Das zerrissene Wiesenthal

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Sigmund von Birken: Das zerrissene Wiesenthal (1665)

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Florian gieng/ in den Tagen/
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durch das grüne Pegnitzthal/
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als ihr Zelt im Wiesensaal
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Flora wieder aufgeschlagen/
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und ihr Buhle Zefyrus
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ihr nun gabe Kuß üm Kuß.

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Ich will (sprach er) nicht beneiden
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deine Wollust/ Göttlichs Paar!
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Aber ich/ muß dieses Jahr
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diese süsse Freuden meiden:
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Sylvien ihr Rosenmund/
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will mir nimmer seyn vergunt.

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Seufzend gieng er fort am Rande
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ach! die schöne Schäferey
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war nun eine Wüsteney/
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die er halb zerrissen fande
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von der angeschwemmten Flut/
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von der nächsten Wasserwut.

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Wo sonst (sagt’ er) gienge grasen
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unser krauses Wollenvieh;
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wo die Sonne in der früh
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Perlen leckte von den Rasen:
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da begräbt itz und der Sand
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das gemahlte Blumenland.

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Wo zuvor die Flut gedrehet
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ein bemostes Wasserrad/
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das die Wiesen führt’ ins Bad/
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und den frischen Klee gesäet:
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da steht itzt/ im nassen Rock/
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ein unnützer halber Stock.

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Unter jenen Kirschenbäumen/
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saß ich oft in kühler Ruh.
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dorten thät ich/ was ich thu.
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ach! wie flossen mir die Reimen!
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Itzund steht/ der liebe Wald/
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ganz zerwühlt und ungestalt.

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Schöne Insel! deine Linden
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neigen/ von der schönen Höh/
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ihre Häupter in den See;
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und mit ihnen/ in den Rinden
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mancher Name/ manches Wort/
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die ich eingeschnitten dort.

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Pegnitz! zahlst du deinen Hirten/
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vor die Liebe/ solchen Hass?
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uns/ die wir ohn unterlaß
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dich mit Lobe-Worten zierten;
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die wir/ manches gutes Lied/
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deinen Fluten gaben mit.

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Seit an deinen Ufern singen
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deine Schäfer/ hörte man
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weitberühmet Wolken-an
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deinen Namen sich aufschwingen.
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Solche Ehre gaben wir:
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solchen Dank gibst du dafür.

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Zwar/ itzt kan ich mich besinnen/
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was diß Thal so öd gemacht.
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Sylvia/ gibt gute Nacht.
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Es macht’ alle Pegnitzinnen/
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alle Hirten/ weinen hier/
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Sylvia die Wälder-Zier.

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Tausend Augenbächlein gossen
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so ein Threnenmeer zu hauf:
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dieses kam/ in schnellem lauf/
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über Ufer angeschossen.
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Ach! es hat auch Florian
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einen Bach hinzugethan.

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Sylvia/ setzt uns in Leiden.
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Ach! es zieht von diesem Ort
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alle Freude mit ihr fort.
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Unser Elend ist/ ihr Scheiden.
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Nichtes lässt sie uns allhier/
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als das Sehnen nur nach ihr.

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Frag der Bäume Rutenspitzen/
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warüm sie noch nit begrünt/
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warüm sie so kahl noch sind?
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Ach! sie sehen nimmer blitzen
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ihre schöne Sonne hier/
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Sylvia die Wälder-Zier.

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Nun/ ihr vormals-lieben Auen!
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ihr behaget mir nit mehr.
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Weil bey euch/ der Felder Ehr
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Sylvia/ nit mehr zu schauen/
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weil sie euch gesegnen sol;
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sprech ich auch: Gehabt euch wol!

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Wüste Wälder/ düstre Häyne/
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die so traurig sind/ als ich/
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schwarze Nächte/ sollen mich
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forthin trösten nur alleine.
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Reiset Sylvia von hier:
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alle Freude weich von mir!

(Birken, Sigmund von: Pegnesische Gesprächspiel-Gesellschaft von Nymfen und Hirten. Nürnberg, 1665.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Sigmund von Birken
(16261681)

* 25.04.1626 in Skalná, † 12.06.1681 in Nürnberg

männlich

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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