Der thörigte Hochmuth

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Johann Justus Ebeling: Der thörigte Hochmuth (1747)

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Der Mensch, der arme Mensch der Staub und Asche ist,
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Und seine Nichtigkeit an sich, an
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Der Wurm, der Madensak ist
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Daß er nichts als nur Wind haucht
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Der ungestüme Stolz wird billig
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Der seine Nichtigkeit zu einer Gottheit macht,
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Er ist den Vögeln gleich, die in dem Pfüzen leben,
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Und mit verwegnen Flug sich in die Höhe heben.
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So bald ein solches Thier, aus seinem Schlamme
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Wird es doch wiederum in seinem Koth gebeugt,
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Indem es sich erhebt, mit schwingenden Gefieder,
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Fällt es nur tieffer drauf in seine Pfüze wieder:
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So gehts dem Stolzen auch mit seiner Einbildung,
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Sein aufgeblasner Schwung macht keine Aen-
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Von seinem Element, er bleibt was er gewesen,
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Und läst der klugen Welt, nur seine Thorheit le-
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Die allgemeine Quell, woraus der Hochmut fleust,
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Woraus der Laster Schaum der uns beschmizt, sich
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Ist unsre Eigenlieb, die uns mit Wind aufschwel-
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Und vor der Einbildung Vergrößrungs-Spiegel
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Ein Mensche der ihr folgt, und ihrer Stimme hört,
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Wird durch dem Selbstbetrug in blinden Wahn be-
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Er sieht sich darum an, daß er will gros erscheinen,
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Und darum sind wir gros, weil wir es albern mei-
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Der Eigenliebe Brut, der Stolz der uns erhebt,
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Zeigt sich auf manche Art, nachdem der Mensche
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In Glük und Ungelük. Wenn er im Glükke grünet,
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Will er ein Abgott seyn, dem alle Welt bedienet.
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Lebt er im Gegentheil durchs Schiksal in dem
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So schmeichelt ihn der Wahn, des Herzens blinder
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Er müste herrlich seyn, wenn in der Welt die Eh-
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Jedweden nach Verdienst, nur ausgetheilet wäre.
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Das Gute was er hat, ist es gleich nur sehr klein,
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Muß doch viel grösser noch, als bei dem andern
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Und die Geschiklichkeit, die Vollenkommenheiten,
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Die können gegen das, was er hat nichts bedeuten.
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Ist mit den Hochmuths-Sinn der Unverstand ver-
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So brüstet sich ein Mensch nach stolzer Pfauen
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Er siehet sich nur an, er pocht auf seine Gaben,
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Und denkt daß keine mehr, die solche gleichfals ha-
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Er ist allein nur gros, und einen klugen Mann,
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Sieht er mit seinem Aug, als einen Thoren an.
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Er suchet dessen Glanz und Ansehn zu verdunkeln,
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Warum? denn seine Sonn, soll nur alleine fun-
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Ein eingebildter Thor, ein albern Gernegros,
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Giebt seinen Hochmuths-Sinn in seinen Reden
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Er prahlet stets von sich, und seinen Heldenthaten,
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Was andre ja gethan, ist allmahl schlecht gera-
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Er gönnet keinem Ehr, dieweil er albern glaubt,
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Der Ruhm, das Lob, die Ehr, die würde ihm ge-
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Die Fremden zugetheilt. Er sucht ihr Thun zu ta-
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Damit er sein Verdienst könn desto höher adeln.
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Er glaubet daß er könn, durch tadelndes Bemühn,
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Den andren ihren Ruhm, mit seiner Zung entziehn,
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Und was er klein gemacht, das müste ihn vergrös-
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Des andern Flekkenmahl, das müste ihn verbes-
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Der seinen eitlen Stolz auf diese Art verräth,
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Und unverschämter Weiß sein eignes Thun erhöht,
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Will sich vor aller Welt, ansehnlich, herrlich ma-
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Und macht, daß alle Welt muß seinen Stolz be-
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Wer noch ein Quentlein Wiz, bei seinem Hochmut
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Und was sich schikt, bedenkt, was ungereimt erwegt,
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Prahlt in den Worten nicht, läst aber seine Höhen,
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Die in dem Herzen sind, an seiner Stirne sehen.
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Er sieht mit Sprödigkeit, recht schnöde iederman,
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Und andrer Werth, wie nichts bei seiner Hoheit an;
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Er rede was er woll er zeigt ein hönisch Wesen
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In allen seinen Thun, und daraus ist zu lesen,
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Daß ihm ein eitler Dunst, die Schedel angefüllt,
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Und aufgeblasner Stolz das Augenlicht verhüllt.
