1
Gros ist Schöpfer! deine Güte, die uns
reichlich hat beschenkt,
2
Dieses kan man sehn und schmeken
3
Was uns blos der Garten giebt,
4
In dem saur und süssen Obst, aus den Baum ge-
5
Diese Gaben sind unzählig, wenn man nur die Art
6
Die ein Garten voller Bäume, hie und da im Um-
7
Da sind Aepfel welche süß, andre welche säurlich
8
Beide aber können uns, deine weise Güt entdekken.
9
Und von diesen beiden Arten, zeiget sich ein Man-
10
Wenn man auf die Grösse siehet, auf die Farbe und
11
Einige sind dik und rund, andere sind länglicht kleine,
12
Einige von schroffer Haut, andere sind glatt und
13
Diese scheinen grünlicht gelbe; jene aber gelblicht
14
Und die andren sind dagegen nach dem äuserlichen
15
Bei der Reiffe wie ein Wachs, als wenn sie zu sol-
16
Eines weisen Künstlers Hand, wie mit Wachs po-
17
Andre sind gestricht, gestreiffet; jene sind recht spreng-
18
Wiederum sind neue Sorten, die halb roth, halb
19
Und wie Rosen in der Blüt, wenn sie an den Zwei-
20
Sich in holder Liebligkeit mit dem grünen Laub ver-
21
Unser Herze wallt vor Freuden, wenn es diese Ga-
22
Die des weisen Schöpfers Liebe aus den schlanken
23
Daraus sie im regen Saft nach des Schöpfers wei-
24
Jede nach bestimmter Art, in gemeßne Formen
25
Welche Anzahl von Gewächsen, die man sonsten
26
Findet man in denen Gärten, womit uns der Höch-
27
Auch an diesen sind zu sehn eines weisen Vaters
28
Und zu schmekken, wenn sie uns beim Genus erquik-
29
Wiederum wird unser Herze durch das Stein-Obst
30
Welches in den holden Funkeln unser Aug im Herbst
31
Da ist eine Kirschen Meng, die gleich denen Edel-
32
An des grünen Gipfels Kron, herrlich in die Augen
33
Und wenn sie die Kehle schmekket, so geniest sie einen
34
Der den dorren Gaum erquikket, und dem Herz Er-
35
Jhre Säure ist uns süß, und kan denen giergen Keh-
36
Jm Geschmack die Gütigkeit ihres Gebers stets er-
37
Hie sind Bäume voller Pflaumen, die sehr lieblich
38
Und mit ihren safftgen Früchten
39
Einige sind wie ein Gras, andre bunt, und die hin-
40
Sind vom Nebel blau gefärbt, wenn wir sie genau
41
Diese süsse Naschereien giebet auch die milde Hand,
42
Die durchs rege Feur der Sonnen, und durch den
43
Jhre Säffte kochen läßt: damit wir mit Lust ge-
44
Was die ewge Vatergüt läst für uns aus Holz ent-
45
Dort sind Bäume, schlanke Stauden, da die
46
Uns von neuen überzeuget von der Güte Ueberflus,
47
Die durch süssen Saft uns nährt, und auch weil
48
Ein erfrischend Nahrungs-Oel in den welschen Nüs-
49
Da durch die erfundnen Pressen, ihre fette Feuch-
50
Ausgedrükt, die bei der Speise mannigfaltig uns
51
Und wie herrlich ist der Nuz, und wie weise sind die
52
Die wir in den Sommer, Herbst und auch in den
53
Lasset uns die innre Güte dieser Arten nur besehn,
54
So muß also bald ein jeder, daß
55
Es hat seine Weisheit uns zur Erhaltung und zum
56
Auch der Bäume schöne Frucht, zu der rechten Zeit
57
Früchte die zur Zeit des Sommers, uns in der Na-
58
Sind voll eines kühlen Saftes, damit uns die Gü-
59
Wenn die schwüle Sonnenhiz uns auf unsre Schei-
60
Und der Flammen heisser Strahl unsrer Lüfte Kreis
61
Wenn der Gaum denn ausgedorret, und ein Brand
62
Werden wir durch saftge Früchte recht erquiklich ab-
63
Wenn wir von den Laub beschirmt, uns in stillen
64
Und an saftig schönen Obst unsren troknen Gaum
65
Alsdenn deucht mir kan man schmekken, wie der
66
Wenn der Saft der reiffen Früchte sanfte durch die
67
Alsdenn kan man klärlich sehn, wie die Weisheit
68
Jhr Geschenke eingericht, alles so weis zu bereiten
69
Als es ihren Kindern nüzet. Bricht der kalte Herbst
70
Da die Früchte auf den Bäumen alle in der Reiffe seyn;
71
So entdekt ein achtsam Herz, bei dem forschenden
72
Lauter Mannigfaltigkeit an den zugetheilten Seegen.
