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Jhr Kinder der Natur, die ihr so spät
erscheint,
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Da man den Untergang des Pflan-
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Warum last ihr euch noch bei stür-
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Des rauhend kalten Nords, beim
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Jhr kommet kaum hervor, so seid ihr schon geplagt,
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Jhr blüht seid gestern erst, und stehet schon verzagt,
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Und last das schlaffe Haupt der matten Blätter
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Mir deucht als wolt ihr uns mit euren Kopfe win-
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Daß wir eur Elend sehn. Jhr alle kommet mir,
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Als zarte Kinderchen, die kaum gebohren für,
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Und da ihr kaum aufblüht, so müst ihr euch in
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Nach euren Untergang schon wieder rükwerts sehnen.
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Jhr seid ein schönes Bild von unsrer Eitelkeit,
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Gebuhrt und Leben, Todt sind auch bei uns nicht
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Der Anfang ist kaum da; so folget auch das Ende,
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Da faulet wiederum des Leibes Kunstgebände.
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Der feuchte Herbst macht euch mit vielen Regen naß,
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Der Wind der saugt euch aus, und macht euch bleich
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Und euer Anfang ist, der Anfang zu den Sterben,
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Jhr blühet späte auf, und müsset früh verderben,
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Wir Menschen sehn euch an, nicht ohn Bewunde-
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Wir klagen daß ihr seid so voller Aenderung,
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Allein ihr rufft uns zu: beklaget euch nur selber,
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Eur erster Lebens-Schritt geht in die Sterbgewöl-
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Eur erster Lebenshauch den ihr so seufzend zieht,
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Zeigt wie eur Athem dreinst mit Schmerzen aus euch
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Jhr weinet wenn ihr komt, ihr weinet bei dem Schei-
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Bei eures Lebens-Lust habt ihr auch vieles Leiden.
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Jm Reiche der Natur sind wir der lezte Rest,
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Der vor der Winterszeit sich blühend sehen läst,
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Der Herbst raft uns hinweg, da wir erst sind ge-
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Jhr alle seid ja auch wie wir zum Tod erkohren.
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Der Frühling liefert euch in eurem ersten Jahr
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Auch ofte wenn ihr lebt, zur schwarzen Todten-
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Ich dachte noch dabei, so kan man allzeit sehen,
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Wie wir den Blumen gleich, im Blühen und Ver-