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Ein andrer der da gros, und dem der Schmeichler
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Bis an das Fixgestirn der Himmels-Bühn erhoben,
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Dünkt sich nunmehr gewis, bei dem erlognen Schein,
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Er müste andrer Art, als andre Menschen seyn,
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Er glaubet daß er zwar, als wie ein Mensch ge-
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Doch auf der Erde schon, zum Engel auserkohren.
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Der dritte dem Gebuhrt in hohen Stand versezt,
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Meint daß der Ahnen Schild dadurch auch würd
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Wenn er die Niedrigen, als seines gleichen achte,
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Und Menschen das sie sind, als Menschen nur be-
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Was ihm das Glük gegönnt, und die Gebuhrt ge-
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Wird von ihm nicht erwegt, und als ein Glük be-
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Er meint das sey ein Gut, das er durch sich erlan-
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Ob er gleich in der That mit einem Glanze pran-
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Der nur erborget ist, und seiner Anherrn Ruhm,
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Macht er aus stolzen Sinn zu seinem Eigenthum.
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Was durch das Herz erlangt der Heldenmütgen Ah-
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Sieht er aus Hochmuth an, als seine Ehrenfah-
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Wer viele Thaler zählt, die ihm das Glük be-
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Wird durch die Einbildung gar öfters auch be-
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Daß er drum besser sey, als andre dem das fehlet,
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Was ihm nicht nuzbar ist, womit der Geiz sich
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Er brüstet sich damit, und glaubet daß das Geld,
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Der wahre Adel sey in dieser Unterwelt,
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Wenn er von andern hört, der reich an Tugend
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So ist sein Werth ihm Nichts, wenn ihm kein
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Es ist ein schlechter Mensch, wenn er auch noch so
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Warum? er hat kein Geld, ist dürftig, Arm und
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Das blinzende Metal, die Gold und Silbermi-
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Die müssen ihm allein, zu einem Ansehn dienen,
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Dieweil er solche hat, damit stolziret er;
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So viele Kasten voll, so viel gilt auch die Ehr,
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Die einer haben kan, und der ist eingebildet,
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Wer nicht also wie er, mit Schäzen übergüldet.
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Und jener bildet sich auf seinen Schmuk was ein,
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Er glaubet daß er könn vor andern herrlich seyn,
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Wenn er den Taugenicht in schöne Kleider hüllet,
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Und seinen leeren Kopf mit Hochmuts-Winde fül-
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Ein köstliches Gewand, das nett am Leibe sizt,
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Mit Golde ausgebrämmt, und das von Perlen
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Vergnüget seinen Sinn; so bald er auf den Gassen,
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Die Narheit durch das Kleid so prahlend schim-
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Träumt ihm er sey nun gros, obgleich die Niedrig-
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Jhm als der Schatten folgt, bei seinem güldnen
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Er brüstet sich damit, und denket nicht darneben,
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Daß Kleider, Geld und Gut noch keinen Vorzug
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Die Tugend nur allein, und deren innrer Werth,
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Verdient den Vorzug nur, wie die Vernunft uns
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Die Nullen gelten nicht, wenn wir davor nicht Zahlen,
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Mit ihrer Gültigkeit, in gleicher Reihe mahlen;
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Jhr Tohren! merket dies, und dämpft das stolze
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Das alles was ihr habt, ist nur erborgtes Gut.
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Ein jeder wer er ist, ist darnach nur zu schäzzen,
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Was ihm vor andern kan, im wahren Vorzug
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Die Tugend, der Verstand und die Geschiklichkeit,
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Die machen uns nur gros, ohn allen Wiederstreit,
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Und wer dieselbe hat, der hat des Höchsten Gaben,
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Die wir doch nicht zum Stolz, von ihm empfangen
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Bedenket euer Nichts und nehmt den Spruch in acht:
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Der Schöpfer hat uns hier ja alle gleich gemacht,
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Der Schein der uns hier folgt, in unvollkomnen
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Wird uns in jener Welt gar keinen Vorzug geben.
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Jhr die ihr euch aus Stolz, mit leeren Wind auf-
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Bedenkt, wie es dem Frosch dort beym Aesopus
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Er paustet, macht sich gros, es plazzet seine Lunge;
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Wie gings dem Jcarus
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Und da der heisse Brand der Flügel-Wachs zer-
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Sich in dem tieffen Meer mit Schimpf und Spot-
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So gehts dem Stolzen auch, die durch das Stei-
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Und vor der Welt zum Spot als Glükkes-Krüppel
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Der Hochmut kommt zum Fall, das sagt die heil-
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Und die Erfahrung lehrt, daß solches gnug eintrift,
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Wer wie ein Lucifer im Hochmut sich versteiget,
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Wird in die tieffe Höll wie er verdient, gebeuget.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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