
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Denn sieh, das Feuer sinket schon.

(Hölty, Ludwig Christoph Heinrich: Gedichte. Hamburg, 1783.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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