Die Völlerei

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Johann Justus Ebeling: Die Völlerei (1747)

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Ein Laster das den Mensch gar leicht zum Schwein verkehrt,
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Das ist die Völlerei, die Herz und
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Ein Laster welches sonst den teutschen Völkern ei-
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Wie Schreiber alter Zeit zu ihrem Schimpfe zei-
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O! GOtt! gieb deinen Geist dies Laster zu ver-
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Wodurch so viel noch die Seel, den Leib versehrn!
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Ach! schärfte ich dies ein, daß wir nicht darum le-
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Daß wir den Magen-Sak nur Trank und Speise
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Wir essen blos allein, wir trinken darum nur,
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Damit des Leibesbau, Gesundheit, die Natur
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In festen Stande sey: damit wir unsre Pflichten,
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Die uns sind auferlegt, gebührend nur entrichten.
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Der Mensch lebt auf der Welt, die einem Schau-
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Daß auch durch ihm der Zwek derselben werd er-
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Wir müssen die Person nach unsers Schöpfers
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Wie uns die Rolle trifft mit aller Sorgfalt spielen.
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Der Mensch lebt auf der Welt, als
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Drum muß er dahin sehn, wie er
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Das menschliche Geschlecht, das bei einander wohnet,
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Darüber als ein HErr des Himmels Herrscher thronet,
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Ist einem Körper gleich, da Glied an Gliedern
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Und durch der Liebe-Band in der Natur ver-
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Und da ein jedes Glied dem andern immer nüzet;
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Damit der ganze Bau des Staates sey beschüzet.
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Der Mensch lebt auf der Welt, als einem fremden
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Wie die Erfahrung lehrt, wie aus der Schrifft be-
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Er soll sich darum auch mit allem Ernst bemühen,
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Durch dieses eitle Land nach Canaan zu ziehen,
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Wo denen Gläubigen des Schöpfers weiser Rath,
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Ein herrlich Paradies, und eine feste Stadt
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Zur ewgen Wohnung schenkt, wenn sie in diesen
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Das treulich ausgericht, was ihnen aufgegeben.
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Ein Mensch der auf der Welt in Völlerei hinlebt,
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Und seinen Geist im Leib, mit Speiß und Trank be-
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Der macht sich ungeschikt dem Schöpfer seine Pflich-
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Dem Nächsten und sich selbst gebührend zu entrich-
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Er thut das Gegentheil von allen was er foll,
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Vrrsäumet seine Pflicht, sein geistlich, leiblich Wohl,
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Zerrüttet seinen Geist, die Kräfte seiner Seelen,
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Er wird ein Peiniger, um sich nur selbst zu quälen.
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Wer Uebermaasse liebt, verdirbet den Verstand,
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Dadurch die Warheit wird in jedem Ding erkannt;
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Die Dünste von der Last, die seinen Magen füllen,
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Benebeln den Verstand, betäuben auch den Wil-
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Der Seelen rege Kraft die so gedrükket liegt,
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Und die die Völlerei mit schweren Träumen wiegt,
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Verliehrt der Freiheit Stand, da die Begierden strei-
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Und über die Vernunft stets neuen Sieg erbeuten;
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Der Wille der die Lust zur guten Handlung zeugt,
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Wird durch den Ueberflus, als in ein Joch gebeugt,
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Die Last die drükket ihn, er kan sich nicht erheben,
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Und muß im Element der Sinnligkeiten leben;
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Wo des Verstandes Licht, mit schwarzen Dunst
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Von Dunkelheit bedekt, von Nebel ganz umhült;
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Und wo der Wille liegt von der Begier bezwungen,
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Da wird das Gute leicht aus unsern Geist verdrun-
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Wie ist man da geschikt, wenn man im Pfüzen
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Und sich an Speiß und Trank, als höchsten Gut
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Den Geist zu
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Und so wie sichs gebührt, in Heiligkeit zu leben?
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Ein Schlemmer der sein Herz zur Völlerei gewöhnt,
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Und als ein eitler Knecht den Sinnligkeiten fröhnt,
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Macht seinen Bauch zum
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Wer zu den wahren
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Der will zwei Herrn verehrn: und das geht nim-
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Weil kein berauschtes Herz den Schöpfer dienen
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Der ein Gemüth verlangt, das heilig sich erhebet,
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Und nach der Fürschrifft sich, die er uns giebt, be-
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Ein Herz das sich zum Tisch, der woll besezt, stets
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Ist dem Magnete gleich der sich zum Eisen schwenkt;
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Ein Herz das sich zum Trunk zu übermäßig neiget,
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Das sieht sein höchstes Gut, wenn man ein Wein-
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So wie ein Wasserhuhn sein Elemente liebt,
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Und sich gar offte nicht aus seinem Schlam begiebt;
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So machts ein Trunkenbold er bleibt in seinen
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Bei einem vollen Glas, ganz ohngestöret sizen,
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Und fraget nichts nach
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Weil er bei den Gesöff denselben gar vergißt;
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Sein taumelnder Verstand, und die berauschten
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Die können keinen
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Und wacht der Schwelger auf, denkt er an einen
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Der alles Böse strafft, und der ein Zebaoth;
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So ist sein Gottesdienst ein unbedachtsam Plappern,
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Ein eiteles Geräusch, als wenn die Störche klappern.
