Betrachtung über eine mit gel- ben und saftigen Obst angefülle- te Schüssel

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Johann Justus Ebeling: Betrachtung über eine mit gel- ben und saftigen Obst angefülle- te Schüssel (1747)

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O! mein Schöpfer wie erquikkend,
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Und wie lieblich ja entzükkend
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Ist die Baumfrucht anzusehn,
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Die so roth und sprenglicht schön,
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Als wenn, wie in silbern Schaalen,
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Güldne Aepfel herrlich strahlen!

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Solche Schönheit läst du steigen;
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Aus den troknen Stamm und Zweigen,
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Wie bist du den Menschen hold,
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Denen du ein esbar Gold
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Wundernswürdig zubereitest,
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Und durch zarte Röhren leitest.

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Weil daraus die giergen Augen,
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So viel süsse Anmuth saugen:
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So zieht der vergnügte Blik,
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Gleichsam meinen Mund zurük,
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Und behindert im Verzehren,
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Diese Schönheit zu zerstöhren.

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Doch was lieblich anzusehen,
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Bringt nicht allzeit solche Wehen,
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Als die Frucht im Paradies,
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Die der Probe-Baum dort wies:
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Diese soll man ja geniessen,
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Weil du sie uns lässest spriessen.

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Zwiefach schön sind diese Früchte,
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Wie sie laben das Gesichte;
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So labt auch bei jedem Bis,
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Jhr Saft welcher Honig süß,
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Da wir in begiergen Schmekken,
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Schöpfer! deine Güt entdekken.

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Ach! wie reitzend, frisch und kühle,
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Schmeichelt uns des Gaums Gefühle,
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Wenn dadurch der Saft sich gießt,
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Der aus dieser Baumfrucht fliest,
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Durch die Kehle lieblich quillet,
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Wenn sie unsern Mund gefüllet.

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Diese die uns aufgetischet,
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Sind wie Saur und Süß vermischet,
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Jhre herbe Säurlichkeit
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Ist mit Zukker überstreut:
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Damit wir an deinen Gaben,
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Nach Gefalln uns können laben.

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Wenn ich an der Herbstgeschenke
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Ursprung, recht zurükke denke,
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Wie sie zu der Reif gedein,
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Muß ich mich von neuen freun,
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Da wir warlich Wunder essen,
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Die nicht gnugsam zu ermessen.

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Was der Saft der Erde bringet,
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Der durch Baum und Zweige dringet,
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Sezt sich in den Blüthen an
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Draus dies Obst entstehen kan,
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Wenn durch
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Es zur Zeitigung erhalten.

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Was so durch den Stamm gebrochen,
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Muß die Sonne gleichsam kochen,
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Bis der Saft so durchgerührt,
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Sich die Bitterkeit verliehrt,
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Die verduftet durch das Brennen
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Da wir sie denn essen können.

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Drükket uns dies GOttes Güte
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Nicht so gleich in das Gemüthe,
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Die so wunderbahrlich macht,
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Was uns in die Augen lacht
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Was uns unsre Zung erfreuet,
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Was im Magen uns gedeiet?

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Menschen! wenn ihr diese Früchte,
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Diese lieblichen Gerichte,
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Die der Schöpfer euch beschert,
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Bei vergnügter Lust verzehrt:
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So erkennt zu seinem Preise,
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Wie er mächtig, gütig, weise.

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Dieses könt ihr achtsam schmekken,
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Und dadurch den Trieb erwekken,
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Einer regen Dankbarkeit,
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Die ihr dafür schuldig seid,
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Dem, der zum vergnügten Leben,
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Euch so manche Frucht gegeben.

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Wer das Obst vergnügt geniesset,
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Daß der Mund von Safte fliesset,
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Aber nicht dabei gedenkt,
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Wer dasselbe ihm geschenkt,
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Ist nicht werth die süssen Gaben
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Die der Schöpfer giebt, zu haben.

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Wer an Früchten sich ergözzet,
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Und
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Und damit den Magen füllt,
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Des Geschmakkes Reizung stillt,
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Jsset wie die Thiere pflegen,
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Die den Geber nicht erwegen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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