Als die schöne Türckin/ da er mit ihr bekand worden/ kurtz darauf wegzog

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Johann Georg Gressel: Als die schöne Türckin/ da er mit ihr bekand worden/ kurtz darauf wegzog (1716)

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Wil meine Sonne schon die schwartzen Schatten küssen/
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Und hült sie ihren Glantz in dunckle Wolcken ein?
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Muß die verhaßte Nacht mit ihren Finsternissen/
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Auf einem kurtzen Tag so bald verhanden seyn?
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Ja!
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Die schwartze Finsterniß verdunckelt seine Lufft/
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Die Sonne meiner Lust/ die ziehet um die Erden/
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Und durch entwandtem Schein stöst sie mich in die Grufft.
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Ich sehe mit Verdruß den Freuden-Stern versincken/
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Die kummer-volle Nacht mit Traum-Gespensten dreut/
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Es läst ein Jrwisch-Licht der Traurigkeit sich blincken:
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Und ein
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Mein
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Es küßt mit
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Ich muß wie
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Nun meine Sonne fort/ ich sterbend untergeh.
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Barlottens Abzug raubt der Seelen ihre Freude/
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Mein klahrer Himmel wird zu einer Trauer-Lufft/
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Ich gehe jetzt im Boy an statt der grünen Seide/
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Und mein Gesicht umgiebt ein Sorgen-voller Dufft.
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Der
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Wer weiß/ ob ich mein Licht jemahlen wieder seh?
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Ich muß vor Angst entselt in langen Nächten leben/
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Es zeigt sich sonst kein Licht als der Gedancken-Schnee.
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Mein mattes Hertze muß verderben und erfrieren/
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Der kalte Winter greiffts mit vieler Unlust an.
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Ich muß/ ach herber Schmertz! Diejenige verliehren/
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Von der ich nur allein das Leben haben kan.
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Wie! wenn des Winters Grim̃ der Sonnen-Strahlen mindert
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Das bunte Blumen-Feld ein Todten-Kleid anzieht/
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So hat auch dein Verlust die Sommer-Zeit verhindert/
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Die Liebe ist erstarrt/ die Hoffnung steht verblüht.
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Zwar läst die Liebe sich abwesend wol ernehren/
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Doch es ist nur ein Traum/ sie kan nicht lange stehn/
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Wenn man den Gegen-Stand nicht täglich kan verehren/
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So muß die Liebes-Glut ohn Nahrungs-Oehl vergehn.
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Die Zeit verkehret viel sie ändert die Gestalten/
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Ein weit entferntes Hertz der Meisterin vergißt/
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Mit der Abwesenheit muß Lieb’ und Gunst erkalten/
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Sie macht/ daß deren Glut nicht immerwährend ist.
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Ich fürchte nicht umsonst annehmliche
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Daß meine Liebes-Glut sich in sich selbst verzehrt;
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Und daß die schnelle Zeit die Neigungen ausrotte/
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Weil man abwesend nicht der Liebsten Pracht verehrt.
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Die Wurtzel ist nicht vest ins Hertze eingesencket/
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Die Liebe Pflantze nur die ersten Keumen trägt;
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Wenn nur ein kleiner Frost sie zu verderben dencket/
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So wird sie ohne Frucht ins dunckle Grab gelegt.
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Ein Garten/ der verdirbt/ wenn ihm der Gärtner fehlet/
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Die Pflantzen gehen ein/ die allzuweichlich sind.
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Dein Abzug meine Lieb’ entkräfftet und entseelet/
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Weil sie ins künfftige nicht ihre Nahrung findt.
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Ich kan die Flammen nicht aus deinen Augen saugen/
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Wenn mir ein ferner Ort derselben Glantz entzieht;
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Was nützet uns der Schein der uns entzognen Augen?
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Nichts! weil man sie von fern/ und in Gedancken sieht.
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Du aber seelger Ort/ und hoch-gepriesnes Städgen
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Schließ dieses schöne Kind auf ewig bey dir ein/
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Es ist recht liebens werth/ und ein
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Es wird dein bester Schmuck und schönste Zierde seyn.
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Die
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Sie wird geehret seyn/ sie ist der Liebe werth/
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Jhr müsset/ ihr zur Lust das Blumen-Fest anstellen/
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Damit ihr nach Gebühr die ander
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Die Schäffer seh ich schon zu ihren Diensten stehen/
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Jedweder ist bemüht/ daß er ihr Liebster sey/
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Hing egen muß ich mich entfernt und traurig sehen/
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Mein Gegen-Stand ist fort/ mein Sommer ist vorbey.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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