Die Demuth gegen GOtt und Menschen

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Johann Justus Ebeling: Die Demuth gegen GOtt und Menschen (1747)

1
Wer sich wird recht kennen lernen,
2
Kan sich von dem Stolz entfernen,
3
Der den eitlen Sinn betriegt,
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Und mit leeren Wind vergnügt.
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Die sich gros und herrlich achten,
6
Durchs Vergrößrungs-Glas betrachten,
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Lieben nur den blossen Schein,
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Weil sie Selbstbetrieger seyn,
9
Sie sind gros in ihren Augen,
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Wenn sie oft nichts werth, nichts taugen.

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Menschen die die Warheit lieben,
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Werden sich auch fleißig üben,
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In der Demuth, auf der Welt,
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Da man sich nicht höher hält,
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Als man ist, und was wir haben,
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Sind ja alles
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Wer nun blos von Gnade lebt,
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Und doch sein Verdienst erhebt,
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Der giebt gnugsam zu verstehen,
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Daß er sich noch nicht besehen.

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Demuth ist die schöne Tugend,
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Die das Alter und die Jugend,
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Alle Menschen herrlich schmükt:
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Wer nur auf sich selbsten blikt,
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Und den Ursprung recht erweget,
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Von dem was er an sich heget,
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Und was sich ihm herrlich zeigt,
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Sich mit
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Der wird also bald erkennen,
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Daß er Staub, ja nichts zu nennen.

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Demuth müssen wir beweisen,
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Dem, den wir als Schöpfer preisen,
33
Wenn man
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Und auf sich sein Auge lenkt;
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So wird unser Herz gleich finden,
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Man darf sich nicht unterwinden,
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Vor dem Höchsten zu erhöhn,
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Weil wir blos durch ihn bestehn,
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Dies Erkenntnis muß uns lehren,
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Jhn allein, nicht uns zu ehren.

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Wenn wir GOttes Grös empfinden,
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Wird uns solche gleich verbinden,
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Daß wir in der Niedrigkeit,
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Ehren die Vollkommenheit.
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Wir sind klein, wir sind geringe,
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Er ist HErre aller Dinge,
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Wer die Warheit recht erkennt,
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Wird demütig nur genennt:
49
Wer dies alles wird erwegen,
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Muß vor

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Merket dies ihr stolzen Seelen,
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Wenn ihr wolt die Demuth wählen:
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Drehet euren eitlen Sinn,
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Nur auf
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Haltet, was ihr seid dagegen,
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Merkt wie viel ihr könnet wägen,
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Wenn ihr seine Majestät,
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Und euch nur dagegen seht,
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Da müßt ihr dies selbst bekennen,

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Menschen sind wie nichts zu achten,
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Wenn wir uns nur recht betrachten;
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Wenn uns
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Nicht aus Güt herfürgebracht,
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Wären wir auch nicht vorhanden,
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Durch ihn sind wir nur entstanden.
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Menschen haben gleichfals nichts,
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Ohne ihm den Brun des Lichts,
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Und womit sie herrlich prangen,
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Haben sie von ihm empfangen.

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Wenn man nach der Warheit denket,
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So sind wir, was
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Auch so gar nicht einmahl werth,
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Weil uns die Erfahrung lehrt,
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Daß wir nach dem eitlen Trachten,
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Unsers Schöpfers Huld verachten,
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Und uns nicht mit Ernst bemühn,
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Sünd und Lastern zu entfliehn,
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Sondern ihn bei seinem Lieben,
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Nur um so viel mehr betrüben.

80
Wenn ihr dieses überleget,
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Was vor Greul ihr in euch heget,
82
Stolze Kinder der Natur;
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So bringt euch das auf die Spur,
84
Wie ihr solt in Demuth handeln,
85
Ehrerb
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Weil ihr selbst müßt eingestehn,
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Das nichts an euch, welches schön:
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Was wolt ihr euch doch erheben,
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Bei dem schnöden Sünden Leben?

90
Menschen die sich elend nennen,
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Und aus Herzensgrund bekennen,
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Daß ihr Thun nur böse sey,
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Und ihr Gutes Heuchelei
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Die da sehn daß sie beladen,
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Mit so schweren Sünden-Schaden,
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Finden bei des Höchsten Gnad
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Für die arme Seele Rath,
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Da der Herr ein Herz ansiehet,
99
Das des Geistes Hochmut fliehet.

100
Gegen GOtt demütig heissen,
101
Und sich nicht dabei befleissen,
102
Dieser Tugend, vor der Welt,
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Ist was ihm auch misgefällt;
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Wer den Schöpfer ehrt und liebet,
105
Und die Kreatur betrübet,
106
Durch Verachtung und durch Stolz,
107
Gleichet einem faulen Holz
108
Das zwar scheint und doch nicht brennet,
109
Schein und Seyn in sich zertrennet.

110
Wo das Selbsterkenntnis wohnet,
111
Und im Herzen Tugend thronet,
112
Aeusert sich Leutseeligkeit,
113
Demuth und Bescheidenheit;
114
Wenn wir uns als Menschen kennen,
115
Sind wir alle gleich zu nennen;
116
Von Gebuhrt ist keiner mehr,
117
Jeder stammt von Adam her,
118
Alle müssen auch zur Erden,
119
In dem Tode wieder werden.

120
Wer dies nach Vernunfft erweget,
121
Nach der Schrifft auch überleget,
122
Auf des Heilands Beispiel schaut,
123
Und desselben Lehre traut,
124
Muß den stolzen Sin bequemen,
125
Demuth herzlich anzunehmen;
126
Da wir, wenn mans recht bedacht,
127
Von
128
Ob wir gleich dabei hienieden,
129
Nach den Ständen unterschieden.

