XlVI. Der Todt

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Andreas Gryphius: XlVI. Der Todt (1650)

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Was hilfft die gantze Welt! Mensch! deine Stūde schlegt!
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Zwar ehr alß du vermeynt! doch wer muß nicht erblei-
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chen?
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Nun wird die schönheit rauch; nun muß die Tugend weichen/
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Nun ist dein Adel dunst/ die stärcke wird bewegt!

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Hier fällt auff eine Baar der Hutt vnd Krone trägt
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Hier feilt die grosse kunst/ kein Tagus schützt die reichen.
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Man siht kein Alter an/ die gantz verstellte Leichen
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(o Freunde! gutte nacht!) wird in den staub gelegt

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Du scheidest! gantz allein! von hier! wohin! so schnelle!
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Diß ist deß Himmels bahn! die öffnet dir die helle!
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Nach dem der strenge Printz sein ernstes Vrtheil hegt.

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Nichts bringst du auf die welt/ nichts kanst du mit bekom̃en:
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Der einig’ Augenblick hat/ was man hat/ genommen.
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Doch zeucht dein werck dir nach! Mensch! deine Stunde
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schlegt.

(Gryphius, Andreas: Teutsche Reim-Gedichte. Frankfurt (Main), 1650.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Andreas Gryphius
(16161664)

* 02.10.1616 in Głogów, † 16.07.1664 in Głogów

männlich, geb. Gryphius

natürliche Todesursache | Schlaganfall

Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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