Eine andächtige Bewunderung der Grösse GOttes bei dem Heer seiner Kreaturen

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Johann Justus Ebeling: Eine andächtige Bewunderung der Grösse GOttes bei dem Heer seiner Kreaturen (1747)

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Wenn ich auf Flügeln der Gedanken
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Mich schwinge durch die ganze Welt,
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Erwege ihre breite Schranken,
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Was dieser Umkreis in sich hält,
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Bedenke was vor grosse Heere
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Jm Himmel, Lüften, Erd und Meere
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Die

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Mein Geist erstaunt und wird entzükket,
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Wenn er die Himmels Veste sieht,
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Und durch ein Ferne-Glas erblikket,
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Was in der blauen Tieffe glüht,
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Da schau ich Millionen Sonnen,
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Darum ein Wolken-Flor gesponnen
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Und denke bei der Lichter Schein,

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Kaum merk ich, daß der Luftkreis schwim- met,
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Dadurch der Sonnen Feuer-Strahl,
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Das Sternen Heer, zur Nachtzeit glimmet;
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So frag ich dabei allemahl,
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Ob diese regen Himmels-Lasten
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Auf starken Pfeilern etwan rasten?
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Der Schöpfer träget sie allein,

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Ich denke nach, wie unsre Erde,
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Der kleine Ball, den
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Nebst allen durch ein würkend Werde,
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Aus ihren Nichts sich dargestellt,
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Und was vor viele Kreaturen,
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Auf Bergen, Ebnen, Thälern, Fluren,
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Es sagt mir beides gros und klein,

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Der Berge schrökliche Gerüste,
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Der schroffen Felsen steile Höhn,
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Die wie der Erden Säugebrüste,
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Jm Reiche der Natur zu sehn,
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Und ihre majestätschen Hügel
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Sind alle lauter Wunder Spiegel,
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Sie stimmen darin überein:

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Will ich die Augen zu den Meeren,
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Woraus die Flüsse sich herdrehn,
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In der Betrachtung weiter kehren
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So seh ich Wunderfluthen gehn,
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Die in den Uffern brausend wallen,
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Auf
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Und murmeln an der Klippen Stein,

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Was vor ein ruderndes Gewimmel,
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Von Fischen hegt See, Flus und Teich,
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Und was vor webende Getümmel,
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Von Thieren sind im trocknen Reich
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Der Erde, in den tieffen Gründen,
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In Wiesen, Feldern, Wald zu finden!
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Sie schnattern, singen, brüllen, schrein,

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Er ist es der viel tausend Früchte,
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In Reiche der Natur gemacht,
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Und manche niedliche Gerichte,
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Für Vieh und Menschen ausgedacht:
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Er krönt die Felder mit den Seegen,
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Was Wiesen, Gärten in sich hegen,
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Muß alles blos durch ihm gedein,

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Er schaft zu jeden Jahreszeiten,
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Den Menschen Kindern alles an,
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Was sie mit frohen Liebligkeiten
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Ergötzen und erquikken kan:
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Er läßt der Güte Wunderquellen,
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Jm größten Ueberflusse schwellen,
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Der Menschen Herze zu erfreun,

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Er ist es, der das auferbauet,
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Was man in Luft, auf Erd, im Meer
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In Höhen, in der Tieffe schauet,
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Das sind die Spiegel seiner Ehr,
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Die Meisterstükke seiner Stärke,
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Der weisen Güte Wunderwerke,
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Jhr Zeugnis heist auch allgemein:

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Und wenn wir uns nur selbst ansehen,
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Mit einem aufmerksamen Blik;
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So muß ein jeder eingestehen,
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Sein Körper sey ein Meisterstük.
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Ein jedes Theil, Glied und Gelenke,
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Das sagt mir, wenn ich nur bedenke,
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Wie künstlich das, was gros und fein,

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Erweg ich, wie im Leib, die Seele,
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Ein denkend geistig Wesen wohnt;
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Betracht ich wie sie in der Höle
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Des Körpers, als unsichtbahr thront,
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Bemerk ich was vor Eigenschaften,
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In den Verstand und Willen haften;
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So muß ich

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Bedenk ich, wie durch unsre Sinnen,
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Die Dinge die von aussen sind,
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Als wie durch zarte Röhren rinnen,
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Und wie wir sie so bald, geschwind,
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Wenn sie derselben Kunstwerk rühren,
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Mit ihrem Bild im Geiste spüren:
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So fühlen wir, bey Lust und Pein:

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Ja! du bist gros in allen Werken,
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Die deine weise Hand gemacht,
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Wir können deine Grösse merken
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An allen was du ausgedacht.
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Es strahlt daraus die Macht und Güte
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Und Weisheit ins gerührt Gemüte,
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Man sieht an allen klar und rein:

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Drum auf o! Seele! GOttes Grössen
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Mit Ehrfurchts-voller Dankbarkeit
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In Kreaturen zu ermessen,
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Die er uns hat zum Nuz bereit:
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Auf, auf! und singe ihm zum Ruhme,
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Wenn du auch wirst im Heiligthume,
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Jhm Opfer bringen, Weihrauch streun,

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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