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Das Böse ist ein Gifft, dadurch
der Mensch verderbt
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Und einer Seuche gleich, die uns
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Woher das Uebel sich in Geist
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Aus welcher Quelle es, in un-
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Darüber streitet man in der gelehrten Welt,
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Die sich als wie in Krieg, Partheienweis gestellt;
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Und dieser Federkrieg von Ursprung alles Bösen,
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Wird darum nur geführt, die Knoten aufzulösen,
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Die scharffer Aberwiz aus Spötterei geknüpft,
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Der wie ein Diestelfink von dies auf jenes hüpft.
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Allein wie thörigt ists um solche Dinge streiten,
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Die nicht aus der Vernunfft alleine herzuleiten?
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Wir sind dem Kranken gleich, die matt und elend
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Der Wille ist verkehrt, und der Verstand ist blind,
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Das böse Sünden-Gifft hat unser Fleisch durch-
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Und der Begierden Heer hat den Verstand bezwun-
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Dies muß ein jeglicher, wer sich wird selbst besehn,
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Als einen Saz der klar, unleugbar, eingestehn:
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Es ist den Aerzten gleich, sie brauchens nicht zu
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Wenn einer der da krank, von einer Schlang ge-
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Ob diese Schlagen-Art die jenes Leib entflammt,
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Etwan aus Asien, aus Africa herstammt:
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Wenn sie im Streit erhizt; so wird im Disputiren,
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Der Kranke drüber nur das Leben gar verliehren:
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Viel besser aber ist, daß sie darauf bedacht,
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Wie dieses heisse Gifft werd aus dem Leib gebracht;
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Und was der Kranke muß bei der Entzündung
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Damit der gifftge Dunst ohn Schaden könn ver-
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Die Weisen dieser Welt sind denen Aerzten gleich,
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Aus eitler Wisbegier an vielen Fragen reich:
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O! möchten sie sich nur mit allen Ernst bemühen,
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Um Mittel, dadurch wir der Sünden Qual ent-
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O! wären sie nur drauf mit allen Ernst bedacht,
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Wie was verdorben ist, würd wieder gut gemacht;
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Was hilft es nur allein die Dinge wissen wollen,
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So thörigt ist der Wiz der armen Menschligkeit,
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Die eitle Wisbegier erreget manchen Streit:
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Die sich ums Wissen blos, nicht um das Thun
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Die bessern warlich nicht, sie wollen nur verschlim-