73
Da sind viele Arten Früchte dem Geschmakke angenehm,
74
Die auch gleich so roh zu essen, so bald als sie reif,
75
Andre sind zu herb und hart, die wenn sie ein Zeit-
76
Hernach erst erquiklich seyn, und recht herrlich uns
77
Diese sind so hart wie Steine, taugen gar zum Es-
78
Wenn man sie von ihren Bäumen; ob sie gleich ganz
79
Aber wenn man solche kocht, können sie beim er-
80
Einen lekkerhaften Mund giergen Appetit erwekken.
81
Viele von der Frucht der Bäume sind bei einem
82
Des darauf erfolgten Winters, für uns eine schöne Kost,
83
Wenn man sie am Feuer dorrt, und auf diese Zei-
84
Und damit an warmen Heerd seinen Körper nährt
85
Welche wunderbahre Güte zeigt der Schöpfer da-
86
Daß man seiner Liebe Gaben, so vielfältig nüzen kan!
87
Daraus sieht ein jeder Mensch, daß
88
Ein Allmächtiger und auch ein recht gütiger Be-
89
Der für seien Kinder sorget, ihnen reichlich Nahrung
90
Und indem er reichlich giebet, uns dabei auch über-
91
Daß die holde Mildigkeit uns bei ihren vielen Gaben,
92
Auch noch wolle überdem, durch ein süß Vermögen
93
Der geneußt des Himmels-Güte, der darin erkennt-
94
Und auch in dem Obste schmekket, wie der Höchste sey
95
Seiner Kinder zeitlich Woll, durch der Vorsicht
96
Das so manche Gaben bringt, zu befördern, zu er-
97
Wer die Baumfrucht nur geniesset, und dabei gar
98
Wer dieselbe uns aus Liebe zur vergnügten Lust ge-
99
Der ist einem Thiere gleich, das wenn es vor Hun-
100
Nicht den grossen Baum ansieht, nur allein die
101
Womit es den Magen füllet. Viele sind dem Vie-
102
Nähren sich mit schönen Früchten, aus den Baum
103
Sehen aber weiter nicht, von Gewohnheits-Schlaf
104
Wer damit den grünen Baum wundernswürdig
105
Viele die nur Fleisch dem Fleische zu der Nahrung
106
Und das Zugemüsse fliehen, nur an solche Tafeln gehn,
107
Die mit Thieren sind besezt, achten solche Wunder-
108
Als die Speisen die nur gut, für die Armen die geringe
109
Und an niedren Staube kleben: Und ihr ausgespik-
110
Ist ein Göze der nichts liebet, als die Opfer da im
111
Das gebratne Fett aufquillt, der nichts zu der Nah-
112
Als was an dem Feur gedorrt, und auf denen Heer-
113
Die er sich zu Brandaltären ausersehn, wo Fettigkeit,
114
Treufelt in die heissen Pfannen, und ihn in Genus
115
O! vergnügte Lebensart, da in denen güldnen Zeiten,
116
Menschen aus gesunden Obst sich die meiste Speis be-
117
Damahls lebte man zufrieden, da man noch die Gar-
118
Und das schöne Kraut vom Felde sich zur Nahrung
119
Wo man was die Eiter schäumt, was der Baum
120
Als die allerbeste Kost zu dem Nahrungsbrod ge-
121
Da noch keine grosse Taffeln von der Schüsseln Last
122
Noch auf einmahl viele Thiere, aus der Luft, und
123
Lebte die Zufriedenheit, meistens von den Garten
124
Die die Einfalt gar gekocht, als den niedligsten Ge-
125
Dieses waren Süßigkeiten, die der Kehle lekkerhaft,
126
Diese gaben gute Nahrung und dem Leibe ihre Kraft,
127
Kam der Honig noch dazu, den ein Heer der süssen
128
Aus den Thimian gemacht, aus dem Kräutern die da
129
Als die Quint-Essenz gesogen; so ward mit beson-
130
Eine Mahlzeit zu bereitet, und zum Festgelag gemacht.
131
Dieses war die beste Kost zu dem recht vergnügten
132
Da ein jeder den erhob, der ihm solche Kost gegeben.
133
Liebten, wir in unsern Tagen, diese süsse Lustbarkeit,
134
Wären wir von vielen Seuchen, die der Magen zeugt
135
Drum ihr Menschen eßt das Obst; seht dabei mit
136
Eines weisen Schöpfers Macht, schmekket seine rei-