Die Weisheit GOttes bei denen un- terschiedenen Neigungen und Geschik- lichkeiten der menschlichen Ge- müther

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Johann Justus Ebeling: Die Weisheit GOttes bei denen un- terschiedenen Neigungen und Geschik- lichkeiten der menschlichen Ge- müther (1747)

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O! ewge Weisheit Quel! o Vater al- les Lichts,
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Ohn welchen Niemand was, ohn
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Von welcher wir auch das, als
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lauter Gnaden-Gaben,
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Was an uns gutes ist, allein empfangen haben!
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Du hast durch deine Macht, den grossen Bau der
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Voll deiner Gütigkeit, uns Menschen dargestellt;
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Du hast durch dein Regiern, zu dem Gesellschaffts-
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Zu diesem Staat der Welt, die Mittel hergegeben.
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Und dies Gesellschafftsband ist hier im irdschen
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Dein weisestes Regiern fast unsern Körper gleich,
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Der eine ist das Haupt, die sind die andren Glie-
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Das Haupt das nüzt der Hand, die Hand dem
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Die in der Niedrigkeit, die gleichen einen Fuß,
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Der Haupt und Händen auch, viel Nuzen bringen
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Wenn wir die Einrichtung, die von dir kommt be-
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So muß das Auge sich auf deine Weisheit lenken,
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Weil jeder Mensch der ist, von dir als Vater
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So hast du auch den Trieb, der in ihm brennt,
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Der eine fühlet Lust zu denen Wissenschafften,
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Er spürt Gedächtnis, Wiz, die in der Seele haf-
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Es wohnt in ihm ein Licht, ein göttlicher Ver-
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Bei andern eine Kraft, die Urtheils-Kraft ge-
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Der eine fühlet Lust, zu einem frommen Wissen
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Der Gottsgelehrsamkeit, der andre ist befliessen,
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Die Rechte zu verstehn, da die verdorbne Welt,
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Das nur als Recht annimmt, was ihren Sinn ge-
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Der dritte spürt den Trieb in der entflammten See-
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Den Menschen beizustehn, die sich mit Krankheit
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Der ist begierig nur nach der Gelehrsamkeit,
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Die uns durch die Vernunfft, der Erdenbau an-
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Der andre findet nur sein inniges Vergnügen,
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Wenn er mit seinen Wiz kan zu den Sternen flie-
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Den treibet die Natur das Feld zu messen an,
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Und jenen leitet sie auf eine andre Bahn,
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In der verborgnen Kluft, in tief verstekten Schlün-
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Die Wunder der Natur zu forschen, zu erfinden.
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Der forschet in dem Staub, und wünschet einen
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Wenn er die graue Zeit, das finstre Alterthum,
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Und ihre Lebensart, mit innigen Ergözzen,
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Aus ihrer Finsternis kan in ein Licht versezzen.
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Und jener merkt den Trieb, und will sich nur er-
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Zu seiner Wissenschaft, was die Geschicht erzähln,
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Er findet seine Lust, wenn er nur kan erfahren,
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Was merkenswürdig ist, in dem verfloßnen Jah-
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Ein andrer wiederum sind sein Vergnügen dran,
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Wenn er die Zung und Sprach der Völker lernen
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Die Sprachen drin der Geist, die Warheit aufge-
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Davon die heilge Schrift zum Denkmal übrig blie-
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Ein fast verborgner Zug lenkt dieses, jenes Sinn,
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Jm Reich der Wissenschaft, bald hie und bald da-
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Denn keiner kan es nicht, zugleich in allen Din-
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Zu der Vollkommenheit in seinen Wissen bringen.
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Der Dinge Mannigfalt, wird so recht ausgeübt,
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In dem der eine dies, der andre jenes liebt,
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Wie der Naturtrieb zeigt, woraus auch zu erken-
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Wie weise unser
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Er theilt die Gaben aus, wie es ihm wollgefällt,
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Giebt einem Fähigkeit, wozu er ihm bestellt,
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Des einen Wiz zeigt sich in einem scharfen Denken;
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Der kan des Geistes Aug auf kleine Puncte lenken,
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Der andre sieht das nicht, und kan doch, ob er
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Zu einem andern Stük, der Welt sehr nuzbar seyn.
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Der hat des Geistes Kraft die Warheit zu erfinden,
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Ein andrer das Geschik sie künstlich zu verbinden,
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Der dritte Fähigkeit daß er sie mache kund,
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Mit einem fliessenden und woll beredte
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Und wer sich darin übt, was ihm zum Pfund ge-
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Der kan der Welt zum Nuz, und sich zum Vortheil
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Ach! folgte jederman dem Triebe der Natur,
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Als einer sichtbahren und ihm gezeigten Spur;
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So wären in der Welt, so viele nicht zu sehen,
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Die ihrem Stande nicht, wie sichs gebührt, vor-
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Die Welt der grosse Staat, erfordert manchen
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Wie jedem der sie kennt, von selbsten ist bekant;
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Der Länder Wollfahrt ruht auf unterschiednen
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Der Flor des Staats besteht, aus gar verschiednen
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Soll steter Ueberflus in einem Reiche blühn;
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So muß der eine sich, der andre so bemühn.
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Es wird die Handelschaft mit Tüchern und Gespin-
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Erfodert, und darzu gehört der Fleis der Künste,
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Und der Handthierungen, und die sind mannigfalt
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Nach ihrer inren Art, Beschaffenheit, Gestalt.
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Wer kan die Künste all, und die Gewerbe zählen
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Die diese sich erkohrn, die jene sich erwählen?
