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Mensch! wilt du dich recht kennen lernen,
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So muß das Blendglas sich entfernen,
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Daß deine Eigenliebe ehrt,
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Dahin sie stets die Augen kehrt.
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Du suchest dich gern zu vergrössern,
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Allein du wilt dich doch nicht bessern,
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Wer sich bemüht recht schön zu seyn,
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Der muß nicht seine Flekken scheun.
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Wer seine eigne Fehler fliehet,
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Dieselbe blindlings übersiehet,
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Behält ein flekkigt Angesicht,
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Und säubert sich vom Schmuzze nicht:
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Wer aber solche recht erweget,
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Bemerkt was er vor Mähler träget:
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Der bringt sich durch die Reinigung,
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Zu einer schönen Aenderung.
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Wer sich zum Spiegel der da blendet,
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Mit seinem Angesichte wendet,
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Der bildet sich im Gegenschein,
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Wenn er gleich heßlich, schöne ein.
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Hingegen wer den Spiegel wählet,
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Der nicht in seiner Bildung fehlet,
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Der siehet sich in der Gestält,
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Wie sie hinein, zurükke prallt.
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Ein Spiegel der uns nicht flattiret,
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Was heslich ist, nicht herrlich zieret,
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Ist das Gesez, wer darauf blikt,
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Sieht sein Gemüthe abgedrükt.
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Drum kan es woll ein Spiegel heissen,
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Und wer sich dabei wird befleissen,
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Mit Achtsamkeit hinein zu sehn,
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Der sieht sein Bild darinnen stehn.
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Da können wir die schwarzen Flekken
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Der Sünde, klärlich gnug entdekken.
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Jhr Menschen! spiegelt euren Sin,
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Und die Gestalt der Seelen drin;
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So werdet ihr gerührt erkennen,
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Daß ihr sehr elend seid zu nennen.
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Beschaut ein jegliches Gebot,
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Das macht euch warlich blas und roth,
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Weil es euch solche Runzeln zeiget,
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Davon ein andrer Spiegel schweiget.
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Wie könnt ihr ohne innres Graun,
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In den Gesezzes Spiegel schaun?
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O! nein! ihr lernet nun gestehen,
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Jhr hättet nie den Greul gesehen,
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Als nunmehr, da ihr euch erkennt,
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Eur Tichten, Trachten böse nennt.
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Was seid ihr nun, betrogne Seelen!
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Könnt ihr der Flekken Menge zählen,
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Die bei des Spiegels Gegenschein,
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In dem Gewissen sichtbahr seyn?
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Jhr habt gemeint bei andrer Tadel,
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Jhr wärt mit einen wahren Adel,
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An eurer Seele ausgeziert,
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Doch diese Einbildung verliert
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Das Herz, das sich nur recht betrachet,
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Nicht besser, als die andern achtet.
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Wer diesen Spiegel fleißig nüzt,
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Woraus das wahre Bildnis blizt,
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Von unsrer Seelen rechten Wesen,
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Der wird, wie er gestaltet, lesen.
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Drum Menschen! die ihr, wie ihr solt,
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Euch recht im Herzen kennen wolt,
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Beschauet darin eure Seelen,
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Der wird euch nichts vom Fehl verhelen:
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Wischt durch des Heilands heiligs Blut,
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Die Mähler ab; so seid ihr gut.