130
In der Welt sind viele Seelen,
131
Die sich Demuth auserwählen,
132
Aber doch nur insgemein,
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Dieser Tugend äusren Schein:
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Das sind die, die sich tief bükken,
135
In dem Lauf der Zeiten schikken
136
Die im Herzen sehr aufschwelln,
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Und in Mienen sich verstelln,
138
Die sich nur demüthig zeigen
139
Daß sie desto höher steigen.

140
Andre die am Staube kleben,
141
Und stets niederträchtig leben,
142
Meinen daß der Demuth Art,
143
Sich mit ihren Sinn verpaart,
144
Da sie doch sich blos befleissen,
145
Niederträchtig nur zu heissen:
146
Diese Niederträchtigkeit,
147
Ist ohn allen Wiederstreit,
148
Von der Demut weit entfernet,
149
Die man von dem Heiland lernet.

150
Demuth gegen andre zeigen,
151
Heist also nicht blos sich neigen,
152
Wie die Höfligkeit verlangt,
153
Die mit leeren Scheine prangt,
154
Es heist nicht sich selbst verachten,
155
Nur nach Schmuz und Einfalt trachten
156
Nein! ein tugendhaffter Mann
157
Sieht den Werth von andern an,
158
Trachtet ohn sich zu verletzen,
159
Jedem nach Verdienst zuschätzen.

160
Er kennt sich nach seinem Stande,
161
Lebet im Gesellschaffts-Bande
162
Wie die Vorsehung es fügt,
163
Und ist mit dem Stand vergnügt,
164
Den dieselbe ihm gegeben,
165
Und dahin geht sein Bestreben,
166
Daß er in der Demuth treu,
167
Und der Welt recht nüzlich sey:
168
Er wünscht auch nicht mehr zu haben,
169
Und sein Pfund nicht zu vergraben.

170
Hat die Vorsicht ihn erhoben,
171
Daß ihn alle Menschen loben,
172
Mit Ehrfurcht gebükt ansehn,
173
Lässet er das zwar geschehn:
174
Aber es geht sein Bemühen,
175
Auch dahin den Stolz zu fliehen,
176
Der die sonsten schwindelnd macht,
177
Die sich in die Höh gebracht
178
Demut zeigt mit gleichen Mienen,
179
Hoch und Niedrige zu dienen.

180
Demut liebt der Ordnung Sitten,
181
Und wird um den Rang gestritten,
182
Nimmt sie keine Stelle ein,
183
Der sie nicht kan würdig seyn,
184
Soll sie ja dem Stolze weichen,
185
Thut sie dieses ohn Erbleichen,
186
Ohn Verdrus der solche plagt,
187
Die ein hoher Siz behagt,
188
Sie erkennt daß Ehre Schatten,
189
Damit sich die Körper gatten.

190
Demut pflegt die nicht zu schelten,
191
Die vielmehr als sie selbst gelten,
192
Gönnet andern ihre Zier,
193
Und stellt sich im Herzen für,
194
Daß oft andre auf der Erden,
195
Können nüzlich, heilsam werden,
196
Und daß Ehre, Würde, Stand
197
Nicht allzeit dem zu erkannt,
198
Der mit grössern Gaben pranget,
199
Als man selbst von

200
Demut aber kan nicht schmeicheln,
201
Noch als die Schmaruzzer heucheln,
202
Sie giebt jedem nach Gebühr
203
Seine Ehre, seine Zier
204
Da sie sich nicht selbst erhebet,
205
Noch nach höhern Stuffen strebet,
206
So legt sie aus Schmeichelei,
207
Auch nicht einem andern bei,
208
Was ihm nicht mit Recht gehöret,
209
Wenn sie sein Verdienst verehret.

210
Wer dem Schöpfer will gefallen
211
Führe sich in seinem Wallen,
212
In dem ganzen Lebenslauf
213
Nach der Demut Vorschrift, auf,
214
Weil der Himmel den erhebet,
215
Der in wahrer Demut lebet:
216
Denn die schöne Ehrenkron,
217
Ist der ächten Demut Lohn
218
Welche
219
Der sein Nichts stets wol gedenket.

220
Ein demütiges Betragen,
221
Macht uns frei von vielen Plagen,
222
Womit sich der Mensch beschwert,
223
Der sein Herz zum Hochmut kehrt,
224
Wer da will vergnüget leben,
225
Muß der Demut sich ergeben,
226
Weil die Tugend
227
In dem ächten Glanz gefällt,
228
Weil sie vielen Vortheil bringet,
229
Und ihr Thun auch woll gelinget.

230
Demut kommt in Glükkes-Spiele
231
Viel geschwinder auch zum Ziele,
232
Als der Stolz der sich nicht kennt,
233
Und durch krumme Wege rennt.
234
Wer nach Ehre keichend jaget,
235
Blindlings wählet, alles waget,
236
Kömmt oft, wenn der Othem kurz,
237
Ubereilt zum Fall und Sturz,
238
Da die Demut langsam eilet,
239
Der man Kron und Preis zutheilet.

240
Menschen! die ihr Staub und Erden,
241
Lernet doch demütig werden:
242
Christen! auf der Tugend Bahn,
243
Sehet euren Herzog an,
244
Folget als des Geistes Tempel
245
Nach, dem reizenden Exempel,
246
Der getreue Seelen Hirt,
247
Der als Höchster niedrig wird,
248
Lehret euch ihm nachzugehen,
249
Wenn ihr ihn wolt herrlich sehen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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