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Die Mannigfaltigkeit entsteht doch blos daher
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Aus unterschiedner Lust; wenn gleiche Neigung wär,
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Zu einem einzgen Zwek so müst der Staat verge-
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Dieweil kein Körper kan aus einem Glied bestehen.
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Es müssen Augen, Ohr und Hände, Leib und Bein,
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Gelenke, Nerven, Blut und Sehnen daran
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So wird zu einem Staat, auch mancherlei gehö-
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Wenn sich desselben Flor, soll immerhin vermehren.
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Was wäre unser Leib, wenn alle Glieder, Hand,
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Wie stünd es um die Welt, wenn darin nur ein
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Wie weislich hat also der Höchste es gefüget,
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Daß einem diese Kunst, dem andern das vergnü-
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Die Triebe der Natur sind also mancherlei,
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Das zeiget uns genug, wie er Allweise sey,
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Und wie er unsre Welt durch menschliche Anstal-
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Durch ein Gesellschafts-Band woll unverrükt er-
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Und dieses Mannigfalt verschiedner Lebens-Art,
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Wird zum gemeinen Nuz aufs herrlichste verpaart:
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Wer sein Geschäfte treibt, es sey auch was es
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Wenn es nur nüzlich ist, der spielet seine Rolle,
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Und ist ein brauchbar Glied in diesem grossen Staat,
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Den eine weise Macht so eingerichtet hat.
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Es muß das Mannigfalt seyn in dem Staat der
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Der eine kan hiezu, der da gebrauchet werden,
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Wie ers Geschikke hat, und wie er solches übt,
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Was ihm die Vorsehung zum Pfunde übergiebt.
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O Menschen! lernet doch, das weiseste Regieren,
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Wie es bald hie bald da, aufs deutlichste zu spüren.
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Folgt euren Triebe nach, der im Gemüte glimmt,
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Und denkt daß
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Dazu ihr Lust, Geschik um, in und an euch mer-
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Wer diesem Triebe folgt, ihn durch die Uebung
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Der wird zulezt ersehn, wie das vom statten geht,
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Dahin sich das Gemüt mit seiner Neigung dreht.
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Wer etwas unternimmt, dazu er nicht gebohren,
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Und etwas blindlings wagt, dazu er nicht erkoh-
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Der gleichet einem der, dem Strom entgegen
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Und das, was er nicht kan, beschwerlich unter-
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Die Weisheit will allhie, auch manche Stände
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Und darnach theilt sie aus, auch mannigfaltge Ga-
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Wer wozu ungeschikt, verrichtet die Arbeit,
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Mit einer steten Plag, und mit Beschwerlichkeit,
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Und kommt doch nie recht fort, weil wahre Lust
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Zu einem Dinge fehlt, wo keine innre Triebe,
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Von der Natur da sind. Wer sich dazu gewöhnt,
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Wozu uns die Natur mit Gaben hat belehnt,
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Der bringt es darin weit. Wer Herze, Muth
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Der ist sehr wol geschikt zu einem solchen Werke,
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Das dieses haben will. Und das ist unsre Pflicht
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Die Kräfte zu probirn. Der Schöpfer will das
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Das wir mit Dingen uns, zu dem Verdrus der
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Die uns unangenehm Zeitlebens ängstlich quälen.
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Wo seine Weisheit sich vor andern sehen läst,
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Da sieht man öfters an, wie man die Menschen
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Zu einer Lebens-Art, die wieder ihren Willen.
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Wie manche läst sich nicht in eine Kappe hüllen,
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Wie manche zwingt man nicht aus falscher Heiligkeit,
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Wird aus der Welt gebannt, der Keuschheit ein-
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Da sie geschikter wär, zu einem freien Leben,
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Daß sie dem Manne würd zur Helferin gegeben?
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Wozu man keine Lust, das solte man nicht wähln,
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Sonst wird man allemahl, das beste Ziel verfehln,
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Das der uns hat bestimmt, der es zuvor gesehen,
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Ob wir dazu geschikt, daß er uns könne erhöhen.
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Kein Stand der ist veracht, wenn er nur ehrlich
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Darin man sich mit Treu, der Welt zum Nuz be-
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Es können alle nicht der Hoheit Scepter führen,
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Die Länder dieser Welt mit ihren Wink regieren,
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Es müssen auch dabei die Unterthanen seyn,
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Der HErr macht reich und arm, er schaffet gros,
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Er macht die Wizzigen, er schaffet auch die Wei-
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Auch die den Akker baun, darum ist er zu preisen,
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Als ein allweiser
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Der Stände Ordnung recht, wie sichs gebührte an,
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So würden wir die nicht, mit Sprödigkeit verach-
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Die wir als Niedrige nach ihren Stand betrachten,
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Es müssen solche seyn die Wissenschaften lehrn,
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Es müssen solche seyn, die Weisheits Lehren hörn;
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Es müssen solche seyn, die feine Künste treiben,
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Es müssen solche seyn, die bei dem groben bleiben.
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Es frägt sich noch dabei, wer mehrern Nuzzen
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Der mit des Geistes Wiz, der mit der Glieder Kraft:
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Ob der den Vorzug hat, den man als Kunstreich ehret,
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Vor dem der mit dem Pflug das Akkerfeld umkehret
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Drum wozu uns die Lust, die innre Neigung führt,
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Den Stand erwähle man, weil er uns gnugsam
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Der Schöpfer aller Ding hat das uns eingedrükket,
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Wer diesen Trieben folgt, der wird dadurch be-
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Die Weisheit äusert sich in dem verborgnen Zug,
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Und wer derselben folgt, der handelt weis und klug.
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Die Welt braucht manchen Stand, die Weisheit die
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Macht das der Sin hiezu, der dazu Lust verspüret.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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