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Die Laster hüllen sich oft in den Tu-
gend-Schein,
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Als wie ein gierger Wolf in Scha-
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Der Mensche pflegt den Glanz der
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Allein er will nicht gern sich in derselben üben,
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Drum nimmt er ihren Schmuk und zieht denselben
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Auf das er ungescheut die Welt berükken kan,
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Will das nicht mehr angehn, so spannt er ihren
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Als einen schimmernden mit Gold besezten Nah-
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Um seine Thaten her; so ist des Lasters Bild,
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Ins schöne Aussenwerk der Tugend eingehüllt.
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Die Mode ist jezt so, man will von aussen gleissen,
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Was Böse ist soll gut, das Laster Tugend heissen.
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Ein Beispiel giebet uns der Menschen arge List,
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Die in der jezgen Welt die weise Klugheit ist.
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Wer seinen Wiz gebraucht zu eines andern Scha-
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Wer seine eigne Schuld kan anderen aufladen,
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Der heist ein kluger Mann, den lobt die Mode-
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Weil ihr das Laster nur, die Klugheit nicht gefällt,
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Es ist zu unsrer Zeit, die Secte der Ophiten,
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Die sonst durchaus verdammt, bei vielen woll ge-
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Man nimt den Lehrsaz an, daß der ein Kluger heist,
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Des Herze voll Betrug, von Gifte überfleußt;
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Wenn man dadurch zum Ziel, das man gewünscht,
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So wird die böse That zum Meisterstük genommen,
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Das kluger Wiz erdacht. Und räumt man dieses
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So kan die Schlang die glänzt, ein Seraphine seyn,
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So können die, die nur als falsche Schlangen
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Inskünftige nicht mehr des Teuffels Kinder heissen,
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Sie sind im Gegentheil als solche anzusehn,
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Die sich mit klugen Wiz, nach ihrem Ziele drehn,
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Darnach ein jeder strebt, und nach der Vorsicht
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Als ein Vernünftiger wird billig streben müssen.
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Verdammte Sittenlehr! die diesen Grundsaz hegt,
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Den hat die alte Schlang, der Teuffel eingeprägt,
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Daß man als Mensch verpflicht, nach seinen Glük
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Daß andre neben uns in heissen Kummer schmachten.
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Wir leben auf der Welt, wir müssen uns bemühn,
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Durch Klugheit uns den Schlam des Elends zu
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Wir müssen uns mit Lust, die Kummer Tage wür-
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Doch dadurch andre nicht in bittres Elend stürzen.
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Das denken viele nicht, drum üben sie Betrug,
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Und meinen wer das könn, der sey nur wizzig, klug,
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Die treue Redlichkeit die keinen Mensch betrübet,
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Und nach der Tauben Art, in reiner Einfalt lie-
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Die keinen Unrecht thut, wird Thorheit, Unver-
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Zum Schimpfe und zum Spott ein Aberwiz ge-
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Wer das nicht glauben will, der mag die Welt
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Der wird an jedem Ort davon Exempel sehen.
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Wer das was gleich ist krum, was krum gerade
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Der heist ein kluger Kopf, es wird da nicht be-
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Ob er das Recht gebeugt, den Richterstuhl belogen,
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Mit einem blauen Dunst des Richters Aug betro-
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Hingegen wer das Recht in keinem Stükke beugt,
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Mit Vorsaz nicht ein Wort zu seinem Vortheil
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Der ist ein schlechter Mann, er hat zu viel Gewis-
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Drum hat er nicht das Recht dem andern abgebis-
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Wer einen Handel treibt, die Einfalt oft berükt,
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Mit einem leichten Schwur ein falsches Siegel drükt,
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Sich drehn und wenden kan, wie wir es gerne ha-
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Das ist ein weiser Mann von sonderbahren Gaben.
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Wer eines andern Blut, und sauren Schweis ver-
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Und sich mit dem Betrug aufs reicheste ernährt,
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Der ist ein kluger Dieb, er weis die Welt zu zwin-
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Daß man ihm seinen Raub, muß gar ins Haus hin-
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Wer sich durch andrer Fall, mit List erhöhen kan,
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Den nennt die blinde Welt, offt einen klugen
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Der doch ein Bösewicht, der diese Welt zerstöh-
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Ob ihn ein jeder gleich, als einen
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Jhr Christen! fliehet doch die falsche Schlangen
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Die nicht mit Redligkeit der Tauben ist verpaart;
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Die Kinder dieser Welt die spannen doch nur Schlin-
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Dadurch sie endlich sich selbst ins Verderben brin-
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Die Arglist siehet zwar, die andre leicht berükt,
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Doch eh sie sichs versieht; so ist sie selbst bestrikt.
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Die Weltgeschichte lehrt, daß die doch sind gefan-
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Die mit dem stolzen Wiz, zu andrer Schaden
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Die wahre Klugheit liebt auch die Gerechtigkeit,
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Sie merket sorgsam an, der Welt Begebenheit,
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Doch aber hütet sie sich bösen gleich zu stellen,
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Die wie die Schlangen laurn, die Einfalt zu be-
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Die Klugheit stammt von
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Die Klugheit nur allein verdienet Ruhm und
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Die Arglist führt mit Recht den längst verdienten
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Sie sey ein Ueberrest von falschen Schlangen-Saa-