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Indem ein Trunkenbold den grossen Schöpfer ehrt,
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Der seinen Leib betäubt, und sein Gemüth be-
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So schändet er vielmehr das allerhöchste Wesen,
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Das sich zum Eigenthum ein reines Herz erlesen.
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Sein Andachtsfeur ist kalt, weil ihn der Wein
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Die Opfer taugen nicht, weil sie beflekt, beschmizt;
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Sie sind ein Greul vor
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Das keinen Wollgefalln im Allerheilgen findet.
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Wer sich der Uebermaaß und Völlerei ergiebt,
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Der liebt nicht seinen
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Der kan kein Christe seyn: denn mit beschwerten
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Kan sich der Heiland nicht als einer Braut ver-
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O! möchte doch die Welt, die Warheit nur ein-
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Und von der Zungenlust, die schädlich, gleich ab-
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Weil sie uns unnüz macht, die heilgen Lebens-
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Die die Religion gebeut, recht zu entrichten!
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Ein Schwelger, Trunkenbold, ein Vielfras scheinet
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Wenn ich ihn recht beseh, er sey ein würklich Thier.
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Von menschlicher Gestalt: dieweil er also handelt
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Als wie ein säuisch Thier; dieweil er also wandelt,
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Als wie ein blosses Schwein, das sich erquikt, ver-
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Wenn es in stiller Ruh bei seinem Troge liegt
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Ganz sorglos dabei bleibt, nicht an den Tag ge-
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Da man es schlachtet, kocht, und in den Schorn-
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Ein solches Lasterthier, ein Mensch der immer
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Jm nassen Element, das er stets zu sich nimmt;
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Gedenkt nicht an die Pflicht, die andre Menschen
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Noch an das ewge Feur, darin er dreinst wird
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Er lebet ganz verstokt, als wie der reiche Mann,
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Sieht keinen Lazarus in seinen Jammer an,
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Der Anblik stört die Lust, erwekt ein Misvergnü-
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Drum läst er ihn gekrümmt vor seiner Thüre lie-
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Er liebt nur die Music, ein muntres Saitenspiel,
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Kein klägliches Gethön, und wenn er opfern will,
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Dem Bachus, seinen Bauch, läst er Posaunen blasen,
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Um bei dem Klang und Lerm nur feuriger zu rasen,
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Wie die Bachanten thun. Wenn er ein Jubelfest,
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Dem Abgott seinem Bauch mit Freuden feiren läst,
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Wie täglich fast geschieht; so ist nur sein Bemühen,
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Durch heissen Wein und Bier den Weirauch an-
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Den er zum Opfer bringt. Das Opfer wird ge-
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Den Priester den er braucht, der es zu rechte macht,
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Ist ein erfahrner Koch, der alles kan bereiten,
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Mit Fett es woll begiest, damit es müsse gleiten
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Durch einen engen Schlund, da es den dahin dringt,
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Wo es der Abgott Bell, der Magen gleich ver-
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Der sich so weit ausspannt, als jener Hals des
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Den sie in Babilon zu einen Gözen machen.
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So geht es täglich fort; kaum ist der Schlauch
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So brennt sein Altar schon, ich mein den Feuer-
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Der Abgott, dieser Bauch, will wieder opfern las-
136
Er speert den Rachen auf das gierig aufzufassen,
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Was man als Speiß und Trank, es sey früh oder
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So wie ers gerne wünscht, gewürzt bereitet hat:
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Und das daurt immer fort, bis das er Mangel lei-
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Bis das er seinen Schaz im Ueberflus vergeudet,
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Da er den Fasttag hält, an Hunger-Tuche nagt,
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Mit dem verlohrnen Sohn, die Lust in Noth be-
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Und stat der Fettigkeit ein dürres Brod verzehret,
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Und sich bei theurer Zeit, woll gar mit Trebern näh-
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Verschlinget er das nicht, was er im Vorrath hegt,
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Weil sein Vermögen ihm genugsam Zinse trägt,
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Wovon er leben kan; so kan es leicht geschehen,
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Daß er muß vor der Zeit zu seinem Grabe gehen.
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Ein Mensch der die Natur mit Ueberflus bestürmt,
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Des Leibes morschen Bau mit Sorgfalt nicht be-
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Zerstöhrt dieselbe leicht, Gesundheit geht verlohren,
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Und aus der Uebermaaß wird banges Weh geboh-
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Das Uebel folget nach, das mit so mancher Noth,
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Des Leibes Sturz und Fall mit Pein und Schrek-
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Wenn man den Rebensafft, durch seine Gurgel ja-
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Wird er ein inrer Feind, der seine Freunde plaget,
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So lange das Gedärm, die Lunge beissend zehrt,
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Bis er des Körpers Bau zulezt noch ganz zerstöhrt:
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Da wird die Lust in Weh, wenn man so thörigt
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Bei einem Trunkenbold der gierig schlingt, verwan-
161
Vernunft, Verstand und Wiz, der Seelen beste
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Verschwindet auch dabei, er wird ein albern Thier:
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Man seh nur solche an die ihren Wiz versoffen,
164
Was kan man kluges noch von solchen Viehe hoffen?
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Sie taumeln hin und her, als wie ein Jrrelicht,
166
Wie albern klingt es nicht, wenn ein Besoffner
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Es ist der Klugheit Salz von seiner Red entfernet,
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Er stamlet wie ein Kind, das erst das Sprechen ler-
169
Wenn er noch reden kan; so ists doch ungereimt,
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Als wenn ein Kranker was bei albern Wahnwiz
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Das Herz das in der Brust vom Schöpfer einge-
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Das ist bei dem Gesöff in seinen Mund geflossen,
173
Er plaudert alles aus, was insgeheim geschehn
174
Und läst bei vollen Leib geheime Schande sehn;
175
Was ihm ein Freund vertraut, das wird ganz laut
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Wenn seine Völlerei ihn ganz und gar bezwungen;
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Ein Schlemmer ist daher, auch gegen seinen Freund,
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Wenn sein Gehirn berauscht, der allergröste Feind,
179
Er ist sein eigner Feind, sein trunkenes Geschwäze,
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Zieht ihn oft eh ers meint, in viele Unglüks-Neze.
181
Die Uebermaß zerbricht der Keuschheit festen Dam,
182
Der Mund wirft immer aus den bösen Laster-
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Davon das Herze voll; sie wirft aus dieser Pfüze,
184
Wie das Gemüthe ist, bald Scherz, bald Stank,
185
Mit starken Sprudel aus: und wenn der Mund so
186
So ist leicht einzusehn, was da vor Thun entspriesst:
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Ein Schwelger ist ein Mensch bei den die geilen Sün-
188
Stets einen freien Paß, und ofnen Eingang finden.
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Mit einem Wort: ein Mensch in seiner Völlerei,
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Bricht Riegel, Thür und Thor der Ehrbarkeit ent-
191
Das was der Wollstand will, was
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Wird durch die Trunkenheit in Raserei verlezet;
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Die Laster finden da in einer Seele stat,
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Wenn man den Leib erhizt, zu stark beladen hat;
195
Wo die Gelegenheit nur einen Antrieb giebet,
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Da werden Greuel, Schand und Bosheit ausgeübet.
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Wie mancher findet sich der sich mit Wein begießt,
198
Der seiner Keuschheit Kranz in Trunkenheit einbüßt?
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Wie viele die berauscht sind zum Gezänk entflammet
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Zur Wuth und Schlägerei, die aus dem Zorn her-
201
Wie viele sind dadurch in ihren Wahn verrükt,
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Daß sie dem besten Freund den Lebensdrat zerstükt?
203
Wie viele sind beim Trunk ums theure Leben kom-
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Da ihre Zechgeselln in Blut und Bier geschwommen?
205
Und wenn das nicht geschicht, und ein berauschter
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Vor solchen Ungelük sich unverlezt erhält;
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Wenn alles Ungemach das sonst die Säuffer quä-
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Mit ihrer Völlerei, so wie wir es erzählet,
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Gar nicht verbunden ist; so bleibt es doch dabei,
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Das ein besofner Mensch ein Elends Sclave sey;
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Weil er die Menschlichkeit beim Ueberflus einbüsset,
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Und seine arme Seel darüber ganz vergisset.
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Der andre Laster hegt, wird leichter noch bekehrt,
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Als der wer seinen Geist mit Uebermaaß beschwert;
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Die Gnade kan sie noch aus ihren Laster-Schlin-
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Viel leichter wiederum zur wahren Busse bringen;
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Die Laster andrer Art, die nehmen eher ab,
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Allein die Trunkenheit die folget bis ins Grab;
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Ein Mensch der unkeusch lebt, der kan sich noch be-
220
Er kan die Folgen sehn vom thörigten Beginnen:
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Allein ein Trunkenbold, wird wenn er immer vol,
222
Des Unverstandes Knecht und endlich albern, tol
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Sein Herze wird ganz hart, und die verschlungnen
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Benehmen das Gefühl von dem Gewissens-Bisse.
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Wie elend ist ein Mensch der seine Seel verdirbt,
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In Uempfindligkeit bei seinem Taumeln stirbt,
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Was kan man woll von ihm vor einem Wechsel
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Ach! keinen anderen, als den der Mann getroffen,
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Der in dem Höllen-Schlund um eine Kühlung
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Und der vergeblich seufzt nach einer Gnaden Zeit.
231
Wer diese Folgen nur wie sichs gebührt, bedenket,
232
Der sieht daß Völlerei uns ins Verderben